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Im Tagestreff der Wohnungslosenhilfe gibt’s warmes Essen und Beratung

Künftig ganzjährig geschützt

„Armut kennt keine Jahreszeiten“, sagt Claire Möhle. Die Sozialpädagogin ist froh, dass der Tagestreff der Wohnungslosenhilfe künftig ganzjährig geöffnet hat. Im Winter, damit Menschen ohne feste Bleibe nicht erfrieren. Im Sommer, weil sie auch bei gutem Wetter etwas zu essen und eine Anlaufstelle brauchen.

07.12.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Ein gutes Dutzend Gäste ist am späten Nachmittag im Tagestreff der Wohnungslosenhilfe in der Eberhardstraße 53 versammelt. Seit dem 5. November hat er wieder geöffnet. In Zukunft wird es keine Sommerpause mit verschlossenen Türen mehr geben.

Die Männer spielen Binokel oder sitzen am Computer. Zwei Frauen trinken Kaffee und reden. Auf dem Herd der Küchenzeile dampft in großen Edelstahltöpfen das Abendessen. Es gibt Kässpätzle mit Salat und zuvor Gemüsesuppe. Am Vortag wurde Eintopf aus Kidneybohnen serviert. „Wir haben 20 Euro für 20 Leute, da muss man echt kreativ sein. Aber sie freuen sich richtig über das Essen“, sagt Liane Pfeffer. Sie ist eine von vier ehrenamtlichen Helferinnen, die sich bei der Arbeit im Tagestreff abwechseln. Über einen Flyer, der auf dem Österberg verteilt wurde, stieß sie zum Tagestreff und blieb. „Die Leute sind nett, ich wurde noch nie von Männern dumm angemacht“, berichtet sie. „Es ist für mich eine Arbeit mit Herz.“

Ähnlich sieht das Karin Brockerhoff. Die Pensionärin las im TAGBLATT, dass ehrenamtliche Helfer gesucht werden. Man bräuchte noch mehr davon, findet sie, „das mit der Kocherei ist schon stressig“. Es bleibe kaum Zeit, sich mit den Gästen an den Tisch zu setzen und zu unterhalten.

Auch Christine Hansper hilft einmal wöchentlich in der Küche, ebenso wie im Kirchencafé der Eberhardsgemeinde und in einem Seniorenheim. Ihre Eltern hatten eine französische Gaststätte im Schindhau, sie ist also vom Fach. „Ich arbeite gern mit Leuten und hatte selbst Probleme. Da möchte ich zurückgeben, was ich an Hilfe erfahren habe“, sagt sie.

Einer der Gäste redet sich in Fahrt. Seit acht Jahren lebt er im Männerwohnheim. Vergeblich habe er auf eine Sozialwohnung im Französischen Viertel gehofft. „Aber das wurde alles privat verkauft“, ärgert er sich. In seiner Situation sei es kaum möglich, eine Wohnung zu finden. „Wir sind auch schlecht angesehen. Die Vermieter schlagen uns die Tür zu“, so seine Erfahrung.

„Es ist wichtig, dass die Leute einen Platz haben, wo sie hingehen können“, betont Claire Möhle. Die Dettenhäuserin hat eine 75-Prozent-Stelle. Sieben Jahre lebte sie in Düsseldorf, wo sie im selben Bereich bei einer Armenküche arbeitete. Dann zog es sie nach Hause zurück. Nun fährt sie dienstags und freitags auf dem Weg zur Arbeit bei der Bäckerei Bauer vorbei, die dem Tagestreff süße Stückle „in Riesenmengen“ spendet: „Die Leute freuen sich immer so über die Kirschstreusel und Schokocroissants.“

Die Besucher und Besucherinnen des Tagestreffs kommen zum Teil aus der Drogenszene oder leben im Männerwohnheim. Morgens steht die Sozialberatung zur Verfügung. Nun ist mit Möhle auch an den Nachmittagen eine Ansprechpartnerin da. „Es ist jetzt der ganze Tag abgedeckt“, freut sich Gotlind Braun, die Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege.

Manche kommen mit Drogenproblemen, andere, weil sie ärztliche Behandlung brauchen. Mit Hilfe des Gesundheitsamts hat Möhle Grippeimpfungen organisiert. Im nächsten Jahr wünscht sie sich auch Möglichkeiten für Hepatitis-Impfungen.

Künftig ganzjährig geschützt
Die Sozialpädagogin Claire Möhle (rechts), seit Anfang November als Hauptamtliche bei der Wohnungslosenhilfe, nimmt sich Zeit für Gespräche, kümmert sich um alltägliche Probleme der Gäste des Tagestreffs und sucht mit ihnen nach neuen Perspektiven. Bild: Metz

Der Tagestreff in der Eberhardstraße 53 erhält einen kleinen städtischen Zuschuss, wird aber hauptsächlich von den Fördervereinen finanziert. Die Wohnungslosenhilfe bietet auch Notübernachtungen an, ebenso Sozialberatung und eine Kleiderkammer.
Neben Beratung und Freizeitangeboten gibt es im Tagestreff auch ein warmes Essen. Er hat von montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Wer mithelfen will, kann sich unter der Rufnummer 0 70 71 / 9 38 78 76
an Claire Möhle wenden.
Die Trägervereine
bitten um Spenden an die Freie Wohlfahrtspflege, Konto-Nr. 202 925 bei der Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 500 20 oder an die Straffälligenhilfe, Konto-Nr. 41904 ebenfalls bei der Kreissparkasse.

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07.12.2012, 12:00 Uhr

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