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Konzept erzielt Wirkung
Polizisten führen einen Mann an den Treppen am Schlossplatz ab. Foto: Foto
Silversternacht

Konzept erzielt Wirkung

Mit einem riesigen Aufgebot sichert die Polizei die Stuttgarter City. Es gibt Strafanzeigen wegen Körperverletzung, bisher aber nicht wegen sexueller Übergriffe.

02.01.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Cindy aus Bremen sitzt mit einem Glas Sekt vor „Carls Brauhaus“ und beobachtet die Szenerie auf dem Schlossplatz. Nebel wabert, er ist so dicht, dass das andere Ende des zentralen Platzes von Stuttgart nicht zu sehen ist. Raketen steigen in den Himmel auf und zerplatzen mit Getöse. „Ich bin zu Besuch bei Freunden in Stuttgart“, erzählt die 28-jährige Frau. Es ist 30 Minuten nach Beginn des neuen Jahres. „Ich fühl mich sicher – bis jetzt“, sagt die Bremerin, die von weiblichen und männlichen Freunden umgeben ist.

Ein paar hundert Meter weiter halten sich vor dem Städtischen Kunstmuseum nur ganz wenige Frauen auf. Arabisch aussehende Männer zünden Raketen, springen herum, johlen. Einheimische sind wenige auszumachen. „Das war aber auch schon vor Jahren so, Stuttgarter meiden in der Silvesternacht den Schlossplatz wegen der vielen Betrunkenen“, sagt eine Bürgerin.

Es ist kalt, vier Grad minus, manche der Feiernden haben ihr Gesicht vermummt. Ein Kastenwagen der Polizei steht quer zur Königstraße. Ein anderes Polizeiauto rollt langsam Richtung Hauptbahnhof, auf dem Dach ein Teleskop mit Kamera. Die Polizei hat die Szene im Blick, zahlreiche behelmte Beamte mit Protektoren an den Schienbeinen verfolgen, was die Männer machen.

Dunkle Stellen ausgeleuchtet

Plötzlich setzen sich zwei Beamte in Bewegung, rennen die Treppe hoch, verfolgen einen jungen Mann. Oben am Ende der Treppe haben sie ihn eingeholt. Solche Situationen waren häufig zu beobachten. Der Grund für das Eingreifen der Polizisten waren meist Körperverletzungen oder zu gefährlicher Umgang mit Feuerwerkskörpern. Nach vorläufigem Stand hat es keine Übergriffe sexueller Art wie im vergangenen Jahr gegeben, teilte das Polizeipräsidium am Neujahrsmorgen mit. Rund ein Dutzend Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden. Geklärt werde müsse noch ein Sachverhalt, bei dem ein Mann eine Passantin mit einer Rakete belästigt habe.

Es sei in der City weitgehend friedlich geblieben, lautet die Bilanz der Silvesternacht. Das Konzept der Sicherheitskräfte hatte sich offensichtlich bewährt. Zu diesem Konzept gehört vor allem die starke Präsenz mit „weit über 500 Beamtinnen und Beamten“ von Landes- und Bundespolizei, sowohl in Uniform als auch in Zivil. Des Weiteren sperrten die Sicherheitskräfte Straßen mit Betonbarrieren ab, überwachten Straßen und Plätze per Video und ließen dunkle Stellen mit Strahlern ausleuchten.

So hatte das Technische Hilfswerk (THW) vor der Siegessäule starke Scheinwerfer installiert, ebenso am Hauptbahnhof und am Akademiegarten beim Landtag. Theaterbesucher lobten die gute Ausleuchtung, auf ihrem Gang Richtung Charlottenplatz nach Ende der Vorstellung „war es richtig hell“. In der Gegend um den Eckensee hatte es im vergangenen Jahr „massive Probleme“ gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei.

An mehreren Stellen, so an der Ecke König-/Kronenstraße, platzierte die Polizei Fünfer-Gruppen mit Beamten in einschüchternder Optik. Sie sollten schon allein durch ihre Gegenwart bewirken, dass niemand über die Stränge schlägt.

Per Lautsprecher-Durchsagen mahnte die Polizei die Feiernden, friedlich zu bleiben und keine Feuerwerkskörper auf Personen zu werfen. Unterwegs waren auch Beamte des Antikonfliktteams. Gegen 23 Uhr war die Klett-Passage am Bahnhof so voller anreisender Nachtbummler, dass sich die Polizei dazu entschloss, die Passage für kurze Zeit zu räumen. Gegen ein Uhr, als viele abreisen wollten, gab es wieder Gedränge. Beamte sperrten die Treppe und ließen die Menschen nur über die Rolltreppe nach unten.

Der Ehrenhof des Neuen Schlosses wirkte wie ein Heerlager. Dutzende von Polizeiwagen waren in dem abgesperrten Bereich abgestellt, außerdem Fahrzeuge des THW. In einem THW-Zelt versorgten Mitarbeiter die Polizisten mit heißen Getränken und Essen.

Schlossplatz und Königstraße waren in der Nacht übersät von abgebrannten Feuerwerkskörpern und kaputten Flaschen. Am Sonntagmittag war der Nebel weg, und der städtische Reinigungsdienst hatte die Flaniermeile schon wieder gesäubert. Auf dem Rasen sammelten sechs Mitarbeiter einer privaten Firma den Unrat ein. „Wir schaffen schon seit 7.20 Uhr“, sagte einer der Männer.

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02.01.2017, 06:00 Uhr

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