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Erst im Tanzsaal nähen lassen

Kumpf feiert 50-jähriges Betriebsjubiläum

Auf Wäsche für Herren und Kinder hat sich die Wendelsheimer Firma Kumpf spezialisiert. Am Sonntag begeht sie ihr 50-Jahr-Jubiläum.

07.10.2010
  • willibald ruscheinski

Wendelsheim. Es war im Jahr 1960, als Bürgermeister Johannes Baur einen Unternehmer suchte, der in dem industriearmen Dorf am Pfaffenberg eine Näherei aufbauen sollte. Auf seine Annonce im „Zollern-Alb-Kurier“ meldete sich der damals 27-jährige Textilkaufmann Erwin Kumpf aus Tailfingen. Ihm gefiel der Ort aus verkehrstechnischen Gründen, aber auch, weil der Arbeitsmarkt droben auf der heimischen Zollernalb praktisch leergefegt war.

Also mietete Kumpf im „Hirsch“ den ehemaligen Tanzsaal und startete dort am 10. Oktober 1960 mit sieben Frauen die Produktion. Es dauerte aber noch mehrere Wochen, erzählt der Firmengründer, bis die Belegschaft auf den teils nagelneuen Nähmaschinen – nach etlichen Fehlstichen – die ersten „Entwicklungsunterhosen“ herstellen konnte. „Lufttrikot“ nannte sich die erste verkaufsreife Qualität, erinnert sich Kumpf. „Sie war so gefragt, dass wir oft zu den Kunden gesagt haben: Die Luft können wir Ihnen jetzt schon liefern, der Trikot kommt später“. 2,90 Mark kostete so ein Herren-Slip damals, und die Preise sanken.

1963 begann die Firma mit dem Bau ihres ersten Fabrikgebäudes, damals noch fast auf grüner Wiese in den Gassäckern. 1968 reichten auch die neuen Räume schon nicht mehr, und die Kumpfs richteten im Seebronner „Lamm“ eine Filiale für allein dort 20 Näherinnen ein. 1972 versammelte der bereits dritte Fabrikbau wieder die komplette Produktionslinie unter einem neuen Sheddach.

Wie die meisten deutschen Textilhersteller expandierte Kumpf, das Anfang der achtziger Jahre rund 100 Mitarbeiter beschäftigte, von da ab ins Ausland. Der ersten Ware aus Portugal, 1987, folgten Importe aus Brasilien und der Türkei, nach der Jahrtausendwende schließlich auch aus Indonesien und China. In Hajos, Hirrlingens ungarischer Partnergemeinde, gründeten die Kumpfs 1993 sogar ein eigenes Subunternehmen.

Trotzdem konnte der Familienbetrieb, in dessen Geschäftsführung 1997 auch Tochter Dorothea Kumpf eintrat, dem wachsenden Kostendruck nicht mehr standhalten. Angesichts massiver Umsatzeinbrüche entschloss sich Erwin Kumpf 2008, die eigene Produktion und den Vertrieb aufzugeben. Seither stellen die Gebrüder Haasis aus Albstadt die Kumpf’schen Hausmarken in Lizenz her, angeboten werden sie nach wie vor im Wendelsheimer Fabrikverkauf. In den ehemaligen Nähsaal ist die Gesellschaft für Integration, Beschäftigung und Ausbildung (GIBA) eingezogen.

Kumpf feiert 50-jähriges Betriebsjubiläum
Inzwischen kommt die Kumpf-Wäsche aus Lizenzfertigung: Geschäftsführerin Dorothea Kumpf (von rechts), Senior-Geschäftsführer Erwin Kumpf und Verkäuferin Bärbel Otto im Wendelsheimer Fabrikverkauf. Bild: Mozer

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07.10.2010, 12:00 Uhr

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