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Unternehmen

Kurz-Geschichte

Von der Dachkammer bis an die Weltspitze: Viele Menschen wissen höchstwahrscheinlich nicht, dass sie ein Produkt der Kurz Zahntechnik GmbH oder des Medizintechnikunternehmens Heinz Kurz GmbH aus Dußlingen „in sich“ haben – in Form eines Zahnersatzes oder einer Mittelohrprothese.

05.10.2018

Von TEXT: Bettina puth|FOTOS: Jörg Romanowski

Geschäftsführerin Traute Kurz-Butzki schätzt die Arbeit im Team sehr.

Heute ist das Medizintechnikunternehmen Heinz Kurz GmbH aus Dusslingen einer der Weltmarktführer passiver Mittelohrimplantate. Mit seiner Tochtergesellschaft, der Kurz Medical Inc., in den USA ist es international aufgestellt und vertreibt seine Produkte in rund 60 Länder. Auch die Kurz Zahntechnik GmbH gehört mit ihren 51 Mitarbeitern mittlerweile zu einem der größten Zahntechniklabore der Region und beliefert Zahnärzte mit hochwertigem Zahnersatz.

Doch begonnen hat alles 1957 in einer sechs Quadratmeter großen Dachkammer in Dußlingen. Heinz Kurz, der bei einem Zahntechniker aus Kirchentellinsfurt eine Ausbildung gemacht hatte, richtete sich sein eigenes Dentallabor ein. Die ersten Gipsabdrücke entstanden in der heimischen Küche und Ehefrau Anna übernahm die Büroarbeit vom Wohnzimmertisch aus. Das Geschäft florierte, denn Zahntechniker auf dem Lande waren rar. Einen weiteren Boom gab es in den 70ern, als die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Zahnersatz komplett übernahmen.

Das handwerkliche Geschick von Heinz Kurz sprach sich unter den Ärzten schnell herum. So fragte ihn ein HNO-Arzt von der Tübinger Uniklinik bei einer Veranstaltung, ob er nicht dünne Röhrchen zur Belüftung des Mittelohres aus Gold anfertigen könnte. Diese sogenannten Paukenröhrchen, die bei einer Mittelohrentzündung in das Trommelfell eingesetzt werden, wurden bis dahin aus Kunststoff hergestellt – einem Material, das bei manchen Patienten Unverträglichkeiten auslöst. Gehört – getan. Tüftler Heinz Kurz schuf in Handarbeit einen Prototyp eines Paukenröhrchens aus Gold, einem zu dieser Zeit am häufigsten verwendeten Material in Dentallaboren. Es funktionierte und das „Tübinger Paukenröhrchen“ war geboren.

Damit war auch der Grundstein für die Medizintechniksparte bei Kurz gelegt und bald entstanden neben Paukenröhrchen weitere Produkte. So schaffte es der findige Dußlinger, Mittelohrprothesen zu entwickeln, die es ermöglichten, die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel zu ersetzen – übrigens die kleinsten Knöchelchen, die es im menschlichen Körper gibt. Sie sind für die Übertragung von Schallwellen ins Innenohr notwendig.

Aus dem anfänglichen Hobby resultierte letztendlich eine weitere Firma, die 1993 gegründete Heinz Kurz GmbH, die nun 45 Mitarbeiter zählt. Um auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen, wurde die Kurz Medial Inc. in Atlanta im Jahr 2000 gegründet.

Die Kurz-Firmen heute

Heute führt die Tochter von Heinz und Anna Kurz – Traute Kurz-Butzki – die beiden Unternehmen. Die gelernte Zahntechnikerin wollte eigentlich nur „vorübergehend“ im elterlichen Betrieb „jobben‘“. „Die Technik als solches war nicht so sehr mein Schwerpunkt. Doch alles, was mit Unternehmensführung zu tun hatte, die Möglichkeit mit Menschen zusammen etwas zu entwickeln, interessierte mich dann doch sehr“ sagt Traute Kurz-Butzki. „Ich habe mich durch Besuche von Kongressen, Workshops und Seminaren zum Beispiel in Unternehmensführung weitergebildet. Denn niemand wird als Unternehmer geboren. Heute bin ich für die Organisation, das Management und Marketing verantwortlich“, meint sie und lacht: „Learning by doing“. Sehr wichtig ist ihr die Arbeit zusammen mit ihrem Team. „Ohne die engagierten Kollegen und die gemeinsame Ideen- und Lösungsfindung, würden die beiden Firmen nicht dort stehen, wo sie heute sind.“

Einen Vorteil des „Standorts Dußlingen“ sieht die Geschäftsführerin in der Nähe zur Universitätsstadt Tübingen mit den Universitätskliniken für Zahn- und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. „Das war und ist bis heute ein inspirierender gegenseitiger Austausch“. Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen „Schwäbischen Tüftler“ in der Region. Denn gerade am Anfang war noch viel handwerkliche Arbeit nötig. Auch die Nähe zu Tuttlingen bietet Vorteile. „Hier haben viele Zulieferer im Bereich Instrumentenherstellung ihren Firmensitz.“

Weichen für die Zukunft stellen

„In der Zahntechnik geht man mehr und mehr weg von der reinen handwerklichen Arbeit hin zu digitalen Verfahrensweisen. Es wird auch weniger modelliert, sondern mehr gescannt und gefräst“, erklärt Traute Kurz-Butzki. „In der Medizintechnik sind wir dabei, uns zu diversifizieren, indem wir unser Know-how breiter einsetzen und die Vertriebstätigkeit intensivieren.“ Das Kerngeschäft der Heinz Kurz GmbH bleibt zwar in erster Linie die Otologie, also die Ohrenheilkunde. Doch so viel verrät die Unternehmerin schon einmal: In der Pipeline ist auch ein neues rhinologisches Produkt.

„Momentan befindet sich die Medizintechnik in schwierigen Gewässern“, so Kurz-Butzki. Das neue Medizinproduktgesetz kompliziere die innovative Tätigkeit durch erhöhte regulatorische Anforderungen und das vor allem für kleinere Betriebe. „Das nimmt schon unverhältnismäßige Ausmaße an. Man muss sich wirklich gut überlegen, ob sich der Kostenaufwand lohnt, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.“

Kurz engagiert sich auch im sozialen Bereich. So hat Traute Kurz-Butzki im Jahre 2016 die Kurz Stiftung ins Leben gerufen, die gemeinnützige Projekte unterstützt, wie aktuell die Flüchtlingshilfe in Dußlingen. Zudem werden HNO Ärzte, die weltweit etwa für Hilfszwecke im Einsatz sind, mit Produkten von Kurz versorgt.

Privat ist Traute Kurz-Butzki, die unter anderem Kunstgeschichte studiert hat, die Liebe zur Kunst geblieben. Deshalb freut sie sich, die leerstehenden Räume des zweiten Gebäudes von Kurz im Dusslinger Steinig, zeitweise auch für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können. Derzeit ist hier eine Ausstellung eines Freiburger Künstlers zu sehen.

Auf die Frage, was die 62-jährige Unternehmerin, deren Leidenschaft das Tanzen ist, gerne noch machen möchte, kam spontan die Antwort: „Sprachen vertiefen und richtig gut Tango tanzen lernen.“

„Klein – aber oho“ sind die Produkte der Heinz Kurz GmbH.

In der Kurz Zahntechnik kann dank modernster Techniken hochwertiger Zahnersatz hergestellt werden.

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Erstellt:
5. Oktober 2018, 08:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Oktober 2018, 08:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Oktober 2018, 08:00 Uhr

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