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Kunden gehen ins Risiko: Mehr Rendite, weniger Garantie
Baustelle Versicherungswirtschaft: Den Unternehmen fällt es zunehmend schwer, die Garantiezinsen für ihre Produkte zu erwirtschaften. Trotzdem gibt man sich in der Branche zuversichtlich. Foto: dpa
Versicherungen

Kunden gehen ins Risiko: Mehr Rendite, weniger Garantie

Trotz Minizinsen befürchtet die Branche nicht, dass ein Anbieter in die Knie geht. Der Schutz vor Cyberkriminalität soll neues Geschäft bringen.

27.01.2017
  • DIETER KELLER

Wir stemmen das“, gibt sich Alexander Erdland zuversichtlich. Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht weiter davon aus, dass alle Lebensversicherer die anhaltenden Minizinsen bewältigen. Das ist nicht leicht: Bei einem Fünftel der Verträge sind immer noch 4 Prozent Verzinsung garantiert, bei vielen anderen 3,5 Prozent.

Die laufende Verzinsung der Kapitalanlagen 2016 schätzt Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber auf 3,3 bis 3,6 Prozent. Das zeigt, wie schwer es ist, einen Garantiezins von 4 Prozent zu erwirtschaften. Im Schnitt erzielten die Lebensversicherer 2016 eine Gesamtverzinsung ihrer Kapitalanlagen von 4,3 Prozent. Die Tendenz zeigt nach unten: Im Jahr zuvor waren es noch 4,5 Prozent. Dabei ist die Zinszusatzreserve berücksichtigt, die seit einigen Jahren angelegt werden muss, um die hohen Zinsgarantien erfüllen zu können. Ende 2017 könnte sie 65 Mrd. EUR erreichen.

Anfang dieses Jahres wurde der Garantiezins für neue Verträge auf 0,9 Prozent gesenkt. Daher entscheiden sich immer mehr Kunden – 2016 fast die Hälfte – für neue Vertragstypen ohne diese Garantie, die dafür eine höhere Verzinsung am Ende in Aussicht stellen, aber eben nicht garantieren. „Die Kunden sind in der Niedrigzinsphase offenbar bereit, etwas mehr Risiko für ihre Altersvorsorge einzugehen“, sagte Faulhaber in Berlin. Dabei raten viele Verbraucherschützer ab, weil dadurch die Altersvorsorge noch weniger planbar sei.

Insgesamt kämpfen die Versicherer mit einem stagnierenden Geschäft. 2016 nahmen ihre Beitragseinnahmen leicht auf 194 Mrd. EUR ab. 2017 hofft Erdland auf ein Plus von 1 Prozent, was aufgrund der steigenden Inflation real immer noch einen Rückgang bedeuten würde. Ein Blick auf die wichtigsten Aktivitäten:

Lebensversicherung Die Zahl der neuen Verträge ging um knapp 4 Prozent auf 4,9 Millionen zurück. Insbesondere bei Riester-Verträgen gab es ein deutliches Minus. Dagegen gewinnt die betriebliche Altersversorgung zumindest im längerfristigen Vergleich an Bedeutung. Erdland setzt darauf, dass dieses Geschäft durch die derzeit laufende Gesetzesreform weiter deutlich wächst.

Sachversicherung 2016 gab es nur wenige, dafür aber heftige Unwetter, die Ende Mai und Anfang Juni innerhalb weniger Tage Schäden von 1,2 Mrd. EUR an Gebäuden und Autos anrichteten. Hauptgrund für die leicht roten Zahlen in der Wohngebäudeversicherung waren allerdings Leitungswasserschäden. Besser sah es in der Kfz-Versicherung aus, die aufgrund des harten Wettbewerbs immer wieder für Verlust sorgt: Unterm Strich gab es einen leichten Gewinn, obwohl die Bundesbürger angesichts der niedrigen Benzinpreise wieder mehr fahren. Hier wird nur mit geringen Beitragserhöhungen gerechnet.

Cyberkriminalität Die Versicherer erhoffen sich ein neues Geschäftsfeld, insbesondere bei kleineren Unternehmen mit bis zu 50 Mio. EUR Umsatz, die sich bisher oft zu wenig um Datenschutz kümmern. Sie stehen zunehmend im Fokus von Cyber-Kriminellen. Noch werden die Beitragseinnahmen nur auf maximal 50 Mio. EUR geschätzt. Erdland rechnet mit „exponentiellem Wachstum“ und verweist auf die USA, wo es 2 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. EUR) sein sollen. Der GDV hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Mittelständler ihre IT-Sicherheit verbessern können. Zudem arbeitet er das Konzept für eine Cyberversicherung, die im zweiten Quartal auf den Markt kommen soll.

Private Krankenversicherung Die Zahl der voll privat Versicherten ging leicht auf 8,77 Millionen zurück. Im zweiten Halbjahr gab es erstmals seit 2012 wieder eine Zunahme. Angesichts teilweise sehr kräftiger Beitragserhöhungen Anfang 2017 verwies der Chef der Krankenversicherer, Uwe Laue, darauf, dass diese oft fünf bis sechs Jahre stabil gewesen seien. In den letzten zehn Jahren seien die Beiträge bei den privaten Versicherern weniger stark gestiegen als bei den gesetzlichen Kassen.

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27.01.2017, 06:00 Uhr

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