Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Höhere Erlöse für die KLF?

Kreiskrankenhäuser: Der neue Geschäftsführer führt das „Medizin-Controlling“ ein

„Wir müssen sehen, dass wir auf der Erlösseite optimieren“, sagt der neue Krankenhaus-Geschäftsführer im Kreis Freudenstadt, Christian Roppelt. Einen entsprechenden Strategiewechsel hat er bereits eingeleitet: Für eine neu geschaffene Stabsstelle sucht er einen Medizin-Manager.

30.11.2011

Von Andreas Ellinger

Freudenstadt/Horb. Früher hat es sich für ein Krankenhaus tendenziell gelohnt, wenn es einen Patienten möglichst lange behalten hat. Mit Einführung des Fallpauschalen-Systems hat sich das ? vor einigen Jahren ? geändert. Die Hauptdiagnose für einen Patienten, die Nebendiagnosen, gegebenenfalls auftretende Komplikationen, der medizinische Aufwand und weitere Faktoren entscheiden darüber, wie viel Geld eine Klinik von den Krankenkassen erhält, wie viele Behandlungstage bezahlt werden. Wer einen Patienten (zu) lange versorgt, hat folglich finanzielle Nachteile ? genauso, wer die Erkrankung eines Patienten und seinen Gesamtzustand nicht präzise erfasst. Diese Erfassung erfolgt in Form von Codes, die für Diagnosen und Leistungen stehen.

Im Dunkeln gefischt?

Als der Horber Assistenzarzt Christian Strehlke im Jahr 2009 das Hospital verlassen hat, warf er den Verantwortlichen der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) „konsequente Konzeptionslosigkeit? vor. Es habe sich beispielsweise niemand darum gekümmert, „die neuen Kollegen entsprechend anzulernen, die Erfahrenen weiterzubilden und uns ein regelmäßiges Feedback zu geben? ? was das Abrechnungsverfahren in diagnosebezogenen Fallgruppen (DRGs) betrifft. Christian Strehlke: „Ich hatte all die Jahre das Gefühl, mit meinen Codierungen im Dunkeln zu fischen, ohne zu wissen, ob wir es richtig machen.?

Damals hieß der Geschäftsführer Rainer Schmidhuber und der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Dombrowsky. Strehlkes Kritik verpuffte. Das Führungs-Duo setzte auf Kosten-Minimierung, insbesondere durch Leistungsabbau in Horb.

Vertrauen gewinnen

Im vergangenen Jahr hat der neue Landrat Dr. Klaus Michael Rückert den Vorsitz des Aufsichtsrates übernommen. Der Arzt und Diplom-Krankenhausbetriebswirt Christian Roppelt ist seit 1. Oktober 2011 Geschäftsführer. Für beide war beziehungsweise ist es ein erster Arbeitsschwerpunkt, in Gesprächen mit Klinik-Mitarbeitern, niedergelassenen Ärzten, Kommunalpolitikern und Bürgern innerhalb einiger Monate das Vertrauen wieder herzustellen, das ihre Vorgänger Jahre lang zerstört haben.

Geschäftsführer Roppelt hat zudem begonnen, strategische Weichen neu zu stellen. Er muss beispielsweise etwas gegen „das Auseinanderdriften der Kosten und Erlöse? unternehmen. Eine Entwicklung, die in den vergangenen zehn Jahren durch strukturelle Veränderungen im Krankenhaus-Bereich ausgelöst worden sei. Christian Roppelt hat diese Entwicklung nicht nur als Klinik-Geschäftsführer verfolgt, sondern sich auch im „Interessenverband kommunaler Krankenhäuser? engagiert ? gegenwärtig ist er dort Schatzmeister.

Der Strategiewechsel

Im Kostenbereich der KLF gelte es zwar, „die eine oder andere Maßnahme? zu ergreifen, sagt er ? „das bringt aber nicht den Schwerpunkt-Effekt?. Vielmehr müsse die „Erlösseite optimiert? werden. In der Krankenhaus-Gesellschaft des Landkreises gebe es noch nicht die Strukturen, die gewährleisten würden, „dass sie rechtzeitig an ihr Geld kommt ? und an das Geld, das ihr zusteht?. Roppelt: „Es ist mir unverständlich, dass es an einem Haus dieser Größe kein Medizin-Controlling gibt.? Leistungen müssten „vernünftig dokumentiert? werden, damit die KLF von den Krankenkassen die Summen erhalte, die sie erarbeitet habe.

Ein Medizin-Manager soll sich künftig hauptverantwortlich darum kümmern ? auf einer neu geschaffenen Stabsstelle, direkt dem Geschäftsführer unterstellt. Case-Manager (Fall-Manager) werden ihm zuarbeiten. Die Stellen seien intern und extern bereits ausgeschrieben worden, sagt Christian Roppelt ? auch auf der Internetseite der KLF. Der Medizin-Manager oder die Medizin-Managerin muss demnach die klinischen Prozesse optimieren ? sowohl „medizinisch-pflegerisch als auch nach ökonomischen Kriterien?.

Die Abteilung „Medizin-Controlling? soll als „zentrales Zahnrad? zwischen Medizin, Pflege und Verwaltung dafür sorgen, dass alle Abläufe in den Krankenhäusern aufeinander abgestimmt werden. Die Fall-Manager werden auf den Stationen angesiedelt sein und die Patienten begleiten ? von der Aufnahme mit einer ersten Diagnose, über die Verlaufsplanung des Krankenhaus-Aufenthalts bis hin zur Vorbereitung ihrer Nachbehandlung, wie Christian Roppelt erläutert. Diese Fachkräfte müssten über medizinisches und pflegerisches Wissen verfügen sowie betriebswirtschaftlich geschult sein ? und Durchsetzungsvermögen mitbringen. Das Konzept soll die Behandlung qualitativ verbessern und die Verweildauer in den Kliniken „vernünftig optimieren?. Dadurch könnten auch „Ad-hoc-Entlassungen? vermieden werden ? die Patienten könnten beispielsweise rechtzeitig einen Sozialdienst beauftragen, der sich außerhalb der Klinik um sie kümmert.

Kein „teures Hobby?

Vor rund zehn Jahren habe er dieses System an der Kronacher Frankenwaldklinik etabliert, berichtet der Geschäftsführer. Als der private Klinik-Konzern „Rhön? das dortige Haus übernahm, überprüfte dessen Management offenbar, „ob das Medizin-Controlling nicht ein teures Hobby von mir ist?. Nach Roppelts Informationen hat Rhön das Konzept hernach auf andere Standorte übertragen ? er selbst wechselte unterdessen als Vorstand in das Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach?. Christian Roppelt hat das Medizin-Controlling inzwischen bundesweit in Vorträgen vorgestellt ? jetzt will er in Freudenstadt und Horb die Erlössituation verbessern.

Zum Artikel

Erstellt:
30. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. November 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort