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Echter Bärtle unter Gestrüpp

„Kunst am Bau“ bescherte dem Carlo-Schmid-Gymnasium das Gebilde XI

Mit diesem Fund hatte niemand gerechnet. Unter dem Gestrüpp im Innenhof des Carlo-Schmid-Gymnasiums kam ein Kunstwerk hervor. Geschaffen hat es der Tübinger Bildhauer Ugge Bärtle. Das Programm „Kunst am Bau“ machte den Ankauf in den 1980er Jahren möglich.

25.09.2012
  • Ute Kaiser

Geliebter harter Stein“ – dieser gemeißelte Schriftzug schmückt die rund 1,20 Meter hohe Skulptur unter freiem Himmel. Die Worte deuten auf eine späte Schaffensphase Ugge Bärtles hin. Je älter der Tübinger wurde, desto härter musste der Stein sein, den er bearbeitete. So wandte er sich vom harten Travertin von der Alb dem Diorit aus dem Odenwald zu. Ihn zu bearbeiten, setzt großes handwerkliches Können voraus.

Harter Stein sei für Ugge Bärtle „eine Herausforderung“ gewesen, sagt die Tübingerin Barbara Lipps-Kant, die seinen Nachlass verwaltet. Im von ihr verfassten Verzeichnis des bildhauerischen Werks aus dem Jahr 1982 taucht das Kunstwerk aus dem „Carlo“ als „Gebilde XI“, entstanden 1979 in Tübingen, auf. Damals war es noch im Besitz des Künstlers.

Im März 1979 bekamen der Architekt Henning Hagenbeck und sein Tübinger Partner Rolf Schnaufer den Auftrag, zwischen Primus-Truber-Straße und Steinlach eine Sonderschule und ein Gymnasium zu planen. Nach dreijähriger Bauzeit zog am 1. Oktober 1983 die damals noch „Feuerhägle-Gymnasium“ titulierte Schule ein.

Die Architekten hatten ein Konzept, das Lehrerkollegium und Schüler(inne)n den Aufenthalt in der Schule so angenehm wie möglich machen sollte. Wichtige Gestaltungselemente waren für sie auch Pflanzen, Bäume und Wasser. „Ein intimer Innenhof, gärtnerisch gut gestaltet mit Teich und einer Plastik von Ugge Bärtle, reizt geradezu zum Aufenthalt im Freien“, so heißt es im TAGBLATT-Artikel zur Eröffnung.

Als Schulleiterin Hanna Sumski die Bedeutung des Kunstwerk-Funds im Innenhof erkannt hatte, hätte sie gern mehr über die Skulptur gewusst. Doch in der Schule fanden sich keine Unterlagen. Und auch in städtischen Ämtern und im Stadtarchiv, das derzeit mit seinem Umzug in die Haaggasse 2 mehr als beschäftigt ist, ließen sich auf die Schnelle keine Informationen darüber aufstöbern, wie das Gebilde in die Schule gelangt ist.

Hätte die TAGBLATT-Recherche mit Rolf Schnaufer begonnen, hätte sie nicht so lange gedauert. Denn der „als letzte Rettung“ angesprochene Architekt konnte sich noch gut an damals erinnern. Er besuchte mit Klaus A. Blanke, der von 1978 bis 1994 Baubürgermeister in Tübingen war und von dem die Idee stammte, den 1907 geborenen Ugge Bärtle in seinem Skulpturengarten beim Wohnhaus an der Herrenberger Straße.

Das Konzept „Kunst am Bau“ sieht vor, dass ein gewisser Anteil der Baukosten öffentlicher Gebäude für Kunstwerke verwendet wird. Schnaufer erinnert sich an 50 000 Mark (etwa 25 000 Euro). So viel hat die Skulptur damals gekostet. Bärtle sei über den Verkauf „sehr, sehr glücklich gewesen“, so Schnaufer. Jetzt könne er einmal eine große Reise machen, habe er gesagt.

Das „Gebilde XI“ schien dem Gäste-Duo passend für den Standort im Hof zu sein. Die Skulptur bestach durch „ihre Schlichtheit und ihre Ausdrucksweise, die einen gedanklich ein bisschen herunterholt“, sagt der Architekt. Denn der Lichthof sollte auch die Möglichkeit bieten, sich zurückzuziehen.

Weder Schulleiterin Hanna Sumski noch die Biologielehrerin Tanja Hilf haben dieses Konzept gekannt. Doch es entspricht ihren Intentionen. Der Innenhof soll unter dem Motto „Carlo blüht auf“ bis zum Frühjahr zu neuem Leben erweckt werden – nachdem er jahrelang verwildert war. Die Stadt hat dem Gymnasium 15 000 Euro zur Verfügung gestellt, damit das rund 17 auf 17 Meter große Areal „reanimiert“ wird, wie Sumski sagt.

Die Unterstufenschüler der Garten-AG um Leiterin Tanja Hilf wollen mit den Stadtgärtnern noch einen Pflanzplan entwickeln. Der künstliche Teich, auf den vielleicht mal Seerosen kommen, ist schon ausgebaggert und vertieft worden. Aus ihm soll Wasser für einen kleinen Bach gepumpt werden.

Auf den Freiflächen sollen künftig „Relaxmöbel“ (Sumski) aufgestellt werden, damit Schüler/innen und Lehrer/innen sich entspannen können. Auch die Beleuchtung soll noch verbessert werden. Sumski ist sicher, dass „sehr schnell Erfolge zu sehen sind“. Die will das Gymnasium irgendwann bei einer feierlich Präsentation vorzeigen.

Info: Das Carlo-Schmid-Gymnasium sucht noch einen Sponsor, der eine Messingtafel finanziert, die über Ugge Bärtle und sein Werk informiert.

Kontakt unter Telefon 204 30 10.

„Kunst am Bau“ bescherte dem Carlo-Schmid-Gymnasium das Gebilde XI
Als der verwilderte Innenhof des Carlo-Schmid-Gymnasiums entbuscht wurde, kam eine Skulptur des Tübinger Bildhauers Ugge Bärtle wieder ans Licht.Bild: Metz

„Kunst am Bau“ bescherte dem Carlo-Schmid-Gymnasium das Gebilde XI
Der Künstler Ugge Bärtle, der das „GebildeXI“ im Carlo-Schmid-Gymnasium schuf, aufgenommen 1987, drei Jahre vor seinem Tod. Archivbild: Metz

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25.09.2012, 12:00 Uhr

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