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Viel weniger Manipulationen in Transplantationszentren

Kontrolle wirkt

Seit die Transplantationszentren besser überwacht werden, hat die Gefahr von Manipulationen abgenommen. Zwischen 2010 und 2012 hatte es mehrere Fälle bei Herz- und Lungentransplantationen gegeben.

27.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin. An fünf deutschen Kliniken gab es zwischen 2010 und 2012 Manipulationen bei Herztransplantationen, an zwei bei Lungentransplantationen: Patienten wurden von Ärzten als kränker dargestellt, damit sie bei der Vergabe von Organen bessere Chancen hatten. Seit es Prüf- und Überwachungskommissionen von Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen gibt, wird weniger manipuliert, gibt sich die Vorsitzende Anne-Gret Rinder sicher. "In vielen Transplantationszentren ist ein Struktur- und Kulturwandel erkennbar", sagte sie bei Vorstellung ihres Jahresberichts.

Flächendeckende Prüfungen waren erst 2012 eingeführt worden. Auslöser war, dass zwei Mediziner an den Unikliniken Göttingen und Regensburg in großem Stil Krankenakten gefälscht hatten, damit ihre Patienten bei Lebertransplantationen bevorzugt wurden. Seither müssen alle Fälle mindestens von einem zweiten Arzt gegengecheckt werden. Rinder sieht "erhebliche Verbesserungen", auch wenn die Prüfkommission erst Krankenakten aus den Jahren 2010 bis 2012 unter die Lupe genommen hat.

Bei der Überprüfung von insgesamt 4308 Fällen der 46 deutschen Transplantationszentren gab es bei Nieren und Bauchspeicheldrüsen keine Beanstandungen, aber bei 87 von 1175 Herztransplantationen, und zwar an den Zentren Heidelberg, München-Großhadern, Jena, dem Deutschen Herzzentrum Berlin sowie Köln-Lindenthal.

Die Manipulationen folgten weitgehend dem gleichen Muster: In den Patientenakten wurde der Einsatz starker Medikamente notiert, die tatsächlich gar nicht oder nur kurzzeitig bei der Meldung an die zentrale Organ-Verteilstelle Eurotransplant verabreicht wurden. So erschien der Patient kränker als er tatsächlich war. Nichts deutet darauf hin, dass dies aus finanziellen Gründen geschah; Privatpatienten hatten keine besseren Chancen. Rinder vermutet, dass Kliniken ihre Fallzahlen erhöhen wollten oder Ärzte Patienten retten wollten, die sie schon lange behandelt hatten.

Daneben entdeckten die Prüfer Manipulationen bei 47 Lungentransplantationen an den Kliniken München-Großhadern und Jena.

Positiv fiel die Überprüfung von 43 Zweifelsfällen aus, ob bei Spendern der Hirntod richtig festgestellt wurde: Keinem Patienten wurde eine potenziell lebenserhaltende Behandlung vorenthalten.

Das Thema Flüchtlinge holt auch die Transplantationsmedizin ein: Bei konkreter Lebensgefahr erhalten sie neue Organe oder kommen auf die Warteliste. Allerdings sind viele Fragen ungeklärt, insbesondere die Übernahme der Kosten. Da ist die Politik gefragt.

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27.11.2015, 08:30 Uhr

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