Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Betzinger Bahnhof

Kunst zum Thema „Mutter-schafft“

Betzingen. Eine „Schrei-Spirale“ aus giftgrünen Kunstharz-Schnullern, rückgratförmige Skulpturen aus nackten japanischen Mini-Barbiepuppen.

12.02.2010
  • matthias reichert

Die Installation „Mutter-schafft“ besteht aus Stoffwindeln, die zu Schalen aufgespannt sind. Jenny Winter-Stojanovic hat ihre Erfahrungen aus der Kindheit und als Mutter zu einer Ausstellung im Betzinger Bahnhof verarbeitet. Über drei Etagen öffnen sich Räume mit persönlichen und überindividuellen Bezügen.

„Das war mir ein großes Bedürfnis, hier herein zu müssen.“ Der Bahnhof – das steht für den Wechsel der Lebensstationen, für Abschiednehmen und Neubeginn. Sieben Jahre hat die Künstlerin nicht gearbeitet, hat ihre Kinder versorgt und ihren Mann unterstützt, der sich als Fahrradhändler selbstständig machte. Acht, sechs und drei Jahre sind die Kinder alt – jetzt sind sie aus dem Gröbsten heraus, und Winter-Stojanovic, die ihre Ausbildung an freien Schulen in Metzingen und Schwäbisch Hall gemacht hat, ist zurück in den Kulturbetrieb. Auch, um das Klischee zu widerlegen, dass Künstlerinnen, sobald sie Kinder bekommen, aus dem Rennen um Preise, Anerkennung und Stipendien heraus sind.

Mit Erfolg: 150 Leute kamen vorige Woche zu einer Vernissage mit Wiegenliedern. Opernsängerin Anke Wittel sang, Klarinettistin Lulu Stahlberg spielte, sieben- bis neunjährige Tanzschülerinnen improvisierten ein Ballett mit Kükenfedern. Die Gäste ließen sich von der Schau berühren, entdeckten eigene Erfahrungen in den Installationen, bauten im interaktiven Bauklötze-Raum, lasen die Inschriften nebenan: „Mir ist sooo langweilig“ und das Gedicht „Maikäfer, flieg“. Darf man das heute noch zitieren? Das wurde heiß diskutiert.

„Zell-Formationen“ und „Zell-Sprösslinge“ aus Frischhaltefolie, bunt beleuchtet, symbolisieren im Erdgeschoss die Entstehung des Lebens. Der Hüpfparcours von „Himmel und Hölle“ ist auf dem Boden eines langen Flurs aufgemalt – in der Kindheit teilt sich die Welt noch in Gut und Böse, Schwarz und Weiß. An der Wand hängen Blätter aus einem alten Posiealbum. Nebenan im Warteraum ist die Installation „Ein Stück vom Himmel“ aufgebaut – eine Schaukel hängt zwischen Wolkenbildern.

„Kinder bauen sich ihren eigenen Mikrokosmos“, sagt die 33-Jährige. Bunte kleine Gummistiefel schwimmen in der ersten Etage auf Kunststoff-Schalen, in denen sich die Welt, auf dem Kopf stehend, spiegelt. „Aber ich will“, ist dieser Raum betitelt. Ein Stockwerk weiter oben steht ein bunter Häkelanzug. „Ich mein‘s ja nur gut mit dir“, heißt diese Installation – wenn man auf alle guten Ratschläge hört, bleibt man eingesponnen in so einen Kokon. Ein halbes Jahr hatte sie die Ideen im Kopf, realisiert hat sie die Ausstellung seit Dezember, erzählt Winter-Stojanovic. Zu sehen ist „Stationen der Kindheit – Mutter-schafft“ bis 19. Februar, freitags, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Kunst zum Thema „Mutter-schafft“
„Zellsprösslinge“ nennt Jenny Winter-Stojanovic diese Gebilde, die zur Zeit im Betzinger Bahnhof zu sehen sind. Bild: Haas

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.02.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball