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Konsequenz aus der Mitarbeiterbefragung: Die Stadtverwaltung will ihre Beschäftigten besser einbeziehen

Die Stadtverwaltung will ihre interne Kommunikation verbessern und die mittlere Führungsebene aufwerten. Das sind zwei Konsequenzen aus einer Mitarbeiterbefragung vom März 2014. Gestern informierte OB Stephan Neher erst die Presse und anschließend den Gemeinderat über die Ergebnisse.

01.07.2015
  • Michael Hahn

Rottenburg. „Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, die Stadtverwaltung habe etwas zu verbergen.“ So begründete Oberbürgermeister Stephan Neher, warum er nun doch – nach langem Sträuben – die Presse über die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung informierte.

Auf 17 Uhr hatte Neher gestern zum Pressegespräch geladen, um eine Zusammenfassung vorzustellen. Um 18 Uhr wollte er mit dem Gemeinderat – in nicht-öffentlicher Sitzung – über die Details diskutieren. Das hatten die drei kleinen Fraktionen FB/FDP, WiR und Linke verlangt (wir berichteten). Zuvor hatte der OB bereits auf drei Personalversammlungen die Belegschaft informiert.

Rund 500 Beschäftigte (Rathaus, Verwaltungsstellen, Kindergärten und Schulen, aber ohne Stadtwerke und Hospitalverwaltung) konnten im März 2014 einen detaillierten Fragebogen im Internet beantworten. Fast zwei Drittel beteiligten sich – mehr als genug, um auch aussagekräftige Ergebnisse zu gewinnen.

Den Fragebogen hatte das Münchner Marktforschungsunternehmen Vocatus entwickelt, mit Anregungen aus einem verwaltungs-internen Projektteam. Die Antworten gingen direkt nach München und wurden auch nur dort gespeichert, bekräftigte Vocatus-Berater Christian Motzko. „Wir haben unseren Mitarbeitern hoch und heilig versprochen, dass alles anonym bleibt“, ergänzte Neher – auch deswegen wolle er keine Details veröffentlichen.

Wohl aber eine Zusammenfassung, die durchaus gemischt ausfällt. Sehr gute Werte erreichte die Rottenburger Stadtverwaltung bei der allgemeinen Arbeitszufriedenheit. Klare Mehrheiten „würden sich wieder bei der Stadtverwaltung bewerben“ oder die Stadtverwaltung „als Arbeitgeber an Bekannte weiter empfehlen“. Eher schlecht beurteilten viele allerdings die „gegenwärtige Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung“.

Das scheint vor allem an vielen internen Reibungsverlusten zu liegen. Viele Beschäftigte fühlen sich schlecht informiert, wenig wert geschätzt oder schlicht übergangen, ergab die Befragung. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ämtern („Schnittstellen“) klappt oft nicht.

Manchmal, so räumte OB Neher auf Nachfrage ein, handle auch er selbst recht hemdsärmelig. So rede er bisweilen einfach direkt mit dem zuständigen Sachbearbeiter („Es ist auch mal dem Zufall geschuldet, wen man gerade trifft“), ohne die jeweiligen Vorgesetzten ebenfalls zu informieren. Das soll sich ändern.

Neuerdings gibt es regelmäßige Klausurtagungen für das gesamte „Führungsteam Rathaus“. Dazu gehören nicht nur der OB, die zwei Beigeordneten und die Amtsleiter/innen, sondern nun auch die stellvertretenden Amtsleiter/innen und Abteilungsleiter/innen. Beim letzten Mal waren das 26 Leute. Auch sonst soll die untere Führungsebene stärker einbezogen werden.

Und die Ergebnisse der wöchentlichen Amtsleiter-Besprechungen werden neuerdings protokolliert und sind für alle Beschäftigten einsehbar. Außerdem gibt es (wieder) eine richtige Tagesordnung. Das wurde zuletzt „ein bisschen schlampig“ gehandhabt, sagte Neher. „Wir haben die Themen einfach so mitgebracht.“

Gleichzeitig klagten viele Beschäftigte über Arbeitsbelastung, räumliche Enge und mangelhafte Ressourcen. Auch hier will die Stadtverwaltung reagieren: Es wurden mehrere neue Stellen geschaffen (manche sind bereits besetzt), der Anbau ans Rathaus soll schneller (bis 2017) kommen als zunächst geplant, in manchen Büros kommen die alten Teppiche raus, und die Beschäftigten im Ordnungsamt sollen Alarmknöpfe erhalten (falls ein Klient randaliert).

Auch übervolle Papierkörbe können aufs Gemüt drücken: Die Büro-Reinigung soll wieder besser werden. Die wurde schon vor Jahren an Privatfirmen vergeben, „aber da haben wir vielleicht zu stark reduziert“, gab der OB zu.

Viele Kritikpunkte seien gar nicht unbedingt neu gewesen, sagte Neher. Aber durch die allgemeine Befragung sei klar geworden: „Das waren nicht nur Einzelmeinungen.“

Vocatus-Berater Motzko lobte die tatkräftigen Konsequenzen in Rottenburg. „Das geht weit darüber hinaus, was andere Stadtverwaltungen machen.“ Allerdings berät die Firma laut ihrer Internet-Selbstdarstellung vor allem Firmen – und weniger öffentliche Einrichtungen.


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