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Rund 200 Menschen kamen zur Antikriegs-Demo auf den Holzmarkt

"Kriegstreiber sind für Flüchtlingsströme verantwortlich"

Mehr Infostände, mehr teilnehmende Gruppierungen, mehr Redner und mehr Demonstranten als in den letzten Jahren – nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Flüchtlingsproblematik kamen am Samstag rund 200 Menschen auf dem Tübinger Holzmarkt zusammen, um sich gegen Krieg, Waffenexporte und die Abschiebung von Flüchtlingen auszusprechen.

30.08.2015
  • Fabian Renz

Tübingen. „Wenn wir in diesen Tagen in die Zeitungen blicken, dann sind die voll von Schreckensnachrichten“, begann Gerhard Bialas die erste Rede des Tages. Der langjähriger Tübinger Gemeinderat verwies auf die 71 toten Flüchtlinge in einem Lastwagen in Österreich und die hunderte Ertrunkenen im Mittelmeer vor der libyschen Küste. „Die Finger zeigen nun auf die Schlepperbanden, sie zeigen aber nicht auf die Kriegstreiber, die für die Flüchtlingsströme verantwortlich sind“, fügte Henning Zierock von der Gesellschaft Kultur des Friedens später hinzu, der die Antikrieg-Demonstration mit seinem Theodorakis-Ensemble musikalisch umrahmte.

Die unterschiedlichen Redner machten unterschiedliche Verantwortliche für all das Leid aus: die Bundesregierung, die Bundeswehr, die Rüstungsindustrie, die kriegerischen Interventionen im Irak, in Afghanistan oder in Libyen, den westlichen Imperialismus insgesamt, die NATO.

Rund ein Dutzend unterschiedliche Gruppierungen waren bei der Kundgebung vertreten, darunter das Tübinger Friedensplenum, die Tübinger Linke, die DKP, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, der Frauenverband Courage, der kurdische Verein Tübingen-Reutlingen und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

„Die Friedensbewegung in Tübingen ist vielfältig“, freute sich Walburg Werner vom Friedensplenum. „Und das ist auch wichtig: Wir müssen hier etwas tun.“ Die Kundgebung stand unter dem Motto: „Krieg beginnt hier – bekämpfen wir ihn hier.“

Die Möglichkeiten dazu zeigten die Redner auf: Werner forderte einen Austritt Deutschlands aus der NATO, Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung verlangte ein Ende der „deutschen Großmachtpolitik“ und somit aller Rüstungsexporte. Heike Hänsel, Bundestagsabgeordnete der Linken, nahm sich vor allem der Flüchtlingsproblematik an und sagte: „Es ist eine Schande für Deutschland – als eines der reichsten Länder der Welt könnten wir viel mehr für Flüchtlinge tun!“

Stattdessen würden die Kapazitäten künstlich knapp gehalten, um Menschen in Not von Deutschland abzuhalten. „Die Erschütterung über tote Flüchtlinge ist heuchlerisch und verlogen, wenn daraus nicht die Konsequenzen gezogen werden, dass wir endlich offene Grenzen haben und eine legale Einwanderung in die EU und nach Deutschland“, so Hänsel. Nicht zum ersten Mal erntete sie dafür lauten Applaus von den rund 200 Demonstranten. Hänsel forderte – wie andere Redner auch – eine Öffentlichkeit im Land, die sagt: „Ihr seid hier willkommen!“

Auf die Frage, wie sie der Abwehrhaltung vieler Menschen gegenüber Flüchtlingen entgegentreten wolle, sagte Walburg Werner dem TAGBLATT: „Wir können nur immer weiter versuchen, die Leute zu überzeugen.“

Das versuchten die verschiedenen Gruppen auch am Samstag auf dem Holzmarkt: An mehreren Ständen lagen Infomaterialien aus, Engagierte versuchten die Passanten zu einer Unterschrift für unterschiedliche Petitionen zu bewegen. Etwas drastischer gingen die jungen Leute der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend vor: Fünf von ihnen legten sich für 15 Minuten in der prallen Sonne regungslos mitten auf den Holzmarkt. Während sich die Passanten um die Körper herum schlängelten, lasen sie auf Schildern die Zahlen der Opfer verschiedener Kriege. Auch die Zahl der seit dem Jahr 2000 gestorbenen Flüchtlinge stand dort: 23 000.

"Kriegstreiber sind für Flüchtlingsströme verantwortlich"
Viele Menschen, viele Banner, viele Forderungen: Walburg Werner (links oben am Mikrophon) vom Tübinger Friedensplenum zum Beispiel rief den Demonstranten zum Antikriegstag entgegen: „Deutschland: raus aus der NATO. NATO: raus aus Deutschland.“Bild: Faden

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30.08.2015, 12:00 Uhr

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