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Kontrollen in den Fabriken
Viele Spielsachen, die in deutschen Kinderzimmern landen, stammen aus Fabriken in China. Bei Kids Land in Dongguan entstehen Plastikfiguren mit Hilfe von viel Handarbeit. Foto: Bildquelle
Spielwaren

Kontrollen in den Fabriken

Die Produktionsbedingungen in Asien haben sich verbessert. Probleme mit Arbeitszeiten und Kinderarbeit gibt es aber immer noch. Firmen aus Baden-Württemberg setzen auf Prüfungen.

08.12.2016
  • CAROLINE STRANG

Sie sei 17 Jahre alt und arbeite bereits seit drei Jahren in der Firma, sagt die junge Chinesin in die Kamera. Mehr als 12 Stunden bemale sie jeden Tag Kunststofftiere, sechs Tage die Woche. Sie sieht müde aus. Kinderarbeit für ein baden-württembergisches Unternehmen? Die Filmaufnahmen sind nicht neu. Vor einem Jahr war die Kamera in der Produktionsstätte eines Zulieferers des Spielzeugherstellers Schleich aus Schwäbisch Gmünd. Aber die Szenen verfolgen die Firma weiter, die ZDF-Satiresendung Heute Show hat sie kürzlich ausgegraben und mit der Erklärung des Schleich-Verantwortlichen vor Ort für bittere Lacher gesorgt. Dieser hatte von einem Missverständnis gesprochen.

Helena Seppelfricke, PR-Director von Schleich, erklärt die Filmszene ähnlich: „In diesem Fall kam es bei einem TV-Dreh bei unserem Lieferanten unter anderem aus sprachlichen Gründen zu diesem Missverständnis.“ Den Themen Arbeitszeiten und Alter der Mitarbeiter sei man nachgegangen und habe die Unstimmigkeiten überprüft. „In dem vorgestellten Werk beginnt die Arbeitszeit um 7 Uhr und es wird höchstens bis 19 Uhr gearbeitet. Mittags haben die Mitarbeiter zwei Stunden Pause“, sagt Seppelfricke.

85 Prozent aus dem Ausland

Die Schleich Gruppe stellt rund 15 Prozent ihrer Waren am Firmenstandort in Schwäbisch Gmünd her und produziert sonst in Bosnien, Moldawien, Rumänien, Tunesien und China. Auf die Frage, wie Schleich sicherstellen will, dass die Arbeitsbedingungen in den Werken in Ordnung sind, verweist die Pressesprecherin auf den ICTI Care Prozess, der von allen Partnerunternehmen verlangt werde. Das ist eine Initiative des Weltverbands der Spielzeugindustrie, bei dem es um Einhaltung bestimmter Verhaltenskodizes geht. „Wir möchten unterstreichen, dass es bei Schleich oberste Priorität hat, weltweit allen Mitarbeitern in allen Produktionsstätten und Büros faire und sichere Arbeitsbedingungen zu bieten“, sagt Seppelfricke. Zusätzlich zu dieser Zertifizierung und den damit verbundenen Prüfungen seien vier bis sechs Mal im Jahr Mitarbeiter der Qualitätssicherung vor Ort, so die Pressesprecherin.

Aktion „Fair spielt“

Firmennamen nennt Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie in Heidelberg nicht. Grundsätzlich bestehen aber noch Probleme bei der Produktion von Spielwaren in China, sagt er. Seit vielen Jahren hat er sich der Mission verschrieben, die Arbeitsbedingungen dort zu verbessern. Erst war er Teil eines Projekts des kirchlichen Hilfswerk Misereor. Nun macht er mit der Aktion „Fair spielt“ weiter.

„Es ist besser geworden, trotzdem gibt es immer noch Praktiken, die nicht den Vorgaben entsprechen.“ Er zählt auf: zu lange Arbeitszeiten, schlechte Personalführung mit schreienden Aufsehern und Disziplinierungen, niedrige Entlohnung oder verspätete Auszahlung des Gehalts, um die Mitarbeiter in der Fabrik zu halten. Kinderarbeit sei kein verbreitetes Problem. „Gelegentlich hört man aber von ganzen Schulklassen, die zur Arbeit in Fabriken abkommandiert werden, um Produktionsspitzen abzufedern.“ Verbessert habe sich die Lage unter anderem, weil Arbeitskräfte knapper werden. Da spreche sich herum, in welchen Werken man bessere Bedingungen vorfinde. „Das setzt die Hersteller unter Druck, die Standards anzuheben.“ Auch auf gesetzlicher Ebene habe es Fortschritte gegeben, so sei ein Arbeitsvertrag jetzt Vorschrift.

Kleinert kritisiert, dass die Verantwortung ausschließlich auf die Lieferanten in China abgewälzt werde. „Das Verhalten der Marken, ihre Einkaufspraktiken und so weiter, wird nicht in Frage gestellt.“ Die großen Marken könnten zum Beispiel versuchen, die Lieferanten kontinuierlicher auszulasten und die saisonalen Spitzen etwas zu verflachen. „Wenn plötzlich kurz vor Weihnachten eine Veränderung der Bestellung kommt, die Farbe des Produkts soll nun anders sein, und gleichzeitig wird verlangt, dass die Arbeitszeiten eingehalten werden, dann passt das nicht zusammen.“ Kleinert ist sich auch nicht sicher, ob von dem Geld, das die Marken den Lieferanten bieten, immer ordentliche Löhne an die Arbeiter gezahlt werden können.

Wichtig sei auch, die Lieferanten zu unterstützen, sie zu „entwickeln“ und zu belohnen, wenn sie gute Arbeitsbedingungen und gute Produkte bieten – zum Beispiel mit einer langfristigen Perspektive der Zusammenarbeit.

Die Verantwortung dem Verbraucher und seinem Einkaufsverhalten zuzuschieben, hält Kleinert für ein Ablenkungsmanöver der Politik. „Um Verantwortung übernehmen zu können, braucht man Informationen und die hat man als Käufer in vielen Fällen einfach nicht.“ Zu behaupten, Schnäppchenjäger seien mitschuldig an den Arbeitsbedingungen in China, geht ihm zu weit. Es liege an der Politik, die Rahmenbedingungen zu setzen. Der Verbraucher sei damit überfordert. Trotzdem könne sich dieser aber informieren und zum Beispiel auf die Zertifizierungen der Spielwaren achten.

Transparenz und Zertifizierungen sind dem größten deutschen Spielwarenhersteller Ravensburger wichtig. „Ravensburger ist einer der ersten deutschen Spielwarenhersteller, die ihre Zulieferer in Fernost nach dem ICTI-Auditprozess zertifizieren ließen“, sagt Pressesprecher Heinrich Hüntelmann. So hätten alle Lieferanten den mehrtägigen ICTI-Auditprozess, in dem Mitarbeiter wie Manager durch unabhängige Institute befragt werden, bestanden. „Diese Prüfung wird regelmäßig wiederholt, damit das Zertifikat nicht verfällt.“

Um die Qualität der Zulieferung zu sichern, sei Ravensburger mit eigenem Team regelmäßig bei den Lieferanten vor Ort und habe in der Regel direkten Kontakt. Ravensburger stellt rund 90 Prozent der Produkte in eigenen Werken in Ravensburg und in Tschechien her. Der Rest stammt überwiegend aus Fernost. „Von dort beziehen wir überwiegend Elektronik- und Plüschartikel, die innerhalb Europas nicht zu konkurrenzfähigen Preisen produziert werden können“, sagt Hüntelmann.

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08.12.2016, 06:00 Uhr

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