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Landrat verlässt Fastnachts-Gruppe
Das ist vorbei: Landrat Heinz Seiffert als Mate-Musikant. Foto: Ingeborg Burkhardt
Austritt wegen rechtsextremer Inhalte im Netz - Ehinger Verein schließt Kritiker aus

Landrat verlässt Fastnachts-Gruppe

Die Mate-Kapelle, eine Ehinger Fasnetstruppe, hat ein prominentes Mitglied verloren: Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert ist ausgetreten.

28.04.2016
  • WOLFGANG H. SCHMID ANDREAS HACKER

Ehingen. Die Mate-Kapelle, eine bekanntere Truppe der Fasnet in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) und eigenständige Gruppe der örtlichen Narrenzunft Spritzenmuck, hat eine denkwürdige Versammlung hinter sich. Mitte April waren 38 Mitglieder zur Hauptversammlung erschienen. Dort wurde über den Ausschluss dreier Mitglieder abgestimmt, die den Antrag gestellt hatten, sich mit braunen, volksverhetzenden Umtrieben unter dem Logo des Pfannen-Mate zu befassen.

Zur Vorgeschichte: Im Dezember war auf der Text- und Bildplattform WhatsApp offensichtlich braune Soße übergeschwappt. In einer Nachricht, die Logo und den Namen der Mate-Kapelle im Vorspann führte, fanden sich Hakenkreuze, Judenhetze, Schwarze mit und ohne Lendenschurz, Adolf Hitler in NS-Montur. Eingestellt hatte diese Bildersammlung, die inzwischen wohl gelöscht ist, ein 29-jähriger Ehinger.

Nicht alle "Matisten" hatten sofort davon erfahren. Aber an Heinz Seiffert - er könnte in diesem Jahr 30-jährige Mitgliedschaft feiern - ging die Nachricht nicht vorbei. Der Landrat stellte die Vereinsleitung um Hermann Schlecker vor die Wahl: Entweder gehe der Urheber oder gehe er, mit so einer Person könne er keinen Umgang pflegen.

Der Vereinsvorsitzende und der elfköpfige Ausschuss versuchten, sich wegzuducken. Der Vorsitzende teilte nach Informationen der SÜDWEST PRESSE dem prominenten Mitglied Seiffert mit, dass der kritisierte Vereinsfreund seine WhatsApp-Bilder bedauere; der Ausschuss der Gruppe distanziere sich von den braunen Inhalten. Die Distanzierung wurde per Schreiben festgehalten, das unter Verschluss blieb und erst Wochen später bei der Versammlung verlesen wurde.

Auch Seiffert hat damals eine Seitwärtsbewegung der Konfrontation mit der ganzen Mate-Kapelle vorgezogen. Der Landrat war in diesem Jahr im Umzug nicht auszumachen. Seifferts Mitgliedschaft ruhte.

Nach der Fasnet zog die Angelegenheit weitere Kreise. Peter Kienle, Chef aller Ehinger Narren, wurde nicht nur informiert, ihm wurde später auch das Bilderkonvolut zugänglich gemacht. Er fand es inakzeptabel und forderte Konsequenzen. "Zeitnah habe ich und die Vorstandschaft reagiert und einen Ausschluss dieses Mitglieds beschlossen", sagte Kienle auf Anfrage. Der 29-Jährige ist dann Ende März selber ausgetreten.

Jene, die glaubten, dieser Sumpf müsse trocken gelegt werden, zeigten das Material Experten der Polizei und des Staatsschutzes. Sie wollten sichergehen in ihrem Urteil. Hinweise auf den Urheber gaben sie den Behörden nicht.

Diese Zurückhaltung half ihnen nicht gegen die Wut der anderen, die sich auf der Hauptversammlung zeigte. Dort ging es nun gegen drei von ursprünglich acht Mate-Mitgliedern, die den Mut gehabt hatten, mit einem schriftlichen Antrag eine Debatte über den Umgang mit rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Umtrieben im Verein zu fordern - und über eine bessere "Transparenz". Den Antragstellern, die nicht genannt werden wollen, wurde angelastet, den Landrat und Peter Kienle als obersten Spritzenmuck unterrichtet zu haben. Ihr Angebot, die Bilder zu zeigen, sei niedergebrüllt worden, auf den Antrag sei nicht eingegangen worden, wird erzählt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie beschädigten mit ihrem Querulantentum das Image der Kapelle. Es wurde die Forderung laut, die drei rauszuwerfen; schließlich wurde ein förmlicher Antrag gestellt, die drei wegen vereinsschädigendem Verhalten auszuschließen.

Bei zweien gab es dann die Mehrheit für den Rauswurf, beim dritten wurde diese knapp verpasst. Damit waren zwei aus der Mitgliederliste getilgt; der dritte wird seinen Austritt noch erklären.

Landrat Heinz Seiffert hat das bereits hinter sich. "Ich brauche da Klarheit", sagte er. Nach der Hauptversammlung, bei der er nicht anwesend war, verzichtete er auf eine weitere Mitgliedschaft.

Kienle bedauert Seifferts Schritt, versteht ihn aber auch. Der Vorfall auf WhatsApp sei nicht zu tolerieren. "Es darf nicht sein, dass nun der Eindruck entsteht, die Narren seien so", sagt der Zunftpräsident.

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28.04.2016, 06:00 Uhr

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