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Krämer stehen sich die Füße in den Bauch
Krämermarkt: Viel los am Nachmittag, abends tote Hose. Foto: Ferdinando Iannone
Auch wenn nichts los ist: Vertrag verpflichtet Marktbeschicker, auf dem Wasen bis Feierabend auszuharren

Krämer stehen sich die Füße in den Bauch

Auf dem Krämermarkt ist abends wenig los. Dennoch müssen die Volksfest-Händler bis zum Schluss offen halten. Das ärgert manche.

01.10.2016
  • UWE ROTH

Stuttgart. 21.36 Uhr. Der Händler in seinem hell erleuchteten Verkaufswagen schaut alle paar Minuten auf seine Uhr. Die Zeit scheint zu stehen. Bis 23 Uhr muss er durchhalten. Erst dann schließt der Wasen. Auf dem Krämermarkt des Cannstatter Volksfests schlendert um diese späte Zeit kaum jemand durch die Reihen der Stände, obwohl alle offen und gut beleuchtet sind. Im Hintergrund, wo die Fahrgeschäfte und Festzelte sind, tobt hingegen hörbar die Menge.

17 Tage dauert das Volksfest. Los geht's unter der Woche um zwölf Uhr, elf Stunden später ist Schluss. Die Samstage sind besonders hart: Die Öffnungszeit ist eine Stunde früher und endet erst um Mitternacht.

Über den Wasentag verteilt hat jeder mit Leerzeiten zu kämpfen. Am frühen Nachmittag stehen sich die Schausteller wegen mangelnden Andrangs die Füße in den Bauch. Hingegen haben die Händler gut zu tun, weil vor allem ältere Besucher den Krämermarkt durchstöbern. In den Abend- und Nachtstunden kehrt sich das Interesse dann um.

Mancher Händler würde gerne früher schließen und ins Bett, statt unproduktiv in der Gegend rumzustehen. Doch der Vertrag mit dem städtischen Veranstalter des Volksfests „in.Stuttgart“ verpflichtet ihn zu diesen Öffnungszeiten. „Es gelten für alle Beschicker die gleichen Zeiten. Wir wollen ein einheitliches Bild in der Außendarstellung“, begründet ein Sprecher von „in.Stuttgart“, warum es keine individuelle Regelungen gibt. Es sei „eine Solidargemeinschaft“. Eine Stunde den Marktstand früher öffnen, werde toleriert, früheres Schließen hingegen nicht.

Er widerspricht aber dem Vorwurf aus Händlerkreisen, Regelverstöße würden mit Vertragsstrafen geahndet. „Es gibt keine Strafgebühr. Und wir haben auch keinen Bußgeldkatalog“, versichert der Sprecher. Man müsse nicht groß kontrollieren. „Meistens verpetzt ein Händler seinen Kollegen, wenn der öfter seinen Stand früher dichtmacht, während er seinen Mitarbeiter länger bezahlt.“ Dann gäbe es mit dem Beschuldigten ein „ernstes Gespräch“ und gegebenenfalls eine „schriftliche Abmahnung“. Aber es sei nicht so, dass man einem langjährigen Beschicker damit drohe, ihn beim nächsten Krämermarkt nicht mehr zuzulassen. Es gäbe zwar mehr Bewerber als vorhandene Fläche, aber in erster Linie achte man bei der Wahl auf ein breites und attraktives Sortiment.

Dass die Händler nicht laut protestieren, sondern hinter vorgehaltener Hand, liegt daran, dass sie selbst wissen, wo ihr Schwachpunkt ist: Sie werden zunehmend älter, die Kondition lässt nach, frischer Nachwuchs fehlt und Geld für zusätzliches Personal ebenso. „Die Leute sitzen abends vor dem Computer, bestellen im Internet, statt auf den Krämermarkt zu gehen“, sagt einer.

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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