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100 Jahre ifa

Kultur für die Welt

Das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart feiert seinen Geburtstag als ältester Kulturmittler Deutschlands.

12.01.2017
  • LENA GRUNDHUBER

Ulm. Es kann vorkommen, dass ein Künstler in Afghanistan mit Personenschutz arbeiten muss, dass das Regime in Taschkent in eine Uecker-Ausstellung eingreift oder dass der iranische Zensor in Teheran ein Bild von der Wand nimmt, weil es anstößig erscheint. „Da gibt es Dinge, über die wir uns wundern“, sagt Elke aus dem Moore. Doch stattgefunden habe noch jede Ausstellung, und das ist gar nicht so selbstverständlich, denn die Kunsthistorikerin arbeitet oft da, wo es andere nicht unbedingt hinverschlägt.

Als Leiterin der Kunst-Abteilung des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) organisiert sie von Stuttgart aus unter anderem die derzeit 32 Tournee-Ausstellungen mit Kunst aus Deutschland, die das ifa um die Welt schickt, um Kulturaustausch in Gang zu setzen und damit auch politisch zu wirken. Die ifa-Schau „Weltreise“ zum Beispiel, erzählt Elke aus dem Moore, wurde je in einem arabischen und einem jüdischen Museum in Israel gezeigt und habe so die Bevölkerung zusammengebracht.

Das Institut mag weit weniger bekannt sein als das Goethe-Institut, dennoch ist es Deutschlands älteste Mittlerorganisation für auswärtige Kulturbeziehungen. Jetzt feierte der Verein, der vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart finanziert wird, sein Hundertjähriges und ließ sich zum Festakt von Außenminister Frank-Walter Steinmeier loben. „Kulturarbeit ist unverzichtbarer Bestandteil von Außenpolitik“, sagte Steinmeier – natürlich mit einem Zusatz, der derzeit nirgends fehlt: „Gerade dann, wenn die Zeiten schwierig sind.“

Zur Gründungszeit 1917 waren die Zeiten indes ungleich schwieriger. „Mitten im Krieg kam man darauf, sich der Auslandsdeutschen zu bedienen, um das ramponierte Bild der Deutschen aufzupolieren“, sagt ifa-Präsidentin Ursula Seiler-Albring. Das „Museum und Institut zur Kunde des Auslandsdeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland“ wurde im selben Jahr in „Deutsches Auslands-Institut“ (DAI) umbenannt und vom württembergischen König Wilhelm II. als „Werk des Friedens inmitten des Kriegs“ betitelt. In Wahrheit sollte es bald dazu beitragen, Deutschlands Bild weiter zu ramponieren. Die Legende vom unpolitischen DAI der Nazizeit sei „Geschichtsklitterung“, sagt Seiler-Albring. Tatsächlich wurde das DAI gleichgeschaltet, der Vorsitzende Theodor Wanner abgesetzt und Generalsekretär Fritz Wertheimer wegen seiner jüdischen Abstammung vertrieben. Das Institut entwickelte sich zu einem Planungszentrum nationalsozialistischer Volkstumspolitik.

1949 wurde das DAI als ifa neu gegründet, seit den 70ern hat es die Verantwortung für die Vermittlung deutscher Kunst ins Ausland, und seit 1991 gibt es nebst der ifa-Galerie in Stuttgart eine in Berlin. Nach dem Mauerfall ging die Kunstsammlung des DDR-Pendants ZfK an das Institut, aufgrund von Protesten wurden 219 Werke an ostdeutsche Museen übergeben. Affären um die Führungsspitze beschädigten das Ansehen des Instituts in den 90ern. Heute erarbeitet das ifa mit seinem Jahresbudget von 20 Millionen Euro Ausstellungen, ist zuständig für den deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig, fördert Künstleraustausch, betreut Förderprogramme etwa zur zivilen Konfliktlösung, unterstützt Demokratie- und Friedensförderung in Konfliktregionen und verleiht den Theodor-Wanner-Preis für Dialog der Kulturen.

Mit der Ernennung des erklärt politischen Museumsmanns Martin Roth zum neuen Präsidenten – er hatte nach dem Brexit seinen Chefposten am Londoner Victoria und Albert Museum aufgegeben – setzt das ifa dahinter noch ein Ausrufungszeichen. Gerade, wenn es schwierig wird, so darf man das hoffentlich verstehen.

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12.01.2017, 06:00 Uhr

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