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Brandstiftung in Hemmendorf: Strohlager brennt immer noch

Brandstiftung in Hemmendorf: Strohlager brennt immer noch --

01:25 min

Das Strohlager ist abgebrannt

Konrad Stark hat mit Behörden und Versicherung zu reden

Der Brand des Hemmendorfer Heu- und Strohlagers ist ganz gelöscht. Jetzt geht es ums Aufräumen und Entsorgen sowie um die Wiederherstellung des Ackers. Fachleute des Landratsamts waren gestern dort.

24.08.2010
  • Gert Fleischer

Hemmendorf. „Um 21.39 Uhr am Montag konnte ich ‚Brand aus!‘ melden“, berichtete Bruno Edel, stellvertretender Rottenburger Gesamtkommandant, gestern. Er vertrat Roland Kürner, der gerade Urlaub hat. Knapp 70 Stunden hatte das zuvor riesige Heu- und Strohlager gebrannt, geglimmt, geraucht und gerußt.

Zunächst, in der Nacht zum Samstag, waren 80 Feuerwehrleute im Einsatz, dann, als sich die Feuerwehr für das kontrollierte Abbrennen entschieden hatte, zog sich die Abteilung Stadtmitte zurück und es wechselten sich die Wehren des Ausrückebezirks Süd aus Hemmendorf, Dettingen und Weiler in Sechsergruppen ab. Das Technische Hilfswerk Ofterdingen war anfangs vorübergehend da, als die Einsatzkräfte noch dachten, sie könnten einen Teil der noch nicht entzündeten Strohballen weg transportieren. Hitze und Rauch ließen es nicht zu.

Als er gestern früh nochmals an die Brandstelle fuhr, fand Edel einen lang gestreckten Haufen eines schwarzen Breis aus Asche und Wasser vor. „Ein großer Teig“, sagte er. Je länger das Stroh gebrannt hatte, desto ärger wurde die Schmutzbelastung für die Feuerwehrleute. Am meisten, weil am längsten, befand sich ein Mann in dem ganzen Dreck: Konrad Stark, der Landwirt. Er musste zusehen, wie sein Kapital durch die Tat eines Brandstifters vernichtet wurde. Hätte Stark nicht so mit seinem Bagger geschuftet, hätte sich die Feuerwehr ein Gerät holen und diese Arbeit machen müssen.

Edel sprach voller Hochachtung über Stark: „Der hat zwölf Stunden am Tag unter Vollstress geschafft – Hut ab. Das war eine gigantische Leistung.“ So wie es den Feuerwehrleuten nach strapaziösen Einsetzen gehe, werde auch der Hemmendorfer Landwirt, wenn die Anspannung nachlässt, den Kräfteverschleiß spüren und ein, zwei Tage regenerieren müssen.

Besonders anstrengend war die letzte Lösch-Aktion am Montagabend für Stark. Die Feuerwehr hatte ihm eine Atemschutzmaske gegeben, weil er mit seinem Bagger mitten in den rauchenden Glutresten arbeitete, während die Löschmänner mit starkem Strahl Wasser aufspritzten, das sie aus dem mit Strohballen angestauten Krebsbach pumpten. Weil Stark keine Ausbildung mit Atemschutzgerät hat, durfte er keine Sauerstoffflasche anschließen und musste die Atemluft durch den Filter saugen. „Man muss halt ein bisschen ziehen“, sagte er.

Ob Konrad Stark durch seinen Einsatz nur seinen eigenen Verlust minimierte oder ob er seine Arbeitsleistung von der Versicherung ersetzt bekommt, das weiß er noch nicht. Gestern Abend hatte sich ein Vertreter der Assekuranz angesagt. Den materiellen Schaden der Brandstiftung hatte die Polizei auf 80 000 Euro geschätzt. Starks Frau Martina versorgte während der drei Tage ihren Mann, aber auch die Feuerwehrleute mit Getränken, Kaffee, Brot und süßen Stücken.

Die Umwelt- und Entsorgungsfachleute des Landratsamts entscheiden in den nächsten Tagen, wie es weiter geht. Brigitte Beck, die Leiterin der Abteilung Umwelt und Gewerbe in der Tübinger Kreisverwaltung, wollte ohne vorliegende Analysen keine Aussagen machen über die konkreten Anforderungen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) seien Stoffe, die bei solch einem Brand entstehen können. Sie müssten, da sie gesundheitsschädlich sind, auf einer speziellen Deponie entsorgt werden.

Rechtlich sei es so, erklärte Brigitte Beck, dass es einen Zustandsstörer gebe und einen Handlungsstörer. Als Zustandsstörer komme grundsätzlich der Eigentümer in Frage, hier also Landwirt Stark. Er kann zur Gefahrenbeseitigung herangezogen werden, unabhängig von seinen persönliche Verhältnissen und seiner finanziellen Leistungsfähigkeit. Der Handlungsstörer wäre der Brandstifter. Wird er ausfindig gemacht, muss er Schadensersatz leisten.

Konrad Stark glaubt, dass der Ascheteig auf eine Deponie muss. Auch wenn die Feuerwehr das Volumen der Strohlager-Reste auf drei bis fünf Prozent der Urspringsmasse schätzt, sind das etliche Kubikmeter. Stark denkt, dass zudem ein paar Zentimeter Erdschicht von seinem Acker abgetragen werden müssen.

Konrad Stark hat mit Behörden und Versicherung zu reden
Hier ohne Atemschutzmaske, damit man ihn erkennt: Landwirt Konrad Stark arbeitete drei Tage lang und nur mit kurzen Pausen mit seinem Bagger, um das abbrennende Stroh immer wieder aufzulockern.Bild: Ulmer

Konrad Stark hat mit Behörden und Versicherung zu reden
Helm und Visier des Hemmendorfer Feuerwehrmanns Philipp Nill zeigen, welche Mengen Russ und Asche auf die Hilfskräfte niederging. Bild: Ulmer

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24.08.2010, 12:00 Uhr

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