Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Prozess

Kriminalfall schadet Ruf des Gewerbes

Ein Kraftfahrer aus Weißrussland muss über drei Jahre in Haft. Er hatte einen betrunkenen Kollegen erschlagen.

10.04.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Als Vorsitzender einer Strafkammer ist Richter Roland Kleinschroth mit allerlei menschlichen Abgründen konfrontiert. Der Fall, den er jetzt an fünf Tagen im größten Saal des Heilbronner Landgerichts verhandelte, hat auch Auswirkungen auf ihn persönlich: „Seither ist mir nicht mehr so wohl, wenn ich an osteuropäischen Lastwagen vorbeifahren muss.“ Die Bedenken hat ein Fall ausgelöst, der unter Juristen als „Körperverletzung mit Todesfolge“ bewertet wurde, aber das Speditionsgewerbe in Verruf gebracht hat. Der Angeklagte muss drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Mit Kopf auf Asphalt geprallt

Am 25. September 2016 wurde auf der Rastanlage Hohenlohe-Süd an der A 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg ein toter Trucker entdeckt. Die Leiche des 46 Jahre alten Polen lag im Gras. Die Polizei löste den zunächst rätselhaften Fall rasch. Demnach hätte der Fahrer einer polnischen Spedition von einem Kollegen abgelöst werden sollen. Als er den Schlüssel für den Lastwagen nicht herausrückte und zu streiten anfing, verpasste ihm der jetzt angeklagte Weißrusse Pavel P. (32) einen Faustschlag gegen den Kopf. Eine solche Misshandlung, befand die Schwurgerichtskammer, sei auch bei einer Kneipenschlägerei nicht ungewöhnlich.

Doch der stark betrunkene Fahrer – bei der Obduktion wurden mindestens 1,5 Promille festgestellt – fiel nach hinten, schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Dabei erlitt er eine Schädelfraktur, die nach Ansicht des forensischen Gutachters zum Tod führte. Die Kollegen ließen ihn liegen, weil sie angeblich glaubten, er müsse nur seinen Rausch ausschlafen. Sie waren offenbar zornig über die Verzögerung, nachdem sie vier Wochen nicht mehr zuhause gewesen waren.

Der Angeklagte war am Tattag in Metz (Frankreich) abgelöst worden, zum Frühstück hatte er sich nach eigenen Angaben Wodka und Whisky gegönnt, die 300 Kilometer lange Fahrt im Kleinbus verkürzte er sich mit Bier. In Karlsruhe musste ein Kraftfahrer abgeholt werden, weil ihn Polizisten betrunken aufgegriffen hatten. „Wenn man bedenkt, in welchem Zustand die osteuropäischen Fahrer oft unterwegs sind, möchte man sich nicht ausdenken, was alles passieren könnte“, kommentierte der Richter das Verhalten. Hans Georg Frank

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball