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Land of plenty

Visuell und menschlich starkes, politisch eher unscharfes Amerika-Bild von Wim Wenders.

Visuell und menschlich starkes, politisch eher unscharfes Amerika-Bild von Wim Wenders.

LAND OF PLENTY
USA

Regie: Wim Wenders
Mit: Michelle Williams,John Diehl,Shaun Toub

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
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Ein so optimistisches Amerika-Bild wie in "Terminal" darf man von Wim Wenders nicht erwarten. Andererseits ist die vom Festival in Venedig herübergewehte Behauptung, dieser Film sei eine Abrechnung mit Amerika barer Unsinn. Von so viel Liebe zu seinen (amerikanischen) Figuren, von der amerikanischen Kultur ganz zu schweigen, ist kaum ein anderer Regisseur beseelt. Daneben unterstellt der der Weltmacht zwar eine schwere Krankheit, beschwört aber mit fast noch größerem Engagement ihre Selbstheilungskraft.

Es beginnt als Familiengeschichte: Die junge Lana kommt nach Jahren im Entwicklungsdienst zurück nach Los Angeles und sucht Kontakt zu ihrem einzigen Verwandten. Dieser Paul ist ein körperlich schwer derangierter Vietnam-Veteran, der seine wahnhafte Angst vor Terrorangriffen als technisch hochgerüsteter Heimatschützer zu bannen sucht. Etwas überdeutlich repräsentieren diese beiden Figuren die Zerrissenheit Amerikas, überspitzt formuliert: den verstockten Bush-Vaterländler und die weltoffene Kerry-Idealistin.

Ein echter Konflikt will sich aus diesen konträren Weltbildern aber partout nicht ergeben. Vielmehr lässt sich Michelle erst einmal in den Strudel von Pauls Paranoia reißen, hinter der sich womöglich doch ein reales Komplott abzeichnet. Die Ermittlungen führen durch Obdachlosen-Heime in die Mojave-Wüste, wo der Krimi allmählich im Sand versickert, und der Film vollends seine wahre Bestimmung offenbart: Eine allegorische Reise durch Amerika, in deren Verlauf beider starre Überzeugungen – Pauls politischer, Lanas moralischer Rigorismus – verblassen.

Das ist zwar etwas simpel konstruiert, wird von den noch kaum Kino-bekannten Darstellern aber mit viel Leben und emotionalem Reichtum gefüllt. Stellt man noch die kraftvollen Bilder von den finstern Armenvierteln oder der hitzestarren Wüste in Rechnung, ist dies der beste Wenders-Film – vielleicht seit „Paris Texas“.

Spielplan

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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15.11.2004

12:00 Uhr

Freund des Sch schrieb:

wunderschön!



18.10.2004

12:00 Uhr

Hans schrieb:

Bei allem was man über Wenders und seinen Abschied von seiner Wahlheimat USA hört, er liebt dieses Amerika mit seinen Freaks und allem was dazu gehört.Diese Geschichte wird noch weiter erzählt. Ein wunderschöner Film , der die Wiedersprüchlichkeit und innere Zerissenheit der Amerikaner, verstärkt durch den 11.9 sehr gelungen darstellt. Was wird diesem Land angetan durch Leute wie Bush. Diese Armut, diese Paranoia, dieses wunderschöne Land.



14.10.2004

12:00 Uhr

TomTom schrieb:

Paul, ein in Vietnam vom Giftgas und Krieg traumatisierter Kriegsveteran, und seine Nichte Lana, zurück aus dem Westjordanland, treffen in einem Obdachlosenasyl in Los Angeles aufeinander, als dort ein Muslim erschossen wird. OK, die Geschichte wirkt konstruiert, Wenders erzählt eher eine belehrende Fabel als unbedingt eine wirklich glaubhafte Geschichte, aber die Amerikaner sind seit 9/11 nicht mehr die alten und in Wahrheit ist Wenders seit jeher eher ein analytischer Bildpoet und technisch versierter Träumer als ein „straighter“ Erzähler. But: Wie er seinen Blick auf die Obdachlosen LA’s schweifen läßt, wie Paul mit Lana durch die Wüste fährt, in welchem Licht die Nächte von Los Angeles getaucht ist, und, überhaupt, welche unglaublichen Bilder man mit einer Digitalkamera doch festhalten kann (Kamera: Franz Lustig): Das ist kinematographische Intelligenz und Sensibilität, wie man sie selten sieht! Ästhethisch Note 1, erzählerisch Note 3, daher insgesamt eine Zwei.



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