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Milliarde für 2014 angepeilt

Kurzarbeit im Münsinger Walter-Werk beendet: Zweistelliges Plus bei Aufträgen

Krise war gestern, bei der Tübinger Walter AG herrscht wieder Zuversicht. Nach dem heftigen Auftragseinbruch 2009 peilt der Hartmetallwerkzeug-Hersteller erneut die Umsatzmilliarde an – das wäre fast eine Verdreifachung bis zum Jahr 2014.

02.02.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen/Münsingen. Kurzarbeit seit April, die Umsätze um ein Drittel eingebrochen, bei Tochterunternehmen in Deutschland und im Ausland 300 Mitarbeiter entlassen, in Münsingen und Tübingen 100 Zeitverträge nicht verlängert: „2009 war ein Hammer“, sagt Peter Boesl, der in der Walter-Geschäftsführung fürs Personal verantwortlich ist.

Doch mittlerweile blicken Boesl und Walter-Chef Peter Witteczek wieder sehr viel optimistischer in die Zukunft. „Der Januar hat uns Mut gemacht“, sagt Witteczek, der fürs laufende Jahr mit einem zweistelligen Umsatzwachstum rechnet. Besonders der Markt in Asien, aber auch in Osteuropa, Nord- und Südamerika soll dazu beitragen: Bei Aufträgen aus China, Indien und Korea meldet die Walter AG mit ihren weltweit 35 Niederlassungen ein Plus „im hohen zweistelligen Bereich“, ähnliches gilt für das Russlandgeschäft. Auch in den USA, Kanada, Mittel- und Südamerika geht’s wieder aufwärts. Nur Westeuropa und damit auch der deutsche Markt dümpelt weiter vor sich hin.

Und so wird seit gestern in Münsingen wieder an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr gearbeitet. Auf den Höhepunkt der Krise wurden in dem 2007 errichteten Walter-Werk auf der Alb nur noch an fünf Wochentagen speziell gehärtete Wendeplatten hergestellt. Auch die seit zehn Monaten währende Kurzarbeit ist für die 450 Münsinger Beschäftigten seit gestern passé. In Tübingen mit seinen 600 Mitarbeitern wird allerdings weiter kurzgearbeitet – wie lange noch, ist nicht klar.

Außerdem verkündete Walter-Chef Witteczek, dass in Münsingen zum gestrigen 1. Februar 13 neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Sie gehören zu jenen 100 einst in Tübingen und Münsingen Beschäftigten, deren Zeitverträge im vergangenen Krisenjahr nicht verlängert wurden. Der Kontakt zu allen Ehemaligen, so Peter Boesl, bestehe nach wie vor. Wenn sich die Konjunktur weiter aufhellt, seien weitere Einstellungen nicht ausgeschlossen.

Umsatz-Verdreifachung in fünf Jahren geplant

Dass der momentane Auftrags-Schub mehr ist als nur ein heller Streifen am Konjunkturhorizont, davon gehen Boesl und Witteczek fest aus. Und geben als neues Ziel aus, die Umsatzmilliarde nun bis 2014 erreichen zu wollen. Das wäre fast eine Verdreifachung in fünf Jahren: Vergangenes Jahr war der Umsatz auf rund 370 Millionen Euro geschrumpft (siehe Kasten unten).

Allein durch organisches Wachstum wird das nicht gehen – nicht einmal, wenn die von Witteczek angestrebten 15 bis 20 Prozent im Jahr tatsächlich realisiert werden können. Eine andere Möglichkeit sind Zukäufe. Vor ein paar Monaten erst verleibte sich die Walter AG den Detroiter Hartmetallwerkzeug-Hersteller Valenite ein. Von dessen einst 350 Beschäftigten übernahm Walter 200, die Position der Tübinger auf dem US-Markt verbesserte sich spürbar. Allerdings gehörte Valenite zum gemeinsamen Mutterkonzern Sandvik – eine Umstrukturierung innerhalb der Gruppe, bei der kein Geld floss. Wird’s weitere Aquisitionen geben? „Wir sind auf der Suche“, sagt Witteczek, der im Juni 66 Jahre alt wird.

Eins schließt der Walter-Chef allerdings aus: Dass es bei einer Verdreifachung des Umsatzes auch eine Verdreifachung der Arbeitsplätze geben wird. Vielmehr will die Firma rationalisieren, die Produktivität jährlich um 10 bis 15 Prozent steigern. Witteczek: „Wir stehen unter Kostendruck im globalen Wettbewerb.“

Im Krisenjahr 2009 brach der Walter-Umsatz um 180 Millionen Euro ein

Bis zum vergangenem Krisenjahr ging es bei der Walter AG stetig nach oben: 27 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Firma Mitte der siebziger Jahre, 2002 waren es bereits 250 Millionen, 2008 dann 550 Millionen Euro. Vor eineinhalb Jahren verkündete Walter-Chef Peter Witteczek das Ziel, beim Umsatz 2010 über die Milliardenhürde zu springen. Doch 2009 brach das Geschäft um ein Drittel ein – auf rund 370 Millionen Euro. Bei der Walter AG arbeiten weltweit 2600 Menschen, davon 1400 in Deutschland (600 Tübingen, 450 Münsingen). 2001 wurde Tübingens größter gewerblicher Arbeitgeber an den schwedischen Sandvik-Konzern verkauft, der inklusive Walter weltweit 45 000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach dem Großfeuer im Tübinger Stammwerk im Januar 2006 zog die Walter AG in nur zehn Monaten die neuen Produktionshallen in Münsingen hoch. Der Walter-Verkaufsschlager, die extrem harten Wendeplatten für Fräswerkzeuge, wird seitdem auf der Alb hergestellt.

Kurzarbeit im Münsinger Walter-Werk beendet: Zweistelliges Plus bei Aufträgen
Will den Umsatz auch dank der Wendeplatten-Fertigung auf der Alb in fünf Jahren fast verdreifachen: Walter-Chef Peter Witteczek im Münsinger Werk. Bild: Rekittke

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02.02.2010, 12:00 Uhr

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