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Raub nach Bestellung

Landgericht verhandelt Überfall auf Pizzabote

Beim Prozessauftakt gestand ein Reutlinger, vor einem Jahr mit Komplizen einen Pizzaboten überfallen zu haben.

31.10.2012
  • Fabian Ziehe

Reutlingen. Kein Geld zum Ausgehen, kein Gras zum Rauchen – diese Motive gaben die Täter bei ihren Geständnissen vor der 3. Großen Jugendkammer des Tübinger Landgerichts an. Beim Prozessauftakt saß ein 19-jähriger Reutlinger auf der Anklagebank. Er soll mit zwei Komplizen einen Pizzafahrer nach Betzingen bestellt und dort ausgeraubt haben. Mit dem 23-jährigen Mitangeklagten und drei weiteren Männern seien sie diesen Februar auch nach Hechingen gefahren, um einem angeblichen Marihuana-Dealer in dessen Wohnung Bargeld und Stoff abzunehmen. Die Kripo stoppte sie und nahm sie fest.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift hatten Martina Kohler, die Verteidigerin des 19-Jährigen, und ihr Kollege Thomas Rall, der den Mitangeklagten vertrat, einen Deal vorgeschlagen, wurden sich aber mit Staatsanwältin Henriette Unsöld nicht einig. Dennoch legten beide Beschuldigten Geständnisse ab.

Im Vorfeld des Raubes hätten sich der 19-Jährige und seine beiden Komplizen in einem Keller der Wohnung eines Mittäters in Betzingen verabredet und dunkel eingekleidet. Er habe sich mit einem größeren Messer bewaffnet, seine Kollegen griffen zu Schreckschusspistole und Teleskop-Schlagstock. „Dann sind wir einfach losgelaufen“, sagt de Angeklagte.

Die Idee für den Überfall sei ihnen auf dem Weg gekommen: Sie bestellten von einer Telefonzelle aus eine Pizza, Chicken Nuggets (Mini-Hähnchenschnitzel) und Zigaretten zu einer Adresse in der Vogelsangstraße. Als der bereits etwas ältere Auslieferer mit dem Auto vorfuhr, zögert das Trio. Erst als der Pizzabote unverrichteter Dinge wegfuhr, stoppten sie ihn an der Kreuzung Jurastraße/Villastraße. Ein Mittäter riss die Türe auf und forderte mit gezückter Schreckschuss-Pistole das Geld. Der 19-Jährige und der dritte Komplize standen an der Beifahrerseite. „Wir wollten ihn einschüchtern.“

Das Trio machte sich mit der Beute – 150 Euro, Handy, Zigaretten und Chicken Nuggets – davon, aufgeschreckt vom Ruf eines Anwohners. Handy und Essen warfen sie weg – beides fanden Polizei und Opfer am Tag danach. Auf dem Karton der Chicken Nuggets waren Fingerabdrücke, was die Polizei auf die Spur des 19-Jährigen brachte. Fortan hörten sie dessen Handy ab, wodurch sie vom zweiten Überfallplan erfuhren.

Der 19-Jährige, einer der Komplizen aus Reutlingen und der 23-jährige Mitangeklagte verabredeten sich mit zwei Rottenburger Bekannten, tags darauf, einen Mann im Rentenalter in seiner Hechinger Wohnung zu besuchen, der mit Marihuana dealen soll. Die Reutlinger, ausgestattet mit drei Schreckschusspistolen und Schlagstock, holten die Rottenburger am späteren Abend mit dem Auto ab.

Zivilermittler stoppten vor Hechingen das Quintett und nahmen die Männer vorläufig fest. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Verabredung zum Verbrechen, dem 19-Jährigen zusätzlich schwere räuberische Erpressung vor. Der Prozess am Landgericht wird am 8. November fortgesetzt. Die übrigen Tatverdächtigen müssen sich separat vor dem Reutlinger Jugendschöffengericht verantworten.

Info: Richter: Martin Streicher; Beisitzer: Christian Mezger; Staatsanwältin: Henriette Unsöld; Verteidiger: Martina Kohler, Thomas Rall.

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31.10.2012, 12:00 Uhr

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