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Der Region geht es noch gut

Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen gegen den Trend

Auch wenn die Konjunktur-Aussichten derzeit immer pessimistischer eingeschätzt werden: Die wirtschaftliche Lage in der Region Neckar-Alb bleibe gut, betonte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp bei der Präsentation der IHK-Herbstumfrage.

13.10.2014
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Um die Situation anschaulich darzustellen, ging Epp in Vertretung des in den USA weilenden IHK-Präsidenten Christian Erbe erst mal baden: „Wir waren lange Zeit beim Warmbaden mit 30 Grad, jetzt geht die Temperatur eben auf 28 Grad zurück.“ Also immer noch warm genug. Zwar sei der Konjunkturklima-Index der IHK um neun auf 129 Punkte zurückgegangen, liege aber weiterhin deutlich über dem Basiswert von 100 Punkten. „Es geht uns noch gut. Damit sind wir gegen den Trend unterwegs – aber wir können das belegen“, erklärte Epp.

Auch wenn sich über alle Branchen hinweg die Lage etwas eingetrübt habe, verzeichneten 95 Prozent der 409 antwortenden Unternehmen derzeit gute oder befriedigende Geschäfte. So stieg der Anteil der Unzufriedenen gegenüber dem Frühsommer geringfügig von 4,9 auf 5,1 Prozent. Besonders positiv gestimmt sind Baugewerbe (66,7 Prozent sehen eine gute Lage) und Gastgewerbe (57,1 Prozent gut). In der Industrie verzeichnen dagegen nur 40,5 Prozent gute Geschäfte.

Was die Erwartungen angeht, werden die Unterschiede freilich deutlicher: 28,5 Prozent der Unternehmen erwarten eine positive Entwicklung – knapp sieben Prozentpunkte weniger als im Frühsommer. Sechs von zehn Firmen erwarten gleich bleibende Geschäfte (im Mai waren das 55 Prozent). Der Prozentsatz der Unternehmen, die Rückgänge befürchten, stieg von 9,6 auf 11,1.

Als Gründe für die insgesamt positive Entwicklung nannte Epp die weiterhin stabile Binnenkonjunktur sowie den starken Export im ersten Halbjahr: „Da konnten wir mit 3,3 Milliarden Euro neue Rekordzahlen erreichen.“ Bis Ende des Jahres seien durchaus sechs Milliarden möglich.

Denn die IHK-Umfrage ergab, dass fast 38 Prozent der Exporteure für den Außenhandel steigende Zahlen und weitere 48 Prozent gleichbleibende Geschäfte erwarten. Vor allem der Handel mit Asien werde noch einmal zulegen, Russland und die umliegenden Staaten würden allerdings verlieren.

Kein Anlass zu konjunktureller Panik

„Die Krisenherde machen sich erst langsam bemerkbar. Aber was in der Ukraine, in Syrien, im Irak oder in Afrika passiert, wird uns wirtschaftlich sicher erreichen“, erklärte Epp. Die Ankündigung von Russlands Präsident Vladimir Putin, die Truppen von der Grenze zur Ukraine abzuziehen, wertet der Hauptgeschäftsführer aber als klares Signal der Entspannung: „Das sind Anzeichen, dass sich in Russland die Interessen der Wirtschaft durchsetzen.“

Sein Fazit nach Präsentation der Umfrage: „Für konjunkturelle Panik gibt es aus meiner Sicht keinen Anlass. Es wurde in den vergangenen Wochen viel von Absturz geredet und geschrieben. Mit Blick auf unsere Umfrage halten wir die möglichen kurzfristigen Effekte derzeit aber für überzeichnet“, betonte Epp.

Gleichwohl sei die Region keine Insel der Seligen. „Wir müssen die Signale ernst nehmen. Was heute noch ein leichter Rückgang ist, wird morgen zur Konjunkturdelle und entwickelt sich übermorgen, wenn wir nichts zur Stärkung der Wirtschaft unternommen haben, zu einem veritablen Schadensfall“, warnte der Hauptgeschäftsführer.

Deshalb würden Investitionen in Fachkräfte, Innovation und Infrastruktur benötigt. Epp kritisierte dabei erneut Konsumausgaben wie Rente mit 63, Mütterrente oder Mindestlohn. Erst kürzlich habe IHK-Präsident Erbe diese Maßnahmen als Fehlentscheidungen und bürokratischen Irrsinn bezeichnet, die aus Sicht der IHK dringend korrigiert werden müssten.

Epp plädiert für mehr Kooperationen zwischen Gemeinden, Landkreisen oder Firmen in der Region. Interkommunale Gewerbeflächen wie das Industriegebiet Mark West hätten sich bewährt. Hochwasserschutz oder Schulentwicklung böten weiteres Potenzial für Zusammenarbeit. „Unser Ziel muss es sein, Neckar-Alb zur Modellregion für interkommunale und Landkreis-übergreifende Kooperation zu machen.“

Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen gegen den Trend
Die positiven Einschätzungen der Unternehmen in der Region überwiegen, wie die Umfrage der IHK ergab. Links die aktuelle Lage, rechts die Prognosen.Grafik: IHK

IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp bezeichnete die europäische Metropolregion Stuttgart als „Rohrkrepierer“, der in der Entwicklung steckengeblieben sei. Solche Regionen sollen von der EU gefördert werden. „Wir haben von Beginn an dafür gekämpft, dass die gesamte Region Neckar-Alb zu Stuttgart dazugehören soll. Aber der politische Wille, daraus etwas zu machen, fehlt. Alle Arbeitsgruppen bis auf die der Wirtschaft sind eingeschlafen.“ Er plädiert auch dafür, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) fortzuführen. Dieses Förderprogramm setze starke Impulse und aktiviere bislang noch ungenutzte Potenziale. „Alleine in der Region Neckar-Alb wurden in den vergangenen Jahren gut 370 Vorhaben gefördert.“ Nun aber solle ZIM zum Jahresende auslaufen. „Wir halten das für einen Fehler und versuchen gerade, auch mit Schützenhilfe des Landeswirtschaftsministers, Berlin zu bewegen, dass das Programm weitergeht und am besten noch finanziell aufgestockt wird.“

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13.10.2014, 12:00 Uhr

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