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Sanierung der Oberamtei-Zeile kostet bis zu zehn Millionen Euro

Kostbarkeiten in Schieflage

Die Gebäude in der Reutlinger Oberamteistraße 28 bis 32 bilden eine der ältesten Häuserzeilen in Süddeutschland. Laut einer Machbarkeitsstudie kostet die Sanierung je nach späterer Nutzung voraussichtlich zwischen 4,6 und 10 Millionen Euro.

20.07.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Die Häuser sind windschief, werden an einer Seite von großen Pfeilern und zur Straße hin von kleineren Balken abgestützt. Was so armselig dasteht und im Volksmund mittlerweile als Reutlinger Pfahlbauten verspottet wird, hat schon viel bessere Zeiten erlebt. „Das war ein mittelalterliches Nobelviertel für gehobene Bürger“, sagt Jürgen Hess vom Architekturbüro „Space 4“, das mit der Studie beauftragt worden ist.

Weil 1972 das angrenzende, stützende Steinhaus abgerissen worden war, geriet die Zeile in Schieflage. 1989 beschloss der Gemeinderat, diese Häuser zu sanieren und die Räume für die Erweiterung des Heimatmuseums zu nutzen. Nach einem Ortstermin 2006 mit dem Rat hat sich aber nicht mehr viel bewegt – bis auf diverse Anfragen der Fraktionen. Weil dieses Projekt eben sehr viele Kapazitäten erfordere, erklärt Baubürgermeisterin Ulrike Hotz.

Nun sei aber mit der Machbarkeitsstudie ein großer Etappenschritt erfolgt für diese Zeile aus dem 14. Jahrhundert, deren Keimzelle in einem Keller bis 1270 zurückreicht und die sogar den dreitägigen Stadtbrand von 1726 überstanden hat. In der Oberamteistraße 30 war im Mittelalter vermutlich ein Durchgang zwischen dem Königsbronner Hof (heute Garten des Heimatmuseums) und dem Marchtaler Hof.

Ziel sei, das denkmalgeschützte Ensemble rasch zu erhalten und eine verträgliche Nutzung zu finden, erklärt Hotz. Teilweise sind die Bauelemente schon stark geschwächt, weil tragende Teile von Fäulnis befallen sind, warnt Hess. Eine Stabilisierung der Häuser innerhalb der Gebäude sei aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich.

Die Kosten der Sanierung richten sich nach der möglichen Nutzung und vor allem danach, ob das abgerissene Haus durch ein neues ersetzt und damit die so genannte Zahnlücke geschlossen werden soll. Reine Wohnflächen ohne Neubau von Haus 34 wären mit 4,6 Millionen Euro die günstigste Lösung. Eine Nutzung, bei der alle Teile öffentlich – etwa als Heimatmuseum – genutzt werden, würde ohne Neubau sieben Millionen Euro kosten. Die maximale Lösung mit komplett öffentlicher Nutzung und dem Bau von Haus 34 käme auf zehn Millionen Euro. „Das sind aber Schätzungen und Prognosen und keine konkreten Planungen“, betont Bürgermeisterin Hotz.

Diese Kosten seien auch nicht in Stein gemeißelt, Überraschungen deshalb nicht ausgeschlossen. „Auch die Fragen von Fördermitteln sind noch nicht geklärt. Wir sind mitten im Meinungsbildungsprozess, das ist noch keine klare Beschlussvorlage“, sagt Hotz. Die Machbarkeitsstudie sei allerdings eine hervorragende Grundlage für die Haushaltsberatungen.

In den Gebäuden befänden sich Kostbarkeiten wie die Stube mit Bohlendach aus der Zeit um 1700, sagt Architekt Hess. „Auf die können die Bürger stolz sein, wenn sie saniert sind.“ Es lohne sich, die Pretiosen zu bewahren. „Diese Kostbarkeiten müssen wir auf jeden Fall erschließbar machen“, stellt Hotz klar und wirbt damit schon einmal zumindest für die mittlere Lösung, die wenigstens die bedeutendsten Teile der alten Häuserzeile für die Öffentlichkeit zugänglich machen würde.

Kostbarkeiten in Schieflage
Große Pläne für die älteste Häuserzeile Reutlingens: (von links) Wolfgang Kühn vom Gebäudemanagement, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, Architekt Jürgen Hess.Bild: Haas

Kostbarkeiten in Schieflage
P. Geier

Peter Geier, 48, ist gestern Abend vom Reutlinger Gemeinderat mit 22:16 Stimmen zum neuen Leiter des Gebäudemanagements der Stadt gewählt worden. Geier, bisher Abteilungsleiter des Bereichs Baukonstruktion und Technik in der Technischen Gebäude-Unterhaltung der Stadt Esslingen, tritt damit die Nachfolge von Peter Gebert an, der das Gebäudemanagement bisher kommissarisch geleitet hatte. „Dieses Amt ist die wichtigste Nahtstelle zwischen Bürgern und Verwaltung“, erklärte der gelernte Tischler und diplomierte Architekt in seiner Vorstellungsrede. Öffentliche Gebäude hätten eine Vorbildfunktion für die Bürger, deshalb müsse deren Substanz erhalten und die Nutzung optimiert werden. Geier will sich verstärkt für die Nutzung regenerativer Energie einsetzen und das Energiesparen noch effizienter machen. In diesem Bereich sei Esslingen vorbildlich. „Reutlingen bietet eine gute Mischung aus Tradition und Moderne“, sagte Geier – und hatte kurz darauf den Job.

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20.07.2012, 12:00 Uhr

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