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Kriminelle am Münzengrab
Mal aufgebrochen, mal beschädigt: ein Parkscheinautomat. Foto: © dk-fotowelt/fotolia.com
Diebstahl

Kriminelle am Münzengrab

Auf der Suche nach schnellem Geld entdecken Gauner Parkautomaten. Städte reagieren mit kürzeren Leerzyklen, Hersteller mit robusteren Gehäusen.

04.04.2017
  • ANNE LAASS

Memmingen/Stuttgart. Mit beinahe 82 Jahren tritt nun die nächste Generation ihren Dienst an, und das unter immer schwierigeren Verhältnissen. Die Parkuhr oder das Park-O-Meter feierte am 16. Juli 1935 seinen ersten Einsatz. Als Erfinder gilt der US-amerikanische Redakteur und Verleger Carl C. Magee. Premiere hatte die Uhr in Oklahoma City, von da an nahm die Münzen-fürs-Parken-Geschichte ihren Lauf.

1954 gab es dann die ersten Exemplare in Deutschland. Und bereits da fing der Ärger um das zeitbeschränkte Parken an.

Fälle in Memmingen

Kein Ticket auszudrucken und ein Knöllchen zu riskieren, ist das eine, die Geräte aufzubrechen, das andere. Diebe, die es auf das Geld in den Automaten abgesehen hatten, waren in Memmingen unterwegs. Mit einem Fräser bohrten sie das Gehäuse auf. „Die Diebe kannten anscheinend sehr genau das Innenleben“, sagt Gernot Winkler, Leiter des Tiefbauamtes. Die Summe in den Parkscheinautomaten variiert zwar, kann aber „bis zu einem niedrigen vierstelligen Betrag“ reichen – immerhin. In der aufbruchstarken Zeit hat es 20 bis 25 Geräte getroffen. Die Stadt hat daraufhin den Leerungsrhythmus erhöht. Automaten die häufig genutzt werden, wurden täglich entleert. „Um die Summe so gering wie möglich zu halten“, erklärt Winkler. Die Zahl steige aber nicht weiter an, da die Täter anscheinend gefasst wurden.

Neuere Modelle sollen es Dieben erschweren, an die Münzen zu gelangen. Sie verfügen etwa über Tresore, wodurch der Zugriff auf die Geldkassetten „deutlich erschwert wird“. Zudem sollen in Memmingen ältere Modelle mit „verstärkten Bauteilen nachgerüstet werden“, so Winkler. „Vielleicht hat sich damit das Problem der Aufbrüche von Parkautomaten verringert oder sogar behoben“, sagt Winkler.

2016 sind in Stuttgart drei ältere Parkscheinautomaten aufgebrochen worden. Insgesamt gab es zehn Versuche. „Die älteren Geräte werden im Laufe des Jahres durch neue, sicherere ersetzt“, sagt Chiara Vitzthum von der Pressestelle der Landeshauptstadt. Die Zugangstüren der neuen Automaten sind durch kundenspezifische Schlösser gesichert. Diese können nur mit entsprechenden Schlüsseln geöffnet werden. Neben mechanischen gibt es elektronische Schlösser oder eine Kombination aus beiden. Viele Hersteller haben daran gearbeitet, „die Aufbruchsicherheit bei den Parkscheinautomaten zu verbessern“, heißt es bei der Stadt. In der Landeshauptstadt kommen jedoch viel häufiger Vandalismus und Graffitischmierereien an den Parkscheinautomaten vor. Mittlerweile bieten Hersteller daher eine Antigraffitibeschichtung an, um die Automaten vor den kreativen Sprühereien zu schützen.

Wie viel Geld sich in den Stuttgarter-Automaten befindet, ist Geheimsache; ebenso der Plan, wann welches Gerät entleert wird. Potenzielle Diebe sollen nicht ermuntert werden. Das System der Centgräber ist einfach und hat sich in den vergangenen Jahren kaum geändert. Oben werden die Geldstücke eingeworfen, mit der Taste die Dauer bestätigt, unten kommt der Schein raus.

Schummeltipps aus dem Netz

Ein Nachteil ist, dass viele Automaten nicht wechseln und gern mal den einen oder anderen Euro fürs Kurzparken einbehalten. Wer nach illegalen Lösungen sucht, wird im Internet fündig. Auf so mancher Plattform gibt es inzwischen Tipps, wie man ohne Geld einen Parkschein erhält.

Der Protagonist eines selbstgedrehten Handyvideos schnieft geräuschvoll in die kleine Kamera und zeigt dann, wie er den Automat mit einer Tastenkombination austrickst. Und tatsächlich, nach ein paar Versuchen klappt es. Das Ticket kommt mit dem üblichen Automaten-Druck-Geräusch im Ausgabeschlitz an. Dem Hauptdarsteller des Films zufolge hat ihm eine Politesse diesen Trick verraten. Auf Anfrage unserer Zeitung will aber niemand den Tricks bestätigen: Es handle sich um einen „Fake“. Durch die Tastenkombination werde lediglich ein Prüfticket gedruckt.

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04.04.2017, 06:00 Uhr

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