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Ländlicher Raum auf dem Weg in die Zukunft
Arbeiter verlegen Glasfaserkabel. Der Breitbandausbau soll den Internetzugang in abgelegenen Landstrichen verbessern. Foto: dpa
Kongress zeigt Chancen und Herausforderungen – Breitbandverkabelung und Industrie wichtig

Ländlicher Raum auf dem Weg in die Zukunft

Digitalisierung und Breitbandversorgung: Beide sind existenziell für die Wirtschaft im ländlichen Raum. Das wurde in einem Kongress deutlich gemacht.

01.10.2016
  • PETRA WALHEIM

Donaueschingen. Als Manfred Feist am Nachmittag die Halle in Donaueschingen verlässt, ist er zufrieden. „Ich nehme von dem Kongress mit, dass ich dem, was hier gesagt wurde, weit voraus bin.“ Feist ist Gründer, Inhaber und auch so etwas wie der Visionär von MF Instruments aus Albstadt (Zollernalbkreis). Sein Unternehmen stellt Messinstrumente her. Es ist ist global aktiv – und erfolgreich. Es verzeichne ein Wachstum von 60 Prozent, sagt er. Die Digitalisierung seiner Firma, die viele Familienunternehmen im ländlichen Raum noch vor sich haben – und vor sich herschieben, hat er bereits erledigt.

Die Industrie- und Handelskammern des Landes hatten mit der Akademie Ländlicher Raum Vertreter aus der Wirtschaft, den Kommunen und Landkreisen zum ersten Kongress dieser Art nach Donaueschingen eingeladen. Es ging um die Frage, wie die vielen Mittelständler auf dem Land ihren bisherigen Erfolg auch in die Zukunft fortführen können.

Eine einfache Antwort gab es nicht. Klar wurde aber, dass die Vernetzung ein wichtiges Thema ist. „Alles hängt mit allem zusammen. Alleine kann heute niemand mehr etwas erreichen“, sagte Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Der Kongress solle auch diese Vernetzung fördern.

Als existenziell erachtet wurde von den Referenten unter anderem die Digitalisierung der Unternehmen Dabei ist auch die Landesregierung gefordert. Denn eine Voraussetzung dafür ist, dass auch die entlegensten Regionen des Landes einen Breitbandanschluss haben. „Der ländliche Raum darf in der Breitbandversorgung keinen Nachteil gegenüber den Ballungsräumen haben“, betonte Landwirtschaftsminister Peter Hauk im Gespräch mit Dieter Teufel, Präsident der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. So wie jedes Haus einen Wasser- und Stromanschluss habe, sollte jeder Zugang zum Breitband haben, sagte Hauk. Bislang hätten 72 Prozent der Bevölkerung im Land eine Breitbandversorgung mit mindestens 50 MB. Bis 2018 sollen es 100 Prozent sein.

Teufel sieht auch in der Verkehrsinfrastruktur des ländlichen Raumes noch Defizite. „Bei Straße und Schiene brauchen wir noch eine bessere Anbindung an die Ballungsräume“, betonte er. Nach massiven Interventionen sei nun die Gäubahn Stuttgart-Singen-Zürich im Bundesverkehrswegeplan 2030 wieder in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden. Doch Teufel wünschte sich „mehr Geschwindigkeit“ in der Umsetzung.

Der Verwaltungswissenschaftler Roland Scherer von der Universität St. Gallen machte den Zuhörern Mut. Die Aussage mancher Experten, nur Metropolräume könnten sich in Zukunft wirtschaftlich weiterentwickeln, verwies er in den Bereich der Märchen und Mythen. Am Beispiel Schweiz zeigte er auf, dass gerade dort im ländlichen Raum die Bevölkerung wachse, die Arbeitslosenzahlen sehr gering seien und die Wirtschaft mindestens genauso wachse wie in den Ballungsräumen. „Der ländliche Raum in der Schweiz lebt von der Industrie“, sagte Scherer. Die „wissensintensiven Dienstleistungen“ konzentrierten sich dagegen auf die Städte.

Das ist in Baden-Württemberg nicht anders: In den größeren Städten sind die Universitäten, die vor allem die jungen Menschen anziehen. Die spannende Frage ist aber doch, ob sie nach ihrer Ausbildung zurückkehren aufs Land. Tun sie das nicht, bekommt die Wirtschaft in 10 bis 15 Jahren ein massives Arbeitskräfte-Problem. Dann gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Für Professor Peter Dehne von der Hochschule Neubrandenburg ist es deshalb wichtig, „attraktive Lebensbedingungen für den Zuzug junger Menschen zu schaffen“. Er sagte: „Lebensqualität und Daseinsvorsorge werden zum Schlüssel für die Orts- und Regionalentwicklung. Das ist der Weg in die Zukunft.“

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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