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Das fünfte Element

Künstlergruppe stellt in der Tübinger Kunsthalle aus

Ein wahrhaft europäisches Projekt: So priesen die Eröffnungsredner am Donnerstagabend in der Kulturhalle die Ausstellung „. . . und jetzt ist Verwandlung“. Dahinter steckt die Künstlergruppe „5elemente“.

11.08.2012
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. War William Blake der erste große Europäer? Der mit vielen Talenten gesegnete Künstler strickte, fast zeitgleich und unabhängig von Hölderlin, Schelling und Co., an seiner eigenen romantisch-idealistischen Mythologie; davon zeugt auch das mehrschichtige Werk „Europe: a prophecy“. Was Mister Blake nun wohl zur heutigen Krise Europas meinen würde?

Der geheimnisumwitterte, weissagende Brite ist Säulenheiliger des Tübingers Dieter Löchle. Im Zentrum der Ausstellung steht Löchles raumgreifende Installation „double you be“, was als Wortspiel mit William Blakes Initialen W.B. zu verstehen ist. Baldachineske Raumteiler, von Löchle mit gleichfalls privatmythologisch aufgeladenen Bildmotiven bestückt, mit Gummischlauchreifen und Fotodokumenten, den Künstlers bei der Arbeit zeigend. Dies gilt es demnächst einmal gesondert zu betrachten.

Denn nicht alles in der Kunsthalle steht im Zeichen Blakes. „5elemente“ steht für die klassischen vier Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft, sowie deren Austausch untereinander. Die Künstlergruppe steht aber auch für einen stabilen städtepartnerschaftlichen Künstler(innen)austausch, für das Miteinander von Kunstschaffenden aus Tübingen und den Partnerstädten Durham, Perugia und Aix-en-Provence.

Motoren und Moderatoren dieser innereuropäischen Kunst-Begegnung sind deutscherseits eben Dieter Löchle und der Tübinger Fotograf Tilman Rösch. Die kommissarische Kulturamtsleiterin Dagmar Waizenegger nannte zur Eröffnung ganz beglückt die Kultur „als wichtiges Bindeglied“, denn „hier ist Europa nicht nur ein abstrakter Begriff.“ Löchle halte dabei „mit bewundernswerter Geduld die Fäden zusammen“, so Waizenegger.

Regierungspräsident Hermann Strampfer beschwor als Schirmherr die „Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe Europas“, aber auch das „Feld des Dialogs und der Verständigung“, auf dem man sich hier bewege. Strampfer schlug sowohl den Bogen von William Blake als Namensgeber für die Kultband „The Doors“ als auch zu Hermann Hesse und dessen „Steppenwolf“ (was mit der Ausstelling nun direkt weniger zu tun hat).

Was ist noch zu sehen neben Löchles Annäherungen an das Idol Blake? Zum Beispiel „die Wechselfälle und Fülle des menschlichen Gesichts“ bei dem Engländer Gavin Mayhew, auf die der Marburger Gastredner Prof. Karl Braun ebenso hinwies wie auf Alice Angelettis Videoinstallation „Kronos“ im eigens abgetrennten Kino-Separee der Kulturhalle. Beides, Mayhews „Facing the Past“ und Angelettis Film, beschäftigt sich mit der Zeit, ihrer Vergänglichkeit und Flüchtigkeit, ihren Fliehkräften.

Besonders eindrücklich aber sind Röschs „Wasserbilder“. Die Brandung bei Marseille, der Zillertaler Gebirgsbach, das sich in Pfützen spiegelnde Gelb des Burladinger Speditionslasters – Rösch verwandelt Naturerleben in großartig-großformatig geronnene Augenblicke. Hier ist es sichtbar, das fünfte Element, der Energiefluss.

Künstlergruppe stellt in der Tübinger Kunsthalle aus
Voilà, die vier Künstler: Hermann Strampfer (rechts) mit Alice Angeletti, Dieter Löchle, Gavin Mayhew und Tilman Rösch in der Kulturhalle.Bild: Triebold

Selten genug bekommt ein Buch Szenenapplaus. Die verlegerische Leistung, Tilman Röschs „Wasserbilder“ herausgebracht zu haben, wurde am Donnerstag in der Kulturhalle mit Beifall bedacht. Der opulente Band mit 70 digitalen Aufnahmen ist im Tübinger Wasmuth Verlag erschienen und kostet 35 Euro.
Die Ausstellung „. . . und jetzt ist Verwandlung“ ist noch bis zum 9. September in der Kulturhalle immer dienstags bis freitags von 15-19 Uhr und samstags von 11-14 Uhr geöffnet. Am heutigen Samstag sind ebenfalls von 11-14 Uhr in der Künstlerbund-Galerie Metzgergasse als „Apparat“ einer anstehenden Performance Fotografien von Martin Frech zu sehen, außerdem der Trailer eines Films von Kerstin Risse. Öffnungszeiten ansonsten nach Vereinbarung.
An den letzten beiden Tagen, 8. und 9. September beschäftigt sich eine Performance an vier Tübinger Orten zu vier verschiedenen Zeiten nochmals mit dem Maler-Dichter William Blake. Um 14 Uhr im französischen Kulturinstitut, um 19 Uhr in der Kulturhalle, um Mitternacht in der ehemaligen Molkerei (Rappstraße) und um sieben Uhr morgens im Garten des Hauses Neckarhalde 33.

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11.08.2012, 12:00 Uhr

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