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Sie tanzten barfuß im Regen

LaBrassBanda begeisterte 1700 Zuschauer beim Open-Air

LaBrassBanda klingt nach einer Blaskapelle, die nach der Probe in der Disco abfeiert. Auch ein Platzregen konnte die Volksmusik-Revoluzzer am Sonntag auf der Open-Air-Bühne vor dem Bischofspalais nicht stoppen. Etwa 1700 begeisterte Zuschauer verfolgten den Auftritt der Blaskapelle aus dem Chiemgau.

12.08.2014
  • Martin Zimmermann

Schnell und hart und laut klingt Blasmusik, wenn Stefan Dettl und seine Jungs in ihre Blechinstrumente blasen. Barfuß und in Lederhosen kommen die neun Musiker auf die Bühne. Fürs Rottenburger Open-Air-Konzert hat sich die Kernbesetzung um Sänger und Trompeter Dettl, Tubist Andreas Hofmeir, Posaunist Manuel Winbeck, E-Bassist Oliver Wrage und Schlagzeuger Manuel da Coll mit Gastmusikern – Percussions, Gitarre Trompete – verstärkt.

Im Vergleich zum Zaz-Konzert am Samstagabend kam zu LaBrassBanda mehr ländliches und männliches Publikum. Auch einige Familien. Dass das Gelände nur halb voll war, erwies sich für die Besucher als angenehm. So entstand kein Gedränge und es blieb genügend Platz, um allzu wilden Tänzern auszuweichen. Die Sicht auf die Bühne war auch von den hinteren Plätzen noch gut. Mit einem traditionell-bayrischen Stimmungslied eröffnete LaBrassBanda das Konzert. Das teilweise in Lederhosen und Dirndl gekleidete Partyvolk ging gleich voll mit. Wer zu Konzerten von LaBrassBanda geht, will schwitzen, tanzen, hüpfen. Frontmann Stefan Dettl gab Anweisungen: „Seitlich aufstellen, acht Schritte vor, zurück und dann Reibi-reibi-reibi, den Bauch reiben. Zappelt einfach wie verrückt rum, so wie ihr das sonst nie machen würdet.“ Das kam an. Wie eine Mischung aus Macarena und Harlem Shake wirkte der Tanz. Später animierte Dettl die Zuhörer noch zu einem wilden Pogo und Circles. Eine weitere Spielregel Dettls lautete: „Unsere Songs dauern zwei bis drei Minuten. Wenn ihr mehr wollt, müsst ihr ,Rewind‘ rufen.“ Davon machten die Fans reichlich Gebrauch.

Stilistisch vollzogen LaBrassBanda während des Konzerts die Evolution von der klassischen Blasmusik über Ska und Balkan-Swing zu Computer-gefütterten Techno-Sounds. Prägend dafür war der monotone Stakkato-Gesang Dettls und das obertongesättigte Tubaspiel Hofmeirs, der den Rhythmus vorgab; das Schlagzeug griff ihn auf. Schnelles Umpf-Umpf-Umpf statt behäbigen Umpah-Umpahs. Sch... auf Klischees und Genre-Grenzen, auf wichtige Botschaften und den Regen. Heute wird Party gemacht. Da klangen auch schon mal der Rednex-Hit „Cotton Eye Joe“ und der Tote-Hosen-Mitgröl-Klassiker „Hier kommt Alex“ an.

Mitten im Konzert begab sich die Kapelle auf den akustisch langen Marsch durch das Publikum. Als sie auf die Bühne zurückkehrte, ging ein Platzregen nieder und vertrieb die Fans unters Schutzdach der Bushaltestelle. Regenponchos wurden ausgepackt. Nach 15 Minuten ging es weiter. Noch genial-brachialer als zuvor, inhaltlich passen mit dem Lied „Z’spät dro.“ Dettl kündigte an: „No spial m’r jetzt halt ohne Applaus bis zum Ende durch, no hol mer d’ Regenpause wiader rein.“

LaBrassBanda begeisterte 1700 Zuschauer beim Open-Air
Lederhosen, nackerte Waden und viel Blech auf der Bühne sind die Markenzeichen der Powerplay-Truppe LaBrassBanda vom Chiemsee. Bild: Faden

Der Text des Lieds „Nackert“ ist selbst für Schwaben schwierig zu verstehen „Fahr mim Bulldog in die Wiesn, leg mi nackert in mein See.“ Danach folgte eine Ska-Hymne auf den bayrischen Landwirt: Bauer, Bauer. „Sind Bauern hier?“, rief Dettl ins Publikum. Hände gingen hoch, Jubel brandete auf. Danach ging’s in die Disko. Posaunist Winbeck rappte: „You say Captain, I say what“, später auch den Eurodance-Hit „Around the world“. Der Bolz-Platz als Open-Air-Disco, in der man drei Generationen – Oma, Mutter und Enkelin – nebeneinander tanzen sah.

Zwei Vorarlberger konnten jeden LaBrassBanda-Text mitsingen: „Die haben gestern bei uns in Österreich gespielt und sind so abgegangen, dass wir heute hergefahren sind, um sie nochmal zu hören.“ Nach zwei Mal 45 Minuten war Schluss. Als Zugabe spielten die Jungs vom Chiemsee einen langsamen Gute-Nacht-Choral. Kurz danach begann es erneut zu regnen.

Ein sehr guter Einheizer für LaBrassBanda war die Tübinger Reggae-Balkan-Ska-Combo Pantasonics. Zu ihren funkigen Off-Beats tanzte ein Großteil des Publikums in den schwülen Abend hinein. Nicht nur in den Musikstilen präsentierten sich die Tübinger äußerst vielseitig, sondern auch in den Sprachen.

„Es hätten 500 Leute mehr sein können. Aber wir sind nicht unzufrieden“, sagte Veranstalter Marc Oßwald. Dass es der Eugen-Bolz-Platz dennoch voll aussah, lag daran, dass die Bühne etwas weiter vorne stand als im letzten Jahr bei Silbermond und Dieter Thomas Kuhn. „Jetzt hatten wir beim Open Air im letzten Jahr ein sehr gutes und nun ein ordentliches Jahr“, sagte Oßwald, der im nächsten Jahr wieder nach Rottenburg kommen will. „Der Standort ist traumhaft, mit der Kulisse des Bischöflichen Palais. Es gibt Strom und das Hotel Martinshof in dem wir unsere Leute untergebracht haben, ist gleich nebenan.“ Im Vergleich zu anderen Städten sei in Rottenburg auch die Unterstützung durch die Stadt besser, sagte Oßwald. Ein weiterer Vorteil sei die Abkühlung im nahen Freibad, von dem der Bassist von LaBrassBanda am Sonntagmittag Gebrauch gemacht habe, wie Oßwald erzählte.

Auch Zaz habe es in Rottenburg gut gefallen. „Sie hat 20 Minuten länger gespielt, als sie eigentlich vorhatte, weil es ihr mit dem Publikum so viel Spaß gemacht hat.“ Stressig für die Organisatoren sei dagegen das unbeständige Wetter bei LaBrassBanda gewesen. „Wir wussten, dass wir abbrechen müssen. Deshalb haben wir die Band gleich am Anfang die Ansage mit der Regenpause machen lassen. Letztlich sind wir erleichtert, dass es noch so gut geklappt hat“, sagte Oßwald.

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12.08.2014, 12:00 Uhr

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