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Konzept von einem Studenten der Rottenburger Forsthochschule
Viele Menschen kamen zur Eröffnung des Rotwildlehrpfads im Schönbuch.
Erlebnispfad im Schönbuch eröffnet

Konzept von einem Studenten der Rottenburger Forsthochschule

Im Schönbuch, gleich beim Wanderparkplatz „Weißer Stein“ an der B 464 Richtung Böblingen, gibt es jetzt einen Rotwild-Erlebnispfad. Das Konzept beruht auf einer Bachelor-Arbeit eines ehemaligen Studenten an der Hochschule für Forst (HFF) in Rottenburg.

21.09.2014
  • Werner Bauknecht

Tübingen. Etwa 1,5 Kilometer misst der Rundgang um das Gehege, in dem das Rotwild seine Heimstatt gefunden hat. Die Wege sind komfortabel zu begehen, und die Sicht auf Hirsche und Rehe ist ungetrübt: Forstmitarbeiter und Praktikanten hatten das Unterholz so weit ausgedünnt, dass am Samstag, bei der Eröffnungsfeier, ein sich auf der Wiese sonnender Mehr ender gut zu beobachten war.

Landrat Joachim Walter hatte zuvor ein Schild des Landes auf der Empfangstafel angebracht. Daneben fixierte Hans-Joachim Hormel, Leiter des Fachbereichs Holzvermarktung, das Signet des Forsts Baden-Württemberg. Etwa 25 000 Euro, so Walter, kostete das gemeinsame Projekt. Martin Kinne, ehemaliger Student der Rottenburger Forsthochschule, hatte das Konzept auf Anfrage der Forstverwaltung als Abschlussarbeit entwickelt. Auf einem interaktiven Erlebnispfad, der um das Gehege führt, wird die Faszination des Rotwildes den Besuchern vermittelt. Ungetrübt ist diese nicht, denn es gibt gute Gründe, die Tiere im Gehege zu halten.

Ursprünglich wurden die Tiere auf vehementen Wunsch der umliegenden Gemeinden abgeschottet. „Das Rotwild nimmt im Schnitt 25 Kilogramm Nahrung pro Tag zu sich – und es mag das, was auch Menschen essen“, so Wolf-Dieter von Bülow von der Forstbehörde.

Der Hirsch ist der Sprungkönig des Waldes

Abgefressene Felder und vernichtete junge Pflanzen – für die Landwirte war das eine dramatische Situation. Inzwischen gibt zahlreiche Wildgehege in Baden-Württemberg, zwei Gehege davon für Rotwild.

Spielerisch die Waldtiere kennenlernen – das ist die Grundlage des „Konzeptes Rotwild-Erlebnispfad.“ Bei der ersten Station können die Besucher über ein Display einzelne Töne von Waldtieren abhören und sie gleich danach imitieren. „Mal sehen, ob Sie den Brunftschrei des Hirsches genau so laut hinkriegen“, so von Bülow zu den etwa 80 Gästen. Das funktionierte zwar nicht, weil just der Teil ausfiel, aber der Landrat gab dafür die Töne einer Wildsau täuschend ähnlich wieder.

An jeder Station können Kinder sich auf einer vorgedruckten Karte einen Stempel abholen. Dazu müssen sie Aufgaben erfüllen. An der Station „Hirschsprung“ gibt es eine knapp zehn Meter lange Sprunggrube. Mit Schildern sind die jeweiligen Sprungweiten von Waldtieren ausgezeichnet. Eine Maus kommt nach 75 Zentimetern wieder auf den Boden, eine Feldhase nach zwei Metern. Der Hirsch, Sprungkönig des Waldes, schafft neun Meter. Alle Besucher sind eingeladen, selbst herauszufinden, in welcher tierischen Gesellschaft sie sich befinden.

An weiteren Wissensstationen gibt es Informationen, Steckbriefe zu den einzelnen Rotwildarten. Dort wird auch die Frage beantwortet, ob das Reh die Frau vom Hirsch ist.

Weitere Themen sind Schäden durch Rotwild, aber auch die Bewirtschaftung des Waldes und das Konzept der Nachhaltigkeit.

Der Pfad ist behindertengerecht angelegt. Der Kreisbehindertenbeauftrage Willi Rudolf nahm am Rundgang teil. Er arbeitete beratend bei der Anlage des Pfades mit.

Konzept von einem Studenten der Rottenburger Forsthochschule
Auch ein Mehrender (Mitte) setzte sich zur Eröffnung des Rotwildlehrpfads im Schönbuch in Szene.

Konzept von einem Studenten der Rottenburger Forsthochschule
Das Röhren eines Hirsches kennt der ehemalige Leiter des Forstamtes Tübingen / Bebenhausen, Karl Heinrich Ebert, auch in echt.

In Deutschland leben aktuell etwa 200.000 Stück Rotwild. Durch Urbanisierung und politische Vorgaben ist der ehemalige Lebensraum auf 25 Prozent geschrumpft. Mensch und Tier kommen sich ins Gehege, zumal das Rotwild seinen Hunger mit menschlichen Nutzpflanzen stillt. So kommt es Konflikten mit der Forstwirtschaft: Rotwild äst nachwachsende Knospen und frisst die Rinde am Baumbestand ab. Zudem sind die Tiere Schädlinge für die Landwirtschaft: Treten sie aus dem Wald, befinden sie sich in Mais- oder Korngebieten: ein Festessen für die Tiere. Diese werden immer weiter zurückgedrängt. Das ist auch ein Grund für die Wildgehege, die solche Konflikte lösen helfen. Pro Jahr werden etwa 65.000 Stück Rotwild erlegt.

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21.09.2014, 12:00 Uhr

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