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LTT-Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet
Boris Palmer
Happy End fürs Landestheater

LTT-Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet

Nach langem Ringen haben sich die Geldgeber des Landestheaters auf ein Finanzierungskonzept geeinigt, das dem gebeutelten Schauspielhaus für die nächsten fünf Jahre Sicherheit verspricht.

22.06.2012
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Gestern unterschrieben Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und Kulturstaatssekretär Jürgen Walter im Rathaus die Finanzierungsvereinbarung. Für beide nichts weniger als ein „historisches Ereignis“ (Palmer) oder ein „Meilenstein“ (Walter), denn erstmals sind die Zusagen verbindlich niedergelegt.

Danach nähern sich Stadt und Land, wie bereits berichtet, deutlich zügiger den ursprünglich ausgehandelten Zielvorgaben an. Sie sehen vor, dass Tübingen bereits bis Jahr 2017 (statt bis 2024) drei Zehntel zum kompletten LTT-Zuschuss beisteuert, das Land zahlt sieben Zehntel. Zuletzt lag der städtische Anteil bei 23,6 Prozent).

Außerdem übernimmt Tübingen jedes Jahr zwei Drittel des Betrags, mit dem auch am Theater Tarifsteigerungen ausgeglichen werden und der mindestens 1,2 Prozent des Gesamtzuschusses beträgt. Das Land gibt das restliche Drittel dazu. Bei nachgewiesenem LTT-Bedarf kann der kommunale Beitrag auch höher ausfallen.

Offenbar war die Lage am Theater zuletzt dramatischer als öffentlich wahrgenommen wurde. „Ich habe immer gesagt“, so die LTT-Intendantin Simone Sterr auf der gestrigen Pressekonferenz, „dass wir ohne Tarifsteigerungen nicht überleben können.“ Jedes Jahr musste im Verwaltungsrat aufs Neue darum gekämpft werden, denn das Land konnte sich nach einem Landtagsbeschluss vor einer Kostenbeteiligung an Tariferhöhungen drücken, solange Tübingen nicht sein allgemeines Pflichtsoll von 30 Prozent erreicht hatte. Auch das räumt die neue Vereinbarung jetzt aus.

Zuletzt ist das LTT nach den Tarifverhandlungen entweder leer ausgegangen (2010), oder aber die Stadt Tübingen übernahm wie im vergangenen Jahr den kompletten Betrag. Auch darum, betont Staatssekretär Walter, habe man nun „aufs Tempo gedrückt“: Um nicht „jedes Jahr den Hilferuf“ des Landestheaters vernehmen zu müssen. „Das war ein unsäglicher Zustand.“

Sterr hatte in den letzten Jahren immer wieder Alarm geschlagen, wie Palmer berichtet: „Wenn ihr euch jetzt nicht bewegt, dann ist das Ensemble weg. Und übrig bleibt ein Provinztheater.“ Das will Palmer wiederum unbedingt vermeiden, denn „das LTT macht Tübingen größer als es ist. Wir könnten uns das Theater mit seinen 120 Beschäftigten sonst nicht leisten, und dafür brauchen wir das Land.“

Die Vereinbarung, weiß der OB, ist „für das Theater existenziell“. Und die LTT-Intendantin freut sich: „Wir haben jetzt fünf Jahre keine Sorgen.“ Schließlich habe sie zuletzt die „Spielpläne gemacht, ohne dass ich wusste, ob ich die Kohle dafür habe.“ Das sei eigentlich „relativ unseriös“.

Teil der Vereinbarung ist außerdem, dass sich verschiedene Gemeinden im Landkreis voraussichtlich zu einem „kommunalen Interessenverein“ zusammenfinden, um das Landestheater mit einem wohl vierstelligen Betrag zu unterstützen. Das ist dem Tübinger Oberbürgermeister im übrigen auch wichtig: „Die Stadt ist nicht allein in der Pflicht.“ Darum gehe man auf die Partner zu. Auf zwei Stadttübinger Theatergänger, hat Palmer herausbekommen, kommt ein Kreistübinger, der das LTT besucht. Die Förderung sei städtischerseits ab zwanzigmal so hoch. Das Umland könnte mehr beisteuern: „Ich wünsche mir“, sagt Palmer, dass der Anteil steigt.“

Die Zielvereinbarung spiegelt in Sterrs Augen auch wieder, dass das LTT „künstlerisch in der Sitzstadt beheimatet ist.“ Und zwar als „intaktes Schauspielhaus“ am Ort: Von den 850 bis 900 Vorstellungen einer Spielzeit gehen 280 bis 300 hinaus zu den Abstecherorten. Ein „gutes Maß“, wie Sterr findet.

„Die Aufführungen hier haben“, so Sterr, „auch eine Strahlkraft ins Land.“ Es ziehe die Leute dann ins LTT: „Wir sind auch Landesbühne, wenn die Menschen zu uns kommen.“ Die Zuschüsse des kommunalen Interessenvereins, der gerade gegründet wird, sind allerdings zweckgebunden: Er soll dafür sorgen, dass mit mobilen und theaterpädagogisch wertvollen LTT-Aufführungen kulturelle Bildung ins Umland transferiert wird. Ein „Angebot in die Gemeinden“, sagt Sterr – und an die Gemeinden, die das dann verstärkt abrufen können.

LTT-Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet
Freut sich über die Unterstützung, mit der ihr Haus nicht in die Schieflage gerät: Simone Sterr, die Intendantin des Landestheaters.

LTT-Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet
Jürgen Walter

Das „Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen“, kurz LTT, wurde 1945 von versprengten Theaterprofis auf Initiative von Carlo Schmid als Stadttheater für Tübingen (und später auch für Reutlingen) gegründet. Nach einem kurzen Intermezzo als „Zweckverband“ wurde es 1950 zur Landesbühne umfunktioniert, und seitdem trägt das Land den Löwenanteil der Zuschüsse (teilweise über 80 Prozent). 1998 empfahl die Kulturstrukturkommission des Landes, zumindest die Sitzstädte der beiden Landesbühnen in Esslingen und Tübingen stärker in die Pflicht zu nehmen. Seither wird das Förder-Verhältnis von Land und Stadt bereinigt.
Während Esslingen den Zuschuss-Anteil von 30 Prozent bereits erreicht hat, ist Tübingen noch auf dem Weg dorthin.
2012 beträgt der Gesamtzuschuss fürs LTT 5,31 Millionen Euro. Im laufenden Tübinger Haushalt sind dabei knapp 1,4 Millionen Euro (Vorjahr: 1,07 Mio. Euro) ausgewiesen. 2017 soll der kommunale Zuschuss dann rund 1,8 Millionen Euro (Land: 4,19 Mio. Euro) betragen. Fürs Tübinger Landestheater würde das dann immerhin einen Zugewinn von 675 000 Euro gegenüber heute bedeuten.

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22.06.2012, 12:00 Uhr

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