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40 cm für den Rechtsfrieden

Landgerichtspräsident schlichtet Frommenhausener Kübel-Streit

Dass ihm auch ein Streit unter Nachbarn nicht zu popelig ist, sagte der Tübinger Landgerichtspräsident Reiner Frey dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT schon beim Amtsantritt vor fünf Jahren. „Auch auf den Streit um einen überhängenden Zweig an der Grundstücksgrenze“, pointiert er, „muss man in aller Ernsthaftigkeit eingehen.“ Dass dies nicht bloß so dahingesagt war, sondern er dies ernst meinte, stellte der ausgesprochen bürgernah agierende Richter am Dienstag in Frommenhausen erneut unter Beweis.

26.06.2015

Dort streitet ein Ehepaar seit Jahren mit den Nachbarn um ein paar Quadratmeter Boden in der Ortsmitte. Zuerst mit der Ortschaftsverwaltung: Besucher der im Wagnerschen Schloss neu eingerichteten Begegnungsstätte rangierten beim Einparken zuweilen über den privaten Hofraum der Eheleute. Auf ihre Beschwerde hin ließ die Verwaltung zwischen dem öffentlichen und dem privaten Grundstück einen Zaun errichten. Nun kam zwar kein fremdes Auto mehr ins Privatgehege – die Eheleute selbst aber auch nicht mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Für viel Geld mussten die Klageführenden eine neue Zufahrt zu ihrem Privatgrundstück bauen lassen.

Die Fronten verhärteten sich, das Ehepaar sperrte im Gegenzug ein paar Quadratmeter Straße ab, die bisher gewohnheitsmäßig vom öffentlichen Verkehr mitbenutzt wurden, tatsächlich aber in Privatbesitz sind. Damit forderten sie jedoch einen bis dahin friedlichen Nachbarn heraus, einen Nebenerwerbslandwirt, dem durch die Barrikade, einen Pflanzentrog (siehe Bild), die Durchfahrt zu seiner Scheune erschwert wurde. Dagegen klagte er vor dem Rottenburger Amtsgericht, bekam in erster Instanz aber kein Recht.

So landete der Streit vor der von Landgerichtspräsident Frey geführten Berufungskammer, und die musste sich – wie schon erwähnt – am Dienstag mühen, die verfahrene Situation wieder ins Lot zu bringen. Bis ins kleinste Detail ließ sich Richter Frey von den beiden Parteien die Örtlichkeiten zeigen und deren besondere Nutzungen erklären. In der Sache kam zwar nicht viel Neues heraus. Doch mit der Hartnäckigkeit des geborenen Schwarzwälders (und vielleicht auch ein wenig mit dem Gewicht seines Amtes) gelang es Frey, die Streitparteien zu einem Vergleich zu bewegen: Das Ehepaar rückt die Pflanzen-Barrikade 40 Zentimeter näher an sein Grundstück und erleichtert damit dem Nachbarn die Durchfahrt mit großen Landmaschinen; dieser wiederum verzichtet im Gegenzug auf die vollständige Beseitigung des Hindernisses.

Man wird abwarten müssen, ob der Vergleich im rauhen Frommenhausener Alltag Bestand haben wird – oder der Streit an anderer Stelle wieder ausbricht. Dass die Schlichtung die Berufungskammer des Landgerichts rund neun Stunden Arbeit kostete, fand Reiner Frey zwar „aufwändig. Aber das ist unsere Aufgabe“, antwortete er diplomatisch auf die Frage nach dem Nutzen. Na denn – wenn‘s der Wahrheitsfindung dient! Ulrich Eisele

Landgerichtspräsident schlichtet Frommenhausener Kübel-Streit
Um einen Pflanzkübel, der die Durchfahrt behindert, drehte sich ein inzwischen geschlichteter Nachbarschaftsstreit in Frommenhausen. Bild: Eisele

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26.06.2015, 12:00 Uhr

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