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Land bittet Bahn zur Kasse
Volle Bahnstreige, verspätete Züge: Die Bahn gelobt im Nahverkehr Besserung. Foto: dpa
Verkehr

Land bittet Bahn zur Kasse

Die vielen Zugausfälle und Verspätungen der letzten Monate werden die DB Regio eine Menge Geld kosten. Der Regionalverkehr kommt nun aber offenbar wieder besser in die Spur.

20.12.2016
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Zugausfälle, Verspätungen, verdreckte Waggons: Die massiven Probleme der DB Regio Baden-Württemberg beim Betrieb mehrerer Strecken seit dem Fahrplanwechsel zum 1. Oktober seien „absolut inakzeptabel gewesen“, schimpfte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Die Schuldfrage mochte er bei der Gelegenheit klar geregelt wissen: „Das Land Baden-Württemberg fährt die Züge nicht, das tut die DB Regio.“

Der Vorsitzende der Regionalleitung des gescholtenen Betreibers, David Weltzien, ergriff direkt danach das Wort. „Wir haben nicht das gebracht, was wir uns selbst vorgestellt haben“, bekannte Weltzien seine DB Regio schuldig im Sinne der Minister-Anklage. Die Versäumnisse kosten das Unternehmen nach ersten Schätzungen fünf bis sieben Millionen Euro. Wegen ausgefallener Züge werde das Land zwei Millionen Euro einbehalten, kündigte Hermann an. Dazu kommen Strafzahlungen für nicht erbrachte Leistungen in Höhe von drei bis fünf Millionen Euro. Stammkunden der Frankenbahn und der Remsbahn zahlt die DB Regio zudem eine Entschädigung.

Die Zuverlässigkeit der Bahn im Regionalverkehr ist nicht nur für Fahrgäste essentiell, sondern auch für Hermann selbst. Schließlich will der Grüne aus grundsätzlichen Erwägungen wie dem Feinstaubproblem in Stuttgart Autofahrer zum Umstieg bewegen. „Das Allerschlimmste ist, dass das Image des Nahverkehrs insgesamt beschädigt worden ist“, klagte Hermann.

Immerhin habe sich die Lage in den vergangenen vier Wochen entspannt. „Es ist besser geworden, aber es muss auch noch deutlich besser werden“, sagte Hermann. Er wird die DB Regio daher weiter wöchentlich zum Rapport ins Ministerium zitieren. Die Pünktlichkeitswerte würden jetzt nahe 92 Prozent liegen, sagte Weltzien. Und nur noch 1,3 Prozent der Züge ausfallen – teilweise hatte der Wert bei 2,4 Prozent gelegen. Das zeige, dass die ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigten. Ziel sei es aber, dauerhaft wieder auf eine Ausfallquote von unter einem Prozent zu kommen.

Besonders betroffen von den Problemen waren, und sind zum Teil immer noch, die Frankenbahn Stuttgart-Heilbronn-Würzburg, die Strecken Stuttgart-Neckarelz, Ulm-Aalen-Crailsheim, Geislingen-Ulm, Ulm-Aalen, Stuttgart-Ulm-Lindau und Stuttgart-Ulm-Donauwörth. In der letzten Oktoberwoche lag die Zugpünktlichkeit landesweit im Schnitt nur bei 87,7 Prozent; auf der Frankenbahn sogar auf katastrophalen 62 Prozent. Als pünktlich gelten dabei alle Züge, die weniger als sechs Minuten Verspätungen haben.

Doch selbst Anfang Dezember, in der 49. Kalenderwoche, hatte die DB Regio auf einigen Strecken noch erheblich mit der Pünktlichkeit zu kämpfen. Da lag der Wert für die Frankenbahn bei 70,3 Prozent; für drei weitere Linien ebenfalls unter 80 Prozent. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beklagte am Montag denn auch, er könne noch keine signifikante Besserung bei der Pünktlichkeit im regionalen Bahnverkehr erkennen.

Die Krise begann mit dem Ablauf des großen Verkehrsvertrags des Landes mit der Bahn Ende September; seitdem gibt es Übergangsverträge mit der DB Regio über 18 Gebiete, die 2019 – wie die Stuttgarter Netze – teils an private Konkurrenten übergehen. Die Umstellung sowie zwei Fahrplanwechsel binnen weniger Monate hätten „erhebliche Unruhe ins System“ gebracht, klagte Weltzien. An einem Einsatzort sei es zu einem „isolierten Krankheitsproblem“ gekommen. Zudem habe man erst spät die neuen Fahrzeuge erhalten, die die Flotte verjüngen sollen. Der Verlust der Stuttgarter Netze sei für viele seiner Kollegen zwar ein Schock; der Verdacht, dass sich die DB Regio deshalb in der Übergangsphase weniger anstrengen würde, entbehre aber jeglicher Grundlage. Schließlich sei man weiter auf vielen Strecken Partner des Landes. Hermann sagte, Ursache für die Probleme seien häufig Fahrzeugschäden gewesen. Danach hat die DB Regio in Baden-Württemberg von Schwesterunternehmen in anderen Bundesländern jüngere gebrauchte Züge übernommen, um ihre Flotte vertragsgemäß aufzufrischen. Die Neuerwerbungen waren aber offenbar nicht gewartet worden. Dass ein Konzernteil den anderen „anschmiert“, dürfe nicht sein, zürnte Hermann.

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20.12.2016, 06:00 Uhr

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