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Kommunen kontra Krachmacher
Lärmmessung am Auspuff: Wer zu laut röhrt, den schickt die Polizei zum Tüv. Foto: dpa
Autotuning

Kommunen kontra Krachmacher

Dicker Auspuff, heulender Motor: Viele Menschen leiden unter lärmenden Autos in den Städten. Polizei und Kommunen gehen in die Offensive.

18.04.2017
  • LSW

Singen/Mannheim. Der Fahrer des getunten Autos lässt den Motor röhren und die Reifen quietschen. Es wird laut auf dem Parkplatz einer Fastfood-Kette in Singen (Kreis Konstanz). „Der wird gleich baden gehen“, sagt Sascha, der als Security fürs Restaurant arbeitet und sofort die Polizei anruft.

Doch bevor die Beamten auch nur in die Nähe kommen, ist von dem Fahrzeug nichts mehr zu sehen. Es ist ein Katz- und Maus-Spiel, das sich die Tuning-Szene und die Polizei an diesem Abend liefern. Beide Seiten sind davon zunehmend genervt.

Die Treffen der Autofans verursachen in Singen und in weiteren Städten seit langem Ärger. Die Teilnehmer kommen freitags im Industriegebiet zusammen, sie verabreden sich im Internet oder schauen spontan vorbei. Das wäre kein Problem. Allerdings ist die Zahl mitunter sehr hoch, an manchen Abenden kommen der Stadt zufolge mehrere hundert Teilnehmer, oft auch aus der benachbarten Schweiz. Die Folgen: Müll, Lärmbelästigung und Sachbeschädigung.

Nicht immer bleibt es beim gegenseitigen Bestaunen der Autos. Manche Fahrer liefern sich Rennen auf der nahen Autobahn, Sascha spricht zudem von Schlägereien. Wer die Autofans anspricht, hört oft: Das machen andere. Philipp und seine Freunde, die an diesem Abend zum Treffen gekommen sind, verdächtigen Schweizer Autofans. „Die machen den Krawall. Sie kommen hierher, tanken erstmal auf, und dann gehts zum Rennen auf die Autobahn.“ Schweizer Teilnehmer widersprechen. „Wir sind nur zum Essen hier, und danach gehen wir in die Shisha-Bar“, sagen etwa Michele und Gabriele.

Über Ostern hat Singen ein Verbot erteilt. Vom 13. April bis zum 16. April waren Ansammlungen von mehr als fünf Autos verboten. Auch anderswo gibt es Ärger mit Autofans. In Stuttgart beschlagnahmte die Polizei im vergangenen Jahr 59 hochgetunte Autos. Bei 78 Fahrzeugen sei die Betriebserlaubnis entzogen worden. „Ein durchschnittliches Jahr“, sagt Polizeisprecher Joachim Knoefel. Die Autos waren derart aufgemotzt, dass die Sicherheit gefährdet war.

Teils seien immer wieder die gleichen Fahrer betroffen. Wer „diese Lebensphilosophie“ habe und teils viel Geld ins Auto stecke, für den sei es offenbar schwer, sich nicht zeigen zu wollen. Mit Tempolimits und Fahrbahnschwellen versuche man, dem Problem Herr zu werden. Vieles werde aber in andere Straßen verdrängt, sagt Knoefel. Eben dorthin, wo sie eine Kulisse haben, Straßencafés, Zuschauer.

„Zu einem dieser Magneten für Autoposer hat sich leider unser Mannheim entwickelt“, sagt Polizeioberkommissar Michael S. und seufzt. Allein 2016 beschlagnahmten die Behörden hier mehr als 70 Autos. Es ist oft das gleiche Muster: Manipulationen am Auspuff und rund um die Räder, das macht die Fahrzeuge laut, modisch – und gefährlich für den Verkehr.

Michael S. ist an diesem Aprilabend mit seinem Kollegen Ralf M. in einem unauffälligen Wagen unterwegs. Ihre Nachnamen wollen die Ermittler nicht gedruckt sehen. Mit seiner Kelle hält Polizeikommissar M. eine weiße Limousine an, die durch lautes Knattern auffällt. Erst im August wurde das Fahrzeug beschlagnahmt, der Besitzer musste 1000 Euro Bußgeld zahlen. Gelernt hat der junge Mann daraus nichts. Eine Lärmmessung am Auspuff ergibt weit mehr als die in den Papieren eingetragenen 88 Dezibel. Die Beamten M. und S. beschlagnahmen den Wagen im Wert von über 150 000 Euro erneut.

Der Fahrer muss im Taxi weiterfahren und flucht. S. schätzt die Zahl der Autoposer in Mannheim auf 300, Tendenz steigend. „Die wachsen nach wie Pilze“, meint der Oberkommissar und schüttelt den Kopf. dpa

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18.04.2017, 06:00 Uhr

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