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Beim großen Umzug zum 200-jährigen Bestehen der Seebronner Schützen marschierten 41 Gruppen

Krach ließ Seebronns Mauern zittern

Kaiserwetter pur machte den Höhepunkt der 200-Jahr-Feier der Schützengesellschaft Seebronn, den Umzug am Sonntag, zu einem reinen Vergnügen. Die vielen hundert Zuschauer an der Straße bekamen viel zu sehen – und zu hören.

15.06.2015
  • Werner Bauknecht

Seebronn. Mit einem Festgottesdienst, zelebriert von Dompfarrer Harald Kiebler, hatte der Tag feierlich angefangen. 200-Jahr-Feiern kommen bei Vereinen nicht gerade häufig vor. So hatten die Seebronner allen Grund, ihr Fest so üppig wie möglich zu gestalten.

Insgesamt waren 41 Gruppen zum großen Umzug geladen. Aufstellung genommen wurde im Industriegebiet, in der Roseckstraße. Von da marschierten die Gruppen dann über die Hindenburgstraße (L371), Hailfinger- und Lichtensteinstraße zur Festhalle. Noch spärlich am Ortseingang, versammelten sich immer mehr Zuschauer am Straßenrand, und ab der Dorfmitte standen sie in dichten Reihen auf den Gehsteigen. Und der Schauwert für die Besucher war hoch. Zumal: Umzüge von Schützenvereinen in der Größe sind höchst selten in der Region.

Ein besonderer Gast dabei war der Patenverein der Seebronner, der Schützenverein Westernach aus dem Hohenlohischen. Die zogen gleich eine ganze Kanone mit sich. „Haben wir selbst gebaut, alles bis auf die Räder“, verkündeten sie stolz.

Recht fantasievolle Uniformen gab es auch immer mal wieder zu sehen. So kamen die Schützen aus Sulz gleich mit einem Spielmannszug und ihrer Trachtengruppe mit ihrem geschmackvollen Häs. Die Rottenburger Schützengilde Landskron trug rot-weiße Federbüsche auf den Helmen, dass sie daherkamen wie ein Husarenregiment zu Fuß. Sie machten sich mit ihren Böllerschüssen auch nachdrücklich bemerkbar.

Viele der Gruppen hatte diese Böller bei sich, die es in kurzer oder langer Form gibt: Als Handböller oder als Schaftböller, die zweiten deutlich länger. Laut aber waren beide. Auf ihrem Zug durch den Ort blieben die Gruppen mit den Krachmachern immer wieder stehen, um eine Salve abzufeuern. Die Zuschauer wussten bald Bescheid: Zeit, sich die Ohren zuzuhalten.

Der Zug wurde immer wieder durch Musikbeiträge verschiedener Musikvereine aufgelockert. So kam der MV Hailfingen mit seinem Orchester oder auch die Nellingsheimer. Eine Schützin dachte immerhin an die Zuschauer an der Piste: Mit kleinen Plastikgläschen, prall voll mit „Muntermacher“, wie sie sagte, lud sie sie zum Anstoßen ein. Dem intensiven Geruch nach handelte es sich um Selbstgebrannten, vermutlich von der eigenen Streuobstwiese hinterm Haus. Dass Schützenvereine längst keine Männerveranstaltung mehr sind, belegte auch der Umzug. Da reihte sich manche Frau auch bei den lauten Böllerschützen ein, und stopfte, ohne mit der Wimper zu zucken, nach dem Abschuß den Lauf gleich für den nächsten Böller.

Die Magstadter Schützen hatten vornedran einen Mann in ihrer Uniform, aber gebeugt mit einer Riesenkette voller Medaillons laufen. Was bedeuten die denn? „Das sind alle Auszeichnungen aller Schützenkönige, die wir je hatten“, sagt er. Die werden gesammelt, und dann in die Kette integriert.

Die Hirrlinger Schützen schleppten eine Kanone mit sich, die noch so neu aussah, dass sie in der Sonne glänzte. An einer Kette wurde das offensichtlich schwere Ding mitgezogen. Dazwischen machten auch sie immer wieder Halt, und feuerten Salve um Salve ab. Die Zuschauer konnten nicht genug von den Explosionen bekommen.

Vor der Festhalle ein eindrucksvolles Bild: Alle Fahnenträger stellten sich in einer Reihe vor dem Eingang auf, während die eintreffenden Gruppen daran vorbei defilierten. Auf dem Vorplatz ist Partygelände. Nach dem Umzug tummelten sich dort Hunderte an den Tischen oder an den Getränke- und Essenständen. In der Halle wurde für jede Gruppe ein Tisch reserviert, manche saßen auch draußen, auf dem Platz dahinter. Dort zeigten die Schützen noch mal, was sie drauf hatten. Da wurde es dann richtig laut. Zuerst feuerten sie drei sogenannte Standböller, dann drei Kanonen, darunter die Westernacher und die Hirrlinger, letztere die eindeutig lauteste. Und dann kamen auch noch drei Handböller. Es dauerte einige Zeit, bis sich der Puverdampf verzog und die Schützen wieder auftauchten. Für eine Füllung einer Kanone braucht man immerhin 320 Gramm Schwarzpulver.

In der Halle stellte die Vorsitzende der Seebronner Schützen, Katharina Ruf, derweil die geladenen Gruppen einzeln vor. Danach gab es Musik, Getränke und Essen. Diese wunderbar geratene Veranstaltung kann getrost in die Annalen der Schützengilde Seebronn eingehen.

Krach ließ Seebronns Mauern zittern
Neckartaler Trachtenverein Kiebingen

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15.06.2015, 12:00 Uhr

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