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Lachen ist
die beste
Medizin
Clown Karlotta und Clown Karotta spielen in der Konstanzer Clownschule eine lustige Szene am Krankenbett. Das kann bei Klinikpatienten Leiden lindern, denn Lachen ist gesund. Foto: dpa
Clownschule

Lachen ist die beste Medizin

Humor hat viele gute Seiten. Er kann sogar bei der Heilung von Krankheiten helfen, glauben Experten. Die Clownschule Tamala in Konstanz bildet professionelle Spaßmacher speziell für die Arbeit in Kinderkliniken und Altenheimen aus.

24.01.2017
  • LSW

Konstanz. Seit ein paar Minuten versucht ein Clown vergeblich, seine angefrorene Zunge von einem Schlitten zu befreien. Die Zuschauer meckern, lachen und geben kluge Ratschläge. Für die Übung haben sich die Räume der Clownschule Tamala in Konstanz in ein imaginäres Altenheim verwandelt. 22 Schüler lassen sich hier zu Diplom-Schauspielern für Clown und Comedy ausbilden, und zwar mit Schwerpunkt Gesundheit.

Bei der Auswertung im Anschluss an die Vorführung kann die Kritik durchaus auch mal etwas härter ausfallen: Immerhin sollen die Clownsanwärter in ihrer zweijährigen Ausbildung für den Umgang mit launischen Alten und kranken Kindern gerüstet werden. Präsenz zeigen, Reaktionen der Zuschauer aufgreifen und ganz bewusst Pausen einsetzen, bekommen die Clownschüler während des Unterrichts immer wieder zu hören. Später sollen sie so Patienten von ihrem Heim- oder Klinikalltag ablenken und im besten Falle ihre Gesundheit fördern.

Der Trend, Humor in der Therapie einzusetzen, kam Ende der 90er-Jahre aus den USA nach Deutschland. „Durch das Lachen werden Stresshormone abgebaut und Endorphine, also Glückshormone, produziert, die Schmerzen vermindern. Das ist besonders wichtig für Leute, die unter chronischen Schmerzen leiden“, sagt Cornelia Leisch vom Europäischen Berufsverband für Lach-Yoga und Humortraining.

Bedarf bei Älteren

Die beiden Leiter der Clownschule in Konstanz, Udo Berenbrinker und Jenny Karpawitz, probierten sich zunächst selbst als Klinikclowns aus. Seit 2007 bieten sie das auch als Teil der Ausbildung an. Vor allem durch die Forschung, wie das Lachen auf die Gesundheit wirke, sei der Markt für Clowns in Deutschland seit circa 20 Jahren gewachsen, sagt Berenbrinker.

„Der Bedarf für Klinikclowns ist deutlich da. Die Kinderkliniken sind mehr oder weniger gut abgedeckt mit Clowns, aber bei den Seniorenheimen, Demenzstationen und für Behinderte sind noch nicht genug Clowns da“, sagt Clownschulleiterin Karpawitz. In Deutschland sei das vor allem eine finanzielle Frage, da solche Auftritte fast ausschließlich über Spenden finanziert würden.Auch für die Ausbildung müssen die angehenden Clowns selbst aufkommen. Der Großteil der Anwärter ist daher etwa 30 bis 45 Jahre alt und geht den unterschiedlichsten Berufen nach. Darunter seien Pfarrer, Manager, IT-Leute – viele kämen auch aus Pflegeberufen. „Du musst auch eine gewisse Reife für diese Arbeit haben, sonst brichst du irgendwann zusammen“, sagt Berenbrinker. Die intensive Arbeit mit der eigenen Person fordere.

Unter den Schülern ist auch Marco Lachmann. Der Programmierer hatte als Kind selbst einige schwere Operationen, einen Klinikclown gab es damals aber noch nicht, sagt der 44-Jährige. Als Erwachsener fand er sich in der Mühle der Arbeitswelt wieder. Beides habe er ändern wollen, weshalb er die Ausbildung zum Clown angefangen habe, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Als Clown könne man so viel Freude bereiten und den Stress von der Arbeit loslassen.

Man werde viel feiner im Wahrnehmen, erzählt Susan Erentok, die als freiberufliche Schauspielerin und Sprecherin arbeitet und ebenfalls bei der Clownsausbildung dabei ist. „Die Begegnung mit Menschen bekommt eine andere Farbe. Ich lasse mein Selbst immer mehr zu Wort kommen“, sagt die 43-Jährige.

Das Aufkommen der sogenannten Horrorclowns in den USA, aber auch in Großbritannien und Deutschland vor allem um Halloween, sehen Leiter und Schüler der Tamala-Clownschule nicht als Bedrohung für ihre Arbeit. „Man spricht bei uns in der Szene von den Black-Clowns“, sagt Berenbrinker. „Das sind meistens Leute, die Clown nicht gelernt haben.“ Sie seien oft stark geschminkt mit weißer Farbe, verstärkten Augen und Mündern.

Das sei es, was vielen Menschen tatsächlich Angst einflöße. Diese klassische Zirkusclownsmaske sei heute vollkommen unüblich und würde auch nicht gut geheißen werden. Es sei wichtig, dass der Zuschauer das Lebendige im Gesicht sehen könne.

Marie-Lena Hutfils, dpa

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24.01.2017, 06:00 Uhr

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