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Kerzen für die Toten

Landespolizei gedenkt der im Dienst verstorbenen Kollegen

Mit einem berührenden Gottesdienst in der Reutlinger Heilig-Geist-Kirche hat die Polizei am gestrigen Totensonntag ihrer Kollegen gedacht, die in Baden-Württemberg im Dienst gestorben sind. Die Gedenkrede hielt der Innenminister.

22.11.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Die Führungsriege der Polizei strömte in die katholische Heilig-Geist-Kirche in der Hindenburgstraße, Landes-Innenminister Reinhold Gall (SPD) hielt die Gedenkrede, Reutlingens OB Barbara Bosch hörte im schwarzen Mantel zu. Auch die Bürgerschaft kam zum ökumenischen Gedenkgottesdienst. Insgesamt füllten gut 300 Menschen die Kirche.

Das Gedenken sei „Ihnen und mir ein Herzensanliegen“, sagte der katholische Polizeiseelsorger Hubert Liebhardt. Seit Kriegsende 83 Polizist(inn)en hätten „im Dienst ihr Leben gelassen für Frieden, Freiheit und Sicherheit.“

Der Innenminister hoffte in seiner Ansprache, dass die anwesenden Angehörigen in der Gedenkfeier Trost finden könnten. Gall erinnerte an die tausenden Flüchtlinge: „Im Namen der Menschlichkeit und im Rahmen bestehender Gesetze werden wir diese Menschen aufnehmen“, so Gall. Wem indes im Heimatland keine Gefahr drohe, werde nicht bleiben können.

Der SPD-Politiker gedachte auch des Terrors von Paris „mit seiner hässlichen Fratze von Grausamkeit und Unmenschlichkeit“. Es sei „ein Anschlag auf unsere Werte“ gewesen, so der Innenminister. „Wir müssen und wir werden uns diesem Terror mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entschlossen entgegenstellen“, so Gall. Bei den Fürbitten gegen Ende des Gottesdienst wurde neben der Opfer von Gewalt und Terror sowie den Toten der Kriege ausdrücklich auch der Opfer von Paris gedacht.

Das Landespolizeiorchester begleitete den Gottesdienst mit Werken von Richard Strauss und Peter Tschaikowsky. Der Polizeichor Tübingen sang eindrücklich Gospels und einen Kanon.

Jedes Jahr ist ein anderes Polizeipräsidium für die Ausrichtung des traditionellen Gedenkens zuständig. Diesmal war Reutlingen an der Reihe. Neben dem Altar stand eine Skulptur des Glaskünstlers und Malers Raphael Seitz. Sie erinnert mit Licht und Farben an sämtliche 83 seit 1952 im Dienst gestorbenen Polizisten (siehe Kasten). Die Namen sind in die sechs Säulen eingraviert. Die Stele wurde 2010 als Wanderobjekt konzipiert, sie verbleibt jetzt für ein Jahr im Reutlinger Präsidium.

„Das Glas der Stele erinnert uns daran, wie endlich und zerbrechlich unser Leben ist“, sagte der evangelische Landespolizeipfarrer Albrecht Sautter in seiner Predigt. Der Künstler hatte einmal von „Lichtspuren im Licht des Lebens“ gesprochen. Jeder Name sei „unverlöschlich eingeschrieben in Gottes Hand“, zitierte nun der Pfarrer den biblischen Propheten Jesaja.

Auch Künstler Seitz ist in diesem Jahr nach einer kurzen und schweren Krankheit im Alter von nur 57 Jahren verstorben. Durch sein Werk sei Sorge dafür getragen, dass weder er selbst noch die auf der Stele im Wortsinn verewigten Menschen in Vergessenheit geraten würden, sagte der Innenminister.

Bei den Fürbitten zündeten Polizistinnen und Polizisten am Altar Kerzen für alle verunglückten Beamten an. Ein Licht wurde zuletzt auch für den verstorbenen Künstler unter dessen Skulptur gestellt.

Landespolizei gedenkt der im Dienst verstorbenen Kollegen
Gedenken an gestorbene Polizisten im Reutlinger Gottesdienst am Totensonntag. Bild: Haas

Seit 1952 sind in Baden-Württemberg insgesamt 83 Polizeibeamte und -Freiwillige durch Gewalt oder Unfälle im Dienst gestorben. Zwei Reutlinger Beamte kamen 1959 und 1969 ums Leben. In diesem Jahr ist bisher ein Polizist im Dienst gestorben: Stephan Kellner, Polizeihauptmeister in Offenburg, ist im August auf einer Dienstfahrt nach Frankfurt bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Seine Kollegen hätten ihn als einen Menschen beschrieben, auf den man sich blind verlassen konnte, würdigte Innenminister Reinhold Gall in seiner Reutlinger Gedenkrede. Menschen wie Kellner seien es, die der Polizei als „Staatsapparat“ nach außen ein Gesicht verleihen würden, sagte der Minister weiter.

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22.11.2015, 12:00 Uhr

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