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Zeiss

„Komplexestes Gerät der Menschheit“

Der Optik-Konzern baut an einer Maschine zur Chipproduktion, deren Entwicklung alles in den Schatten stellen soll. Die vollen Kassen erlauben intensive Forschung und und Entwicklung.

17.12.2016
  • THOMAS VEITINGER

Oberkochen. Zeiss ist im ganz Kleinen unterwegs, baut Brillengläser fürs Kleingedruckte und Mikroskope für Medizin und Forschung. Das bedeutet aber nicht, dass die Oberkochener kein ganz großes Rad drehen können: „Das ist wohl das komplexeste Gerät, das jemals Menschen gebaut haben“, sagt Thomas Spitzenpfeil. Die Rede ist von einer Maschine zur Chipproduktion mit extremer ultravioletter Strahlung, der so genannten EUV-Lithographie. Kosten: ein dreistelliger Millionenbetrag. Statt Laser werkeln dabei Röntgenstrahlen. „In unserem Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die sagen, gegen diese Entwicklung ist die Mondfahrt der Amerikaner ein Klacks gewesen“, schwärmt der Finanzvorstand bei der Vorlage der Bilanz. Weil sich unter der Technik nur Spezialisten etwas vorstellen können, müssen Vergleiche zur Präzision herhalten: Wenn der verwendete Spiegel die Größe von Deutschland hätte, wäre seine höchste Erhebung drei Menschenhaare hoch.

Zu kaufen ist das Wunderding noch nicht. 2018 könnte es soweit sein, aber bei dieser Komplexität wisse man nie, schränkt Spitzenpfeil ein. Ausgeliefert werden aber schon Vormodelle, die nach Asien gehen. Dort findet heute die Welt-Produktion immer kleinerer Mikrochips etwa für Handys statt. Empfänger der Maschine ist zunächst der größte Chipindustrie-Ausrüster ASML. Die Niederländer haben 1 Mrd. EUR nach Oberschwaben für eine „vertiefte Partnerschaft“ überwiesen – und sich 24,9 Prozent am Zeiss-Bereich SMT gesichert.

Der passende Standort

Auf die Frage, ob denn die Ostalb der richtige Standort für den Bau einer solchen Maschine ist, antwortet Spitzenpfeil: „Das ist genau die richtige Sache für unsere Oberkochener.“ Dort und in Aalen arbeiten 6850 Menschen für Zeiss, in Deutschland sind es insgesamt 10 770. Und es sollen mehr werden: Im Südwesten will das Unternehmen Mitarbeiter einstellen. Der Bauantrag für die Produktionshalle der EUV-Maschinen ist gestellt. Der Konzern plant milliardenschwere Zukäufe, um sein Produktangebot zu ergänzen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, Gespräche aber gibt es. Für Zukäufe sind die Medizintechnik, Industrie 4.0 und Digitalisierung interessant. „Angesicht der Bilanz sind wir in einem positiven Handlungsdruck“, beschreibt Vorstandsvorsitzender Michael Kaschke die Folgen voller Kassen.

Trotz weltweitem Protektionismus und einer abnehmenden Dynamik in Entwicklungsländern wuchs Zeiss im vergangenen Geschäftsjahr. Die Sorgenkinder Chipproduktion, Brillengläser und Mikroskopie sind laut Kaschke Vergangenheit. „Nachdem wir einige Jahre Rückgang und Stagnation hatten, freuen wir uns über das Wachstum“, sagt der Vorsitzende etwa über das Geschäft mit der Halbleitertechnik. Das abgelaufene Geschäftsjahr war das bislang erfolgreichste für die Gruppe, alle Bereiche tragen zum positiven Ergebnis bei. Die Mitarbeiter dürfen sich über eine Beteiligung von je 1400 EUR freuen.

Wichtiges Auslandsgeschäft

Beinahe 90 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erwirtschaftet. „Wir sind in guten Märkten unterwegs, die geben uns Rückenwind“, resümiert Kaschke. China ist dabei wichtig; vor sieben, acht Jahren war eine so stürmische Entwicklung überhaupt nicht abzusehen. Nicht zufrieden ist das Unternehmen nach wie vor in den USA. Nach personellen und organisatorischen Änderungen soll nun auch dort der Wachstumspfad beschritten werden.

„Erstaunt“ zeigt sich Kaschke über die Zunahme im Konsumsektor bei Brillen- und Ferngläsern, Foto-Objektiven und Linsenaufsätzen für iPhones: Das achtprozentige Wachstum in diesen Bereichen gibt es so meist nur im Industriesektor.“ Bei der Medizintechnik hilft Zeiss die demographische Entwicklung: Immer älterer Menschen gehen immer öfters zum Arzt. Dort wird ihnen etwa mit künstlicher Intelligenz geholfen. Diabetiker haben ein höheres Risiko, blind zu werden. Bilder ihrer Netzhaut überspielen Ärzte an ein Rechenzentrum, wo Software zunächst mit Ärzten, später auch alleine Einteilungen in Risikogruppen vornimmt.

Beim 3D-Druck schaffen es die Oberschwaben, vor der Produktion festzustellen, wie das Ausgangsmaterial beschaffen ist. Eine wichtige Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Kaschke rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem leichten Umsatzplus. Seit 2011 versucht der Konzern, mit Effizienzprogrammen wettbewerbsfähiger zu werden. Die Programme sollen fortgesetzt werden. Zeiss will dabei nicht nur produzieren, sondern für Kunden auch ein Problemlöser sein. „Wir haben die Trends noch nicht ausgeschöpft.“

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17.12.2016, 06:00 Uhr

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