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Suche nach Migros-Nachfolger

Kunden bestürzt über Ende der Reutlinger Filiale

Gestern hat die Reutlinger Lebensmittelfiliale von Migros seine Schweizer Woche ausgerufen – doch die Wochen des Schweizer Unternehmens in der Innenstadt sind bekanntlich gezählt: Bis Ende des Jahres gibt Migros den Standort auf, viele Kunden reagieren entsetzt.

23.10.2012

Von Thomas de Marco

Reutlingen. Offiziell nimmt die Marktleitung von Migros Reutlingen keine Stellung zur Schließung der Filiale (wir berichteten), doch unter der Hand ist zu erfahren, dass die Mehrzahl der Kunden bestürzt oder sehr enttäuscht reagiert. Besucher, die gestern vom TAGBLATT befragt wurden, äußern sich ähnlich.

„Ich bin entsetzt, denn so ein Sortiment haben viele andere Händler gar nicht. Hier gibt es was ganz Exklusives“, sagt Albert Lepschy, 67, aus Esslingen, der regelmäßig bei Migros einkauft, wenn er seine Schwester in Reutlingen besucht. Margarete Hank, 58, aus Eningen, hörte von der Aufgabe des Standorts erst gestern beim Einkaufen. „Das darf ja nicht wahr sein“, erklärt sie, „hier finde ich alles, was ich sonst nicht bekomme.“

Sie finde es furchtbar für alte Menschen, für die es sonst in der Innenstadt nichts mehr gebe, sagt eine 38-Jährige, die nicht mit vollem Namen zitiert werden möchte. Sie selbst kommt allerdings zumeist nur in den Migros, um Schokolade zu kaufen. „Andere Lebensmittel sind für mich zu teuer!“

Kaum war Center-Managerin Alexandra Metzger von der Müller-Galerie aus dem Urlaub gekommen, erfuhr sie die Nachricht vom Migros-Ausstieg. „Das ist eine klare Aussage, jetzt gehen wir voll in die Vermietung“, sagt sie. „Wir sind so etwas gewohnt und arbeiten positiv daran, einen gleichwertigen Nachmieter zu bekommen.“ Allerdings sei es negativ, dass Reutlingen nun einen Lebensmittler im Zentrum verliere, erklärt Metzger.

Sie ist zuversichtlich, bis zum Jahresende einen Migros-Nachfolger zu finden. „Das ist eine 1A-Lage, für diesen Standort bekommt man schnell etwas“, betont die Center-Managerin der Müller-Galerie. Es wäre gut, wenn wieder ein Lebensmittelgeschäft in die Räumlichkeiten ziehe, „aber ohne Parkhaus ist das eben schwierig.“

Reutlingens Wirtschaftsförderer Christoph-Michael Pfefferle kann nachvollziehen, dass Migros vor allem aufgrund fehlender Parkmöglichkeiten seine Filiale in Reutlingen nach vier Jahren wieder schließt. „Das Unternehmen hat erklärt, dass zwar die Besucher-Frequenz in Ordnung sei, aber der Umsatz pro Kunde nicht ausreiche. Der starke Franken tut sein Übriges.“ Pfefferle bedauert, dass Reutlingen ein Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt verliert. „Wir sind in Gesprächen mit Müller. Wünschenswert wäre wieder ein Lebensmittler“, sagt er.

Zuletzt hatte Migros offenbar auch an eine Verkleinerung der Filiale gedacht. Letzter Verkaufstag ist der 24. Dezember diesen Jahres. Zu den in Reutlingen gehörten Gerüchten, Aldi interessiere sich für den Standort, nahm Aldi Süd gestern auf TAGBLATT-Anfrage „aus grundsätzlichen Erwägungen“ keine Stellung.

Martin Gross, Verdi-Bezirkschef Fils-Neckar, wurde nicht überrascht von der Migros-Entscheidung: „Ein Markt in dieser Größenordnung braucht einen größeren Durchschnittseinkauf pro Kunde. Viele Leute kaufen nur wenige Artikel.“

Nach zwei Entlassungswellen bei Schlecker werde es auf dem Arbeitsmarkt für die 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Migros schwierig. „Ich rate den Betroffenen, sich jetzt schon umzusehen und nicht bis zur Schließung zu warten“, sagt Gross.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Nur noch bis 24. Dezember geöffnet: Migros gibt die Reutlinger Filiale nach vier Jahren wieder auf.Bild: de Marco

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Erstellt:
23. Oktober 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Oktober 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2012, 12:00 Uhr

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