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Lachen ohne Grund

Lach-Yoga: Niemand muss lustig sein, es reicht ein „Ja, ich will“

Kein Witz: Es gibt Leute, die verabreden sich einmal die Woche, um eine Stunde lang zu lachen. In den Keller gehen sie dafür aber nicht. Carmen Goglin und ihre „Lacher“ kommen im Reutlinger Mehrgenerationenhaus zusammen – und um Witze geht es in dieser Runde ohnehin nicht.

13.08.2014
  • Christine Laudenbach

Reutlingen. Carmen Goglin steht an der Tür und strahlt. „So eine große Runde hatten wir noch nie“, sagt die Lach-Yoga-Lehrerin erfreut und begrüßt jeden der eintrudelnden Lacher mit Handschlag. Peter Waiblinger, Vorsitzender des Mehrgenerationenhauses im Vollen Brunnen, ist einer von ihnen. Eigentlich, so sagt er gleich am Eingang, würde er ohnehin „alle fünf Minuten lachen“ – und bräuchte deshalb gar kein Training. Die Expertin stellt klar: „Lach-Yoga ist Lachen ohne Grund“, zur Muskel-Entspannung. Lustig müsse es dafür nicht zugehen. Lediglich die Bereitschaft sollte vorhanden sein, ein „Ja, ich will“ – auch wenn diese Vorstellung Neulingen oft komisch vorkommt.

Die Vorteile des Trainings, in dem neben Ha-Ha-Has und Ho-ho-hos auch Atemübungen zum Zug kommen, lägen auf der Hand. Wirklich „jeder kann es“, sagt die 49-Jährige, zur Stressbewältigung könne sie die vor 19 Jahren in Indien entstandene Yoga-Variante nur empfehlen. Denn: „Niemand kann gleichzeitig lachen und grübeln.“ Dem Körper sei es im Übrigen völlig egal, ob er Grund zum Lachen hat oder nicht.

Also los. Alle im Kreis aufstellen und, ach ja, „können wir du sagen?“, fragt Goglin. „Nach der Stunde können wir uns ja wieder siezen.“ Während die beiden Geübten Kyra und Inge sich sofort beim „Begrüßungslachen“ ausschütten, schaut sich der Rest der Runde noch etwas betreten an. „Ich kam mir am Anfang auch total blöd vor“, sagt Kyra verständnisvoll. Inzwischen würde ihr das Training aber nur noch gut tun. „Alles löst sich“, sagt die Raucherin, der das Lachen alles andere als im Hals stecken bleibt: Nach der Übungsstunde sei sie so entspannt, dass sie zwei bis drei Stunden an keine Zigarette mehr denkt. Aber weiter: In die Hände klatschen, und „ha-ha-ha! Ho-ho-ho!“ Und „ha-ha-ha! Ho-ho-ho“, klatschen mit dem Kreisnachbarn, respektive der Nachbarin.

Von acht Schülern sind an diesem Abend sechs weiblich. Nicht ungewöhnlich, sagt die Lachschul-Chefin, die auch Teamtraining in Firmen gibt. Frauen lachen leichter, so ihre Erfahrung. Männer gäben „nicht so gerne die Kontrolle ab“. Dabei hatte sie schon Frauen im Kurs, die wirklich nichts zu Lachen gehabt hatten, „über ein Jahr lang“. Diesen Kandidatinnen tat es ausgesprochen gut, in der Yoga-Stunde lauthals loszuprusten.

Aus ihrem letzten Übungsraum musste Goglin aus diesem Grund allerdings ausziehen – die Nachbarn störten sich am Gelächter. Im Mehrgenerationenhaus sei das nun kein Problem, sagt sie. Waiblinger nickt. Aber zurück zu: „Ha-ha-ha! Ho-ho-ho!“ Der junge Mann, der draußen am offenen Fenster des Erdgeschoss-Raumes vorbeigeht und sich irritiert umschaut, wird ignoriert.

Apropos: Es wird Zeit für die Motivations-Übung: „Gut! Sehr gut! Wun-der-bar!“ ruft die Trainerin und wirft die Arme in die Luft. Und nochmal, dabei die Daumen nach oben und den Mitlachern entgegengestreckt. „Wie geht’s unseren Neulingen?“ In Goglins Augen blitzen die ersten Freudentränen. Sonja meldet sich: „Nachdem ich heute einen Scheiß-Tag hatte, fühl’ ich mich richtig gut.“ So soll es sein. Inge, „die Lachperle“, kann sich kaum noch halten. Sie gluckst. Deshalb weiter zum „Anerkennungslachen“ – in gleicher Tonlage, mit kombiniertem Schulterklopfen. „Wir werden alle viel zu wenig gelobt“, begründet Goglin diese Übung und nutzt die kurze Pause, um auf die „1. Schwäbische Lach-Olympiade“ im Oktober hinzuweisen. Der Wettbewerb hat zwar noch keinen festen Platz, dafür aber ein klares Ziel: Das Vorurteil, „die Schwaben seien humorlos, mürrisch und gehen zum Lachen in den Keller, setzt dieses Event außer Kraft“, wirbt Mitorganisatorin Goglin.

Der offene Reutlinger Treff indes ist fast am Ende. Auch Inge zeigt erste Anzeichen der Erschöpfung. Sie kichert deutlich leiser. „Danke für euer Lachen“, verabschiedet sich Oberlacherin Carmen nach einer kurzen Entspannungsrunde und erzählt abschließend – nein, wieder keinen Witz – die Weisheit des Lach-Yoga-Erfinders Madan Kataria. Er sagt: „Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind“. Tun wir nicht? Nein. „Wir sind glücklich, weil wir lachen.“

Lach-Yoga: Niemand muss lustig sein, es reicht ein „Ja, ich will“
„Gut! Sehr gut! Wunderbar!“ Sonja, Kyra, Oberlacherin Carmen Goglin und Walter (von links) sind extrem motiviert.Bild:Franke

Mit dem offenen Lach-Treff möchte Carmen Goglin kein Geld verdienen. „Stress darf man bei dem Thema nicht machen“, sagt sie. Die fünf Euro Unkostenbeitrag pro Abend, zu dem jeder eingeladen ist, spendet die Chefin der „Reutlinger Lachschule“ dem Mehrgenerationenhaus. Im Gegenzug wird auf die Miete verzichtet. Ihr Geld verdient die Wahl-Reutlingerin aus Sachsen mit ihrem mobilen Personalbüro, als Coach und Mediatorin. Die fünf-tägige Lach-Yoga-Ausbildung hat Goglin beim Erfinder Madan Kataria absolviert. Sein Wunsch: Die Lachbewegung soll um die Welt gehen. Bei den Körperübungen wird das Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgt, führt Goglin als Beweis an, dass Lachen gesund sei. Endorphine werden ausgeschüttet. Das Training habe zudem den Effekt, Distanz zu Problemen und Sorgen aufzubauen. Also: Einfach mal die eigenen Fehler weglachen :-):) :-)-) :-):- :-)-) :-) ) :-).
Infos und Lachtreff-Termine: www.reutlinger-lachschule.de.

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13.08.2014, 12:00 Uhr

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