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Kostenloses WLan für alle
Ein Mann bedient in New York eine LinkNYC-Säule. Foto: dpa
New York

Kostenloses WLan für alle

Stadtpläne falten, Reiseführer blättern? Passé! In Großstädten reicht vielen Touristen ihr Smartphone. New York richtet für sie ein kostenloses Netz ein.

01.04.2016
  • JOHANNES SCHMITT-TEGGE, DPA

New York. Er sitzt mitten auf dem Gehweg in einem brüchigen Bürostuhl, schwarze Kapuze auf dem Kopf, neben ihm ein Einkaufswagen. Der Mann auf dem Foto ist offenbar obdachlos - und surft auf der Straße im Internet.

"LinkNYC", die neuen drei Meter hohen Internet-Terminals für den kostenlosen Online-Zugang in New York, versprechen jedermann Zugriff auf ein Netz mit Höchstgeschwindigkeit. Die Macher schwärmen schon jetzt von der "Telefonzelle von morgen."

In der Tat dürften die bis zu 10 000 WLan-Säulen, die binnen acht Jahren stadtweit aus dem Boden schießen sollen, Einheimischen und Touristen das Leben etwas leichter machen. Smartphone- und Tablet-Nutzer können sich im Umfeld von 45 Metern zur Säule kostenlos einloggen, teils reicht das Signal bis zu 120 Meter weit.

Bis zu 1000 Megabit pro Sekunde soll "LinkNYC" bieten. Das wäre hundertmal so schnell wie andere öffentliche Drahtlos-Netzwerke in den USA. Auch an USB-Anschlüsse zum Aufladen des Akkus wurde gedacht. Und es gibt integrierte Tablets und einen roten Knopf, mit dem man die Notrufzentrale alarmieren kann.

Die ersten Säulen in Manhattan laufen bereits, 500 Stück sollen diesen Sommer in Betrieb sein. Bisher stehen die Terminals in Manhattan, andere Stadtteile sollen folgen.

Datenschützern missfällt das kostenlose Netz. Die zum Login benutzten E-Mail-Adressen der User, die von ihnen besuchten Websites und Verweildauer auf Inhalten würden ab dem Login bis zu zwölf Monate gespeichert, kritisiert die Bürgerrechtsorganisation NYCLU. Da viele Nutzer sich täglich einloggen könnten, eröffneten Datenschutzrichtlinien sogar die Möglichkeit, die Daten ohne eine Frist zu speichern.

"Eine massive Datenbank dieser Art schafft ein unangemessenes Risiko für Missbrauch und unerlaubten Zugang", warnt die NYCLU. Die Gefahr: Sicherheitslücken und unbefugter Zugriff durch Regierung und Polizei. Nutzer gäben ihre politischen und religiösen Ansichten oder Informationen über ihre Gesundheit und Familie preis.

Vor allem die in die Säulen integrierten Kameras und Sensoren vermitteln den Eindruck, dass New York einen weiteren Schritt in Richtung Big Brother macht. Bislang seien jedoch weder Kameras noch die Sensoren, die Temperatur und Umgebungsgeräusche registrieren sollen, in Betrieb, sagt die "LinkNYC"-Managerin Jen Hensley. Die NYCLU fürchtet, dass diese Informationen direkt an das System zur Terrorabwehr fließen könnten.

Hinter Citybridge, das die Säulen mit digitalen Werbetafeln finanzieren will, steht unter anderem die Firma Intersection. Die gehört zu Sidewalk Labs, das seinerseits von einem Konzern gegründet wurde, der wegen seiner riesigen Datenbestände schon lange in der Kritik steht und der seinen Kartendienst in die Säulen verbaut hat: die Google-Muttergesellschaft Alphabet.

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01.04.2016, 06:00 Uhr

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