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Das Milliardengrab stoppen

Kreis-Bündnis der Stuttgart 21-Gegner stellte sich und seine Argumente vor

Vorgestern im Kurhaus, gestern auf dem Marktplatz: Das Aktionsbündnis „Ja zum Ausstieg“ zeigt Präsenz vor Ort. Sein Ziel: Das Volk soll am 27. November „das Milliardengrab Stuttgart 21“ stoppen. Die Alternative: Modernisierung des Kopfbahnhofs.

05.11.2011

Von DORIS WEGERHOFF

Freudenstadt. Was hat Freudenstadt mit dem ehrgeizigen Bahnprojekt in Stuttgart am Hut? Sehr viel, meinen die Aktivisten. Denn die zig Millionen Euro, die in den Tiefbahnhof fließen werden, fehlten für den „längst überfälligen?, zweigleisigen Ausbau der Gäubahn.

Profiteure des geplanten „Prestigebaus? seien einige wenige Bahnfahrer, jedoch nie und nimmer die vielen Zugpendler aus dem Umland. „Ich mache mir Sorge um die zukünftige Qualität des Bahnangebots aus dem hiesigen Raum. Sie wird sich mit Sicherheit verschlechtern?, meinte Marc Vogt, Sprecher der Kreisgrünen.

Und BUND-Sprecher Walter Trefz fügte noch einen Aspekt hinzu: „Bei einem unterirdischen Bahnhof ist die gefühlte Sicherheit weg und der Anschlusszug sowieso.? Denn der Regionalverkehr werde immer dem Fernverkehr untergeordnet.

Vogt und Trefz gehören dem hiesigen Aktionsbündnis „Ja zum Ausstieg? ebenso an wie Axel Lipp (SPD), Stefan Klausmann (Piraten), Reinhard Freitag (Pro Bahn und Bus) und Sybille Stern (Linke). Ansprechpartner für den Horber Raum ist Kristina Sauter und für den Freudenstädter Raum Dietmar Lust. Letzterer begrüßte am Donnerstagabend die kleine Schar der Interessierten im Gerhard-Hertel-Saal des Kurhauses. Er outete sich als „Ja-Sager? zum S 21-Kündigungsgesetz, das der Landesregierung die Möglichkeit gibt, aus dem Finanzierungsprojekt auszusteigen. „Hier haben sich fernab jeglicher parteipolitischer Interessen einige Empörte zusammengeschlossen, um vor dem Volksentscheid aufzuklären über die verbreiteten Mythen und Unwahrheiten?, sagte er. Auch Stefan Klausmann wetterte gegen das „Tricksen und Täuschen?, mit dem auch in dem Fall wieder versucht werde, Politik zu machen. Gleichermaßen begrüßte er den Volksentscheid und riet, ihn zu nutzen, um „Ja? zu sagen zum Ausstieg aus dem Bahnhofprojekt. Axel Lipp sah die Kostentransparenz des Projekts nicht gegeben, die Regionalwirksamkeit gegen Null tendieren und zudem gesetzliche Vorschriften nicht beachtet. Dies sowohl in der anvisierten Mischfinanzierung als auch im Gefälle der Gleise. „Wir sind dagegen, dass Millionen Gelder verschleudert werden?, sagte klipp und klar Sybille Stern und verwies auf eine Studie über die Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs.

Auch für Reinhard Freitag gibt es „keinen nachvollziehbaren Grund?, in Stuttgart unter die Erde zu gehen. Das sei weder kinder- noch seniorenfreundlich. Städte wie Frankfurt und München bewiesen, wie nutzbringend ein Kopfbahnhof ist. „Diese Anmaßung in Stuttgart kann kein Segen sein. Selbst der Berliner Bahnhof war billiger.? Es lohne sich dafür zu kämpfen, dass beim Volksentscheid ein „Ja zum Ausstieg? zustande kommt. Denn dann sei auch der Weg frei für die Modernisierung des bestehenden, im Übrigen denkmalgeschützten Kopfbahnhofs.

Die bereits existierende Planung von Stuttgarter Architekten und Ingenieuren erläuterte Kristina Sauter. Auf mehreren bebilderten Tafeln werden die gestalterischen Möglichkeiten dargestellt. Sie reichen vom autofreien Bahnhofsvorplatz über fußgängerfreundliche Bezüge zum Schlosspark bis hin zur Wohnbebauung nach dem Abriss nicht benötigter Gleise. Vermieden werde das Abpumpen riesiger Mengen Grundwasser und die Gefährdung der Mineralquellen, sagte Sauter.

Für sie liegt der Charme der alternativen Planung ? K 21 genannt ? auch darin, dass sie modernisiert, ohne gewachsene Strukturen zu zerstören, dass sie kostengünstig und trotzdem zukunftsorientiert ist. „Hier ist eine schnelle Verbindung nicht dank schneller Züge, sondern dank schneller Umsteigemöglichkeiten gegeben?, so Kristina Sauter.

Infostand des Aktionsbündnis „S 21-Ausstieg“gestern vor dem Rathaus Freudenstadt am Oberen Marktplatz.

Die Akteure/Vertreter des Aktionsbündnis „Ja zum Ausstieg“ (aus S 21) bei ihrer Vorstellung in Freudenstadt. Rechts außen der Sprecher für Freudenstadt, Dietmar Lust, und die Sprecherin für den Raum Horb, Kristina Sauter. Bilder: dow

Das Aktionsbündnis Freudenstadt-Horb „Ja zum Ausstieg? aus dem Tiefbahnhof S 21 informiert im Vorfeld des Volksentscheid mehrfach öffentlich, und das sowohl in Freudenstadt als auch in Horb.
Für Freudenstadt sind die folgenden Veranstaltungen vorgesehen. Am heutigen Samstag steht ein Infostand zwischen 9 und 14 Uhr vor dem Rathaus Freudenstadt. Desgleichen am Samstag, 19. November. Für den kommenden Samstag, 12. November, sind eine Demo und Kundgebung auf dem Oberen Marktplatz geplant. Zudem gibt es am Dienstag, 22. November, 19.30 Uhr, im Gasthaus „Schwanen? in Freudenstadt den Vortrag von Matthias Lieb über „Was bedeutet S 21 für die Gäubahn und die Region?? Weitere Informationen erteilen Kristina Sauter, Telefon (07451) 3438, und Dietmar Lust, Telefon (07443) 2409497.
Im Internet sind Argumente zu finden unter www.ja-zum-ausstieg.de.
Wie eine Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs aussehen könnte, ist anzuschauen und nachzulesen unter www.architektInnen-für-K21.de

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Erstellt:
5. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2011, 12:00 Uhr

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