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Bald zwei Bäckereien direkt an der Hauptstraße

Konkurrenz im Entringer Container

In Entringen sorgt der Umzug einer Bäckereifiliale für Unruhe. Die Kunden einer alteingesessenen Bäckerei fürchten, dass der Filialist in seiner neuen Lage dem Familienbetrieb zu starke Konkurrenz macht.

31.05.2012
  • Uschi Hahn

Entringen. Die Betonplatte liegt schon länger. Anfang kommende Woche sollen auch die Container geliefert werden. Ende Juni, Anfang Juli soll die neue Filiale der Tübinger Bäckerei Gehr an der Entringer Hauptstraße eröffnet werden. Das zumindest ist der Zeitplan, den Stephan Schiller, einer der beiden Gehr-Geschäftsführer, vor Augen hat. Die Bäckerei im Container ist für Gehr keine zusätzliche Filiale. Schon seit 1998 gibt es eine Gehr-Verkaufsstelle samt Stehcafé in Entringen. Bisher aber ist die in der Bahnhofstraße, in der zweiten Reihe also. Seine aus Biomehl hergestellten Backwaren verkauft der Tübinger Bäckereibetrieb aber schon länger in dem Ammerbucher Teilort. Früher habe man die Firma Ritter in der Kirchstraße beliefert, sagt Schiller.

Schon länger wünscht Gehr einen Umzug der Entringer Filiale an die Hauptstraße. Eigentlich wollte man sich in das ursprünglich direkt an der Hauptstraße geplante Wohn- und Geschäftshaus einkaufen. Doch das Projekt liegt auf Eis. Und damit auch eine Lösung für die hässliche Abbruchbrache im Entringer Ortskern.

Weil nun der Mietvertrag in der Bahnhofstraße ausläuft, fragte die Firma Gehr bei der Gemeinde Ammerbucher nach, ob man nicht ein Provisorium in Form von Containern errichten könne. Der Gemeinderat stimmte zu.

Insgesamt hat die Tübinger Bäckerei 16 Filialen im Landkreis Tübingen, zwei davon in Ammerbuch. Neben der Entringer Dependance gibt es schon länger auch eine im Bahnhofsgebäude in Altingen.

In Entringen bleibt es mit dem Gehr-Umzug bei drei Bäckereien. Im Penny-Markt am Ortsausgang Richtung Herrenberg verkauft die Ehninger Großbäckerei Sehne, die insgesamt 130 Filialen unterhält, ihre Backwaren. Und dann gibt es noch die Bäckerei Euper, direkt gegenüber der künftigen Gehr-Filiale.

Bereits Erhard Eupers Großvater hatte in Poltringen eine Backstube, die, nach dem Vater, Erhard Eupers Bruder weiterführte. Erhard Euper selbst aber übernahm 1980 die alteingesessene Bäckerei Rebstock in Entringen. Sein Bruder hat den Betrieb in Poltringen längst aufgegeben. Zu groß sei die Konkurrenz von Aldi und Edeka im nahen Pfäffingen gewesen, sagt der heute 61-jährige Entringer Bäcker. Er dagegen hat bisher sein Auskommen an der Entringer Hauptstraße. Und das, obwohl die Bäckerei, in der auch Eupers Sohn und Frau morgens ab vier in der Backstube stehen, über Mittag Pause macht und auch keinen Sonntagsverkauf hat.

Viele der Kunden machen sich jetzt Sorgen, ob der kleine Handwerksbetrieb die Konkurrenz direkt gegenüber verkraftet. Es gibt Stimmen im Ort, die es „eine Sauerei“ finden, dass der Tübinger Filialbäcker hier seine Container aufstellen darf. Zumal dort auch noch reichlich Parkplätze vorhanden sind, an denen es den Eupers direkt vor der Haustüre mangelt. Andere im Dorf sagen, der Familienbetrieb müsse flexibler werden, auf die Mittagspause verzichten und ebenfalls Bioprodukte anbieten.

Erhard Euper sieht das alles eher gelassen. „Das ist eben freie Marktwirtschaft“, sagt der gelernte Konditormeister, der von der Brezel bis zur Torte noch „alles selber und frisch macht“. Das mit den Öffnungszeiten ließe sich in so einem kleinen Familienbetrieb nicht ändern. Schon jetzt müsse er um drei Uhr morgens aus dem Bett, Geld für weiteres Personal sei nicht da. Und die Sonntagsöffnung? Auch da winkt Euper ab: „Da hätte ich ja eine Sieben-Tage-Woche.“

Sein Sohn Andreas, 41 Jahre alt und ebenfalls gelernter Bäcker, sieht das alles ein bisschen anders. Da macht Erhard Euper keinen Hehl draus. Doch den Plan des Sohnes, die Bäckerei zu modernisieren und, den Laden auszubauen, lehnt der Senior bisher ab. Er sorgt sich, dass er auf den Kosten sitzen bleibt. „Ich habe 30 Jahre an dem Haus abbezahlt“, sagt Erhard Euper. Neue Schulden mag er sich nicht aufhalsen. „Wir liegen da schon ein bisschen im Clinch“, beschreibt Euper das derzeit angespannte Vater-Sohn-Verhältnis.

Vater Euper baut lieber auf seine Stammkundschaft. Zu der gehören in dem Ort mit knapp 3700 Einwohnern auch viele älteren Leute aus dem alten Ortskern. Denen, so Euper, sei der Weg zum Penny zu weit und auch in die großen Märkte nach Pfäffingen kämen die Älteren nicht so einfach. Sie seien daher froh, dass es bei Eupers außer Backwaren noch ein kleines Sortiment an weiteren Lebensmitteln gibt. „Wir sind so ein kleiner Supermarkt“, sagt Erhard Euper nicht ohne Stolz.

Und dann gibt es ja noch die Vereine, die bisher der alteingesessenen Bäckerei die Treue halten, wenn es darum geht, Weckle und andere Backwaren für Feste zu bestellen. Diese Kundschaft pflegt Euper. So bäckt er derzeit ein Floriansbrot. Vom Kauferlös jedes Brotes gehen 40 Cent an die Ammerbucher Jugendfeuerwehr. Der heilige Florian sei schließlich Schutzpatron nicht nur der Feuerwehrleute, sondern auch der Bäcker, erklärt Euper seine Idee.

Kurz, Erhard Euper ist nicht wirklich bange vor der Konkurrenz im Container: „Wie das weitergeht, kann ich auch nicht sagen. Aber ich denke, dass ich trotzdem überlebe.“

Konkurrenz im Entringer Container
Anfang Juni sollen in der Entringer Ortsmitte vier Container für die neue Verkaufsfiliale der Tübinger Bäckerei Gehr aufgestellt werden.

Konkurrenz im Entringer Container
"Ich denke, dass ich trotzdem überlebe." - Erhard Euper bäckt seit 1980 Brot, Brötchen, Kuchen und Torten an der Entringer Ortsdurchfahrt.

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31.05.2012, 12:00 Uhr

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