Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bestechung

Korruptionsaffäre um Regensburger Stadtchef

Die schweren Vorwürfe stürzen Bayerns SPD tiefer in die Krise. Der Oberbürgermeister soll hunderttausende Euro angenommen haben.

19.01.2017
  • PATRICK GUYTON

Regensburg. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat offenbar ein Korruptionsnetz um den amtierenden Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) ausgehoben. Wolbergs wurde gestern wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet, ebenso der Bauunternehmer Volker Tretzel sowie ein leitender Angestellter der kommunalen „Stadtbau Regensburg“.

Die Vorwürfe der Ermittler sind massiv: Im Zentrum steht ein 35 Hektar großes Kasernenareal, das mit Wohnungen und Gewerbe bebaut wird. Um dieses Areal zu bekommen, soll der Unternehmer einen insgesamt siebenstelligen Euro-Betrag an den SPD-Ortsverband des Oberbürgermeisters und den Sportverein SSV Jahn Regensburg gezahlt haben. Für die bayerische SPD ist die Verhaftung ein weiterer Tiefschlag.

Dem SPD-Ortsverein Regensburg-Stadtsüden, dem Wolbergs vorsteht, soll der Unternehmer von 2013 bis 2015 insgesamt 500 000 Euro gespendet haben. Das Geld wurde laut Staatsanwaltschaft fein gestückelt und von verschiedenen Mitarbeitern eingezahlt, um die Herkunft zu verschleiern. Noch großzügiger, mit 1,7 Millionen Euro, wurde Jahn Regensburg mit seinen Profifußballern bedacht, Wolbergs ist Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass zwischen dem OB und dem Geschäftsmann eine „Unrechtsvereinbarung“ bestanden habe. Darunter versteht man, so ein Sprecher gegenüber dieser Zeitung, „dass eine direkte Verknüpfung zwischen Geben und Nehmen bestanden hat“. Dies bedeutet Bestechlichkeit beim Geldempfänger und Bestechung bei demjenigen, der zahlt.

Die SPD-Landtagsfraktion weilt derzeit im schwäbischen Kloster Irsee zu ihrer Winter-Klausurtagung. Die Nachricht von der Verhaftung entsetzte die Abgeordneten. „Diese Vorwürfe haben eine neue Qualität“, sagte Generalsekretärin Natascha Kohnen. In der jüngsten Umfrage vor einer Woche war die Partei schon von 18 auf historisch schlechte 14 Prozent abgestürzt.

Politik

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball