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Kunst mit makabrem Clou
Carlos Aguirre verarbeitet Spitznamen von Kriminellen mit Fotoschnipseln ihrer Opfer zur Collage. Foto: Gerda Meier-Grolman
Ausstellung

Kunst mit makabrem Clou

Das Kunstmuseum Heidenheim zeigt, wie der Tod das alltägliche Leben in Mexiko prägt.

04.11.2016
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Heidenheim. Beim Betreten der Ausstellungshalle im Kunstmuseum Heidenheim ist noch alles in Butter. Man starrt auf ein zwölf Meter breites Panorama-Bild. Könnte eine jener exotischen mexikanischen Landschaften sein, die wir in Europa so bewundern, wäre da nicht ein aus bunten Fotoschnipseln zusammengesetzter Flusslauf, der durch ein Gespinst von schwarzen Buchstaben mäandert. Der zynische Clou: Der Buchstabenwald des Künstlers Carlos Aguirre besteht aus den Spitznamen von Kriminellen, Bandenmitgliedern und Drogenbossen, deren zerstückelte, erschossene und grausam massakrierte Opfer da als Papierfetzen an ihnen vorbeitreiben. Aguirres Bild-Metapher zielt auf den Zustand einer Gesellschaft, die täglich ohnmächtig und hilflos brutaler Gewalt und abscheulichen Toden ausgeliefert ist.

Die für drastische Kunstmittel wie Leichenwasser und menschliches Blut bekannte Biennale-Künstlerin Teresa Margolles konfrontiert uns in der Ausstellung „Der Tod in der mexikanischen Gegenwartskunst“ mit einer schier endlosen Liste von Transsexuellen, die zwischen 2014 und 2015 in Ciudad Juarez wegen ihrer Andersartigkeit auf bestialische Weise ermordet wurden. In Rafael Lozano-Hemmers Computer-Installation schließlich tritt der Besucher gewissermaßen in direkten Kontakt mit 43 seit September 2014 vermissten mexikanischen Studenten, indem seine Gesichtszüge mit denen der verschwundenen Lehramtsstudenten auf gemeinsame Merkmale hin abgeglichen werden.

Starker Tobak, das sind nahezu alle diese Kunstarbeiten „made in Mexiko“. Eine versöhnliche Stimmung kann höchstens dann aufkommen, wenn der Kunstinteressierte vor den Orakel-Leuchtkästen von E. S. Mayorga steht. Da allein, auch wenn damit eine von Kerzen gesäumte Gedenkstätte für eine verschwundene Person illuminiert wird, keimt doch Hoffnung auf, dass es in Mexiko noch einige wenige ruhige und friedliche Ecken geben mag. Burkhard Meier-Grolman

Info „De Muerte Presente – Der Tod in der mexikanischen Gegenwartskunst“ bis 15. Januar im Kunstmuseum Heidenheim, Di-So 11-17, Mi 13-19 Uhr.

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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