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Brenz-Haus wird Notquartier

Landkreis will bis zu 50 Flüchtlinge übergangsweise im Gemeindehaus unterbringen

Das leerstehende Brenz-Gemeindehaus im Burgholz bekommt vor seinem endgültigen Abriss noch eine neue Nutzung: Der Landkreis Reutlingen will hier in einem Notquartier übergangsweise rund 50 Flüchtlinge unterbringen.

08.11.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Wie Dekan Jürgen Mohr dort Donnerstagabend in einer Infoveranstaltung vor etwa 40 Zuhörern ausführte, haben die evangelische Gesamtkirchengemeinde und der Landkreis mehrere Immobilien als mögliche Notquartiere besichtigt – darunter die Christuskirche in der Tübinger Vorstadt, die Jubilatekirche in Orschel-Hagen und das Matthäus-Alber-Haus. Die Wahl des Landkreises fiel schließlich auf das seit drei Jahren leerstehende Brenz-Gemeindehaus im Burgholz.

Wie berichtet, will es die Kirche an die Postgenossenschaft verkaufen, die es abreißen möchte und ein neues Wohngebiet plant. Doch das Bebauungsplanverfahren zieht sich. Strom und Wasser wurden nun wieder angeschlossen. Auch die Heizung soll funktionieren, wenn die ersten Flüchtlinge kommen. 50 von ihnen will der Landkreis hier auf Feldbetten für wenige Wochen als Notquartier unterbringen, wenn der Kreis Engpässe hat. „Nicht morgen oder nächste Woche – wenn es nach mir geht, müssen wir diese Räume nie nutzen“, sagte Kreis-Ordnungsamtsleiter Hendrik Bednarz. Doch der Landkreis bekomme monatlich hundert Flüchtlinge von der Karlsruher Erstaufnahmestelle zugewiesen.

Übergangsweise habe er schon in Zwiefalten ein Hotel mit 22 Plätzen angemietet. „Andere Landkreise belegen Turnhallen, das wollen wir vermeiden“, so Bednarz. Denn dann müssten dort Sportangebote von Schulen und Vereinen ausfallen.

Zehn bis 20 Asylbewerber sollen zudem übergangsweise in Appartements im leerstehenden Pfarrhaus beim Brenz-Gemeindehaus einziehen. Für einige Monate bleiben könnten zehn weitere Flüchtlinge, die in der ehemaligen Hausmeisterwohnung einquartiert werden.

Die Lösung ist befristet, bis die Folgenutzung für das Brenz-Gemeindehaus klar ist. Laut Dekan Mohr entstehen der Kirche keine Kosten durch die Notunterkunft. Zur Betreuung gibt es Sozialarbeiter des Landkreises sowie Hausmeister. Ehrenamtliche Hilfen organisiert darüber hinaus die Reutlinger Asylpfarrerin Katrin Sältzer. „Da sind Nachbarschaft und Kirchengemeinde gefordert“, so Sältzer. Der Arbeitskreis Asyl betreibt mittlerweile drei Asylcafés: eins in der Metzgestraße, eins in Betzingen, eins im Ringelbach, wo in der ehemaligen Ypern-Kaserne mittlerweile ebenfalls 64 Flüchtlinge untergebracht sind.

Die Ehrenamtliche seien laut Bednarz keine billigen Sozialarbeiter – „wir brauchen Leute, die sich vor Ort auskennen“. Dekan Mohr sagte: „Es geht um eine Willkommenskultur für Menschen auf der Flucht.“

Die Zuhörer – überwiegend aus Reihen der Kirchengemeinde – fragten, wie sich die Flüchtlinge beschäftigen können: „Was machen die Menschen den ganzen Tag?“ Laut Bednarz gibt es mittlerweile feste Deutschkurs-Angebote und die Möglichkeit zu gemeinnützigen Tätigkeiten oder Ein-Euro-Jobs. Der Kreis wolle aber auch mit den Vereinen zusammenarbeiten. Freilich gehe es in der Notunterkunft für die Asylbewerber vor allem darum, die Zeit zu überbrücken und sich zunächst einmal zurechtzufinden. Die Botschaft von Bednarz: „Unsere Leute kümmern sich.“

Derzeit hat der Landkreis Reutlingen laut Ordnungsamtschef Hendrik Bednarz 762 Asylbewerber und Spätaussiedler untergebracht. Davon allein 310 in der Betzinger Carl-Zeiss-Straße, 60 von ihnen in Containern. Bednarz: „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Unterkünften.“ Eine entsteht, wie berichtet, für etwa ein Jahr mit 80 Plätzen im stillgelegten Gomadinger Feriendorf auf der Schwäbischen Alb, das später abgerissen werden soll. 70 Gomadinger haben sich vorige Woche bei einer Infoveranstaltung bereit gezeigt, in Arbeitsgruppen ehrenamtliche Hilfen für die Asylbewerber zu organisieren.

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08.11.2014, 12:00 Uhr

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