Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ausstellung

Lange ein reiner Herrenclub

Weibliche Lehrkräfte an der Uni Hohenheim – das war nicht immer selbstverständlich. Die erste Professorin kämpfte gegen Widerstände.

08.03.2018

Von BARBARA WOLLNY

Die beauftragte für Chancengleichheit, Elke Lechner, hat sich die Geschichte der Frauen an der Uni Hohenheim erarbeitet. Eine Geschichte, die erst geschrieben werden musste. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Der Titel „200 Jahre Frauen in Hohenheim“ trügt. Denn die ersten 100 Jahre war die „Landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt“, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, in Wahrheit ein reiner Männerclub. Die Ausstellung, die die Uni Hohenheim zum heutigen Weltfrauentag konzipiert hat, setzt daher eigentlich später an: Erst 1920 kam die erste Professorin nach Hohenheim, was seinerzeit allerdings gegen den Senat durchgesetzt werden musste, der sich energisch wehrte. Die Herren wollten unter sich bleiben und erfuhren von der Berufung ihrer neuen Kollegin erst aus der Zeitung.

Die Zeiten haben sich freilich geändert – sowohl beim Lehrkörper als auch bei der Studentenschaft. Heute sind 47 Prozent der Studenten in Baden-Württemberg weiblich. Von den rund 1500 Professoren an den Unis und Hochschulen des Landes waren 2016 ein knappes Fünftel Frauen. Hohenheim liegt mit seinem Frauenanteil von 23 Prozent sogar leicht über dem Schnitt. 2004 wurde die Uni zudem als erste des Landes als familiengerechte Hochschule ausgezeichnet und konnte diesen Titel bis heute halten. Mit Katrin Scheffer ist aktuell schon die zweite Frau als Kanzlerin für Hohenheim tätig, von neun Abteilungen in der Verwaltung werden fünf von Frauen geleitet.

Als 2015 die Vorbereitungen für das Uni-Jubiläum begannen, wollte Elke Lechner auch die Geschichte der Frauen in Hohenheim darstellen. Lechner arbeitet als Laborantin und stellvertretende Beauftragte für Chancengleichheit am Institut für Kulturpflanzen. Aber – große Überraschung – diese Geschichte musste erst geschrieben werden. Es gab so gut wie keine Unterlagen zu dem Thema. Zwei Jahre lang saß Lechner jede Woche zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit im Archiv und wälzte Akten. Bei ihren Recherchen – diese sind auf großen Bildtafeln im Spielhaus ausgestellt – stellte sich heraus, dass die Uni lange eine komplett frauenfreie Zone war.

Das änderte sich erst mit der Plieningerin Marie Ederle, die ab 1909 als Schreibkraft und damit wohl als erste Frau Hohenheims in der Landwirtschaftlichen Versuchsstation tätig war. Nach dem Besuch der Volksschule nahm Marie – gerade 14 Jahre alt – ihre Tätigkeit an der Hochschule auf. Ihr Tagesverdienst betrug 1909 kärgliche 1,50 Mark, 3,50 Mark ab 1917. Damals aber kostete ein Kilo Brot schon 50 Pfennig, ein Pfund Butter über zwei Mark.

Ein Jahr später wurde die erste Laborantin in Hohenheim eingestellt. Helene Wetzel, die Tochter eines Birkacher Schreinermeisters, begann 15-jährig im Institut für Samenprüfung zu arbeiten. Ihr Gehalt lag immerhin schon bei 46 Pfennig pro Stunde.

Als Pionierin unbeliebt

1920 dann wurde Margarete von Wrangell als erste ordentliche Professorin in Hohenheim habilitiert und als Privatdozentin beschäftigt. Ab 1923 leitete sie das neu gegründete Pflanzenernährungsinstitut. Ihre Forschungen zu Phosphorsäure als mineralischem Bodenverbesserer waren für die damalige Düngemittelindustrie so interessant gewesen, dass sie Hohenheim ein eigenes Institut finanzieren wollte, vorausgesetzt, von Wrangell würde die Leitung übertragen. Doch die männlichen Kollegen leisteten so heftig Gegenwehr, dass von Wrangell erst 1923 auf Druck von Ministerien in Berlin und Stuttgart zur ordentlichen Professorin ernannt wurde. Sie war eine sehr erfolgreiche Wissenschaftlerin und in der Lage, beachtliche Drittmittel für ihr Institut anzuwerben, als Pionierin aber trotzdem nicht sehr beliebt.

„Wer nun denkt, dass Margarete von Wrangell den Weg für Frauen als Professorinnen geebnet hat, liegt falsch“, fand Elke Lechner bei ihren Recherchen heraus. „Erst nach fast 50 Jahren, 1971, gab es in Person von Erna Hruschka wieder eine Professorin in Hohenheim.“ Diese und andere Geschichten finden sich in der Ausstellung, die an diesem Donnerstag eröffnet wird und bis 22. April im Spielhaus läuft.

Info Geöffnet sonntags von 10 bis 16 Uhr, ab April auch samstagnachmittags.

Margarete von Wrangell war die erste Professorin. Foto: Uni Hohenheim

Zum Artikel

Erstellt:
8. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. März 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort