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Der Kommentar

Kulturstadt Tübingen im Hintertreffen

Sieben Prozent des Tübinger Verwaltungshaushalts sind für die Kultur reserviert, rechneten OB Boris Palmer und sein erster Bürgermeister Michael Lucke vor zwei Monaten vor, als sie die Bürger erstmals aufs Sparen und Zähneklappern einschworen. Ein satter Anteil, sollte man meinen, mit dem Tübingen im statistischen Kulturfinanzbericht (wäre der nicht eingestellt worden) schön weit vorne rangieren würde.

13.02.2010

Die stolze Summe von 8,2 Millionen Euro, von denen 4,4 Millionen für städtische und 3,8 Millionen für andere Kulturträger reserviert sind, scheint bei genauer Betrachtung allerdings nicht nur etwas hoch gegriffen, sondern auch sonst fragwürdig – etwa, wenn die Kunsthalle da weiter als städtisch definiert wird. Und trotzdem: Es ist wohl kein Thema, dass nicht auch die geförderte Kultur ihren Blutzoll beim drohenden kommunalen Einspar-Schlachtfest entrichtet.

Allerdings rächt sich jetzt, dass man hier mindestens vier, fünf Jahre hinterher ist. Verlässliche Daten, die eine Gesamtübersicht erlauben, gibt es bis dato kaum. Im Unterschied zum Nachbarn Reutlingen, der seit Januar 2006 eine dickleibige und durchaus inhaltsvolle Kulturkonzeption vorliegen hat, wurstelte die Kulturpolitik in der Unistadt lange nur einfach so vor sich hin. Schließlich gilt Tübingen als Kulturstadt – das muss genügen.

Erst jetzt ist etwas Bewegung in die überfällige Sache gekommen. Eine Tübinger Kulturkonzeption gehört zu den vorrangigen Aufgaben von Daniela Rathe, der für Kultur zuständigen Fachbereichsleiterin. Die Quereinsteigerin aus dem Stiftungs- und Kulturmanagement startet jetzt mit ähnlichen Spartengesprächen durch, wie sie in Reutlingen zum Erfolg und zum Überblick geführt haben; bis Ende des Jahres ist in Tübingen mit einem ersten Ergebnis zu rechnen. Spät – womöglich zu spät?

Die Universitätsstadt scheint in manchem länger schon ins Hintertreffen zu geraten. Wenn das olle Klischee je gestimmt hat, dass in Tübingen der Geist und in Reutlingen das Geld herrscht, ist Reutlingen zielstrebig dabei, aus letzterem weit mehr zu machen. Das Veranstaltungsangebot profitiert vom neuen Kulturzentrum franz.K ebenso wie vom kommenden Kongresszentrum; und auch sonst erweist sich das Reutlinger Kulturkonzept offenbar als eine Grundlage, auf der sich allenthalben aufbauen lässt.

Tübingen muss sich deshalb sputen, regional den Anschluss nicht völlig zu verpassen. Der Standortfaktor Kultur ist zu wichtig, gerade auch in einem akademisch geprägten Milieu. Die Versäumnisse der letzten Jahre sind in den Zeiten der leeren Taschen natürlich schwer wieder auszubügeln. Glückliches Reutlingen: Allein 50 000 Euro ließ es sich damals die Kulturkonzeption kosten. Offensichtlich war das Geld gut angelegt. Und was plant Tübingen?

Wilhelm Triebold

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13.02.2010, 12:00 Uhr

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