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Kunstgenuss in grauen Pantoffeln
Pantoffel-Tour durch die Neuen Kammern in Potsdam. Foto: Bernd Settnik/dpa
Umstritten: Riesige Überschuhe aus Filz sollen historische Böden in Museen und Schlössern schützen

Kunstgenuss in grauen Pantoffeln

In einigen Museen und Schlössern sind Hausschuhe Pflicht. Die Pantoffeln sollen historische Böden vor Schmutz und hohen Absätzen schützen.

19.04.2016
  • GUDRUN JANICKE, DPA

Potsdam. Mit schlurfendem Schritt geht es in Pantoffeln übers wertvolle historische Parkett. In vielen Museen und Schlössern bundesweit wird erst Zugang gewährt, wenn Filzpantoffeln über die Straßenschuhe gestreift wurden. Muss das sein? Befürworter meinen, damit werde Schmutz aus den wertvollen Kunsträumen ferngehalten. Kritiker befürchten, Steinchen in den Filzsohlen verursachten Schäden.

"Auf Marmor wirkt das dann wie Schmirgelpapier", sagt Kerstin Schilling, Leiterin Schlossmanagement der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Im Marmorsaal des Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci endete just die "Pantoffel-Ära". Mit Eröffnung des sanierten Saales entstanden gläserne Laufstege, über die Besucher gehen können. Die kunstvollen Böden sind weiter gut sichtbar.

In Brandenburg dagegen stehen in den Neuen Kammern, im Schloss Charlottenhof oder dem Orangerieschloss noch etwa 1000 Pantoffel-Paare bereit. Auch in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gilt die Ansage: nur mit Latschen. "Nach der Sanierung wegen des Brandes 2004 haben wir das entschieden", sagt ein Sprecher der Klassik Stiftung Weimar. Zudem dürfen nur noch 290 Besucher pro Tag hinein. Beides soll die wertvollen Bücher, Gemälde, Skulpturen im einmaligen Rokokosaal schützen.

Auch das Thüringer Residenzschloss Heidecksburg wird auf leisen Sohlen erkundet. "Besser können unsere originalen Fußböden von 1740 gar nicht gepflegt werden", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Jeanette Lauterbach. Auf Tradition setzt auch Schloss Benrath (Nordrhein-Westfalen). "Die Holzböden brauchen diesen Schutz", sagt eine Sprecherin. Teppiche verfälschten den ästhetischen Eindruck.

In Bayern herrscht in den 45 Schlössern, Burgen und Residenzen der Schlösserverwaltung nur noch beim Spindler-Kabinett in Schloss Fantasie bei Bayreuth Pantoffel-Pflicht. "Oftmals schädigen sie mehr als dass sie sie schützen", sagt Sprecherin Ines Holzmüller. Auch wenn die Filzpantoffeln nach Gebrauch per Hand gesaugt oder ausgeklopft werden. In Sanssouci steht in einer Ecke eine "Ausklopf-Maschine" - die aber seit Jahren nicht mehr funktioniert. Bei Trauungen in der Blauen Galerie in den Neuen Kammern gibt es für weibliche Gäste im Seidenbeutel Plastiküberzüge zum Schutz vor High Heels.

Yves Hößelbarth, der im hessischen Dipperz in einer Filzmanufaktur 5000 Paar pro Jahr in Handarbeit fertigt, spürt die geringere Nachfrage von Museen. "Vielleicht liegt es auch daran, dass die Latschen etwa 10 bis 20 Jahre halten." Seine Pantoffeln dienen heute oft Privatleuten - und Schornsteinfegern.

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19.04.2016, 06:00 Uhr

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