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Kunstsammlung

Langsam ein Fass ohne Boden

Kirchentellinsfurter Gemeinderat stritt über weitere Aufarbeitung des Hildebrand’schen Werkes.

02.11.2016
  • Stephan Gokeler

Seit fast drei Wochen ist im Kirchentellinsfurter Rathaus die neue Wechselausstellung „Großartige Stimmung und farbiger Ernst“ mit Tübinger Stadtansichten von Günter Hildebrand zu sehen. Die Gemeinde hatte den künstlerischen Nachlass des Ehepaars Hildebrand, das von 1969 an im Ort lebte und arbeitete, nach dem Tod von Elisabet Hildebrand im Jahr 2011 als Vermächtnis erhalten. Seitdem gibt es unter den Gemeinderäten zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Sammlung, die anlässlich des Jahresberichtes von Johannes Krause vor dem Gremium erneut aufschienen.

Krause beschäftigt sich in seiner kunstgeschichtlichen Dissertation mit dem Hildebrand’schen Werk und arbeitet nebenbei im Auftrag der Gemeinde an der Katalogisierung, Archivierung, Restaurierung und Ausstellung der Bilder und Grafiken. Dass er dies mit großem Engagement und ebensolcher Fachkunde tut, würdigten am vergangenen Donnerstag alle Gemeinderäte.

Das änderte aber für Peter Beckert (CDU) nichts an seiner grundsätzlichen Kritik. „Es ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, eine solche Sammlung zu verwalten“, kritisierte er. Seine Hochrechnung, dass bisher insgesamt 28 000 Euro aus dem Gemeindesäckel dafür ausgegeben worden seien, bezweifelte Bürgermeister Bernd Haug.

Doch auch Markus Appenzeller (FWV) fand: „Zuständig wäre ein Trägerverein von Kunstmäzenen und nicht eine Gemeinde unserer Größe.“ Seit Jahren sei die Rede davon, einzelne Werke verkaufen zu können, passiert sei aber diesbezüglich nichts. „Das gerät langsam zum Fass ohne Boden“, befand er. Eine gänzlich andere Haltung nahm Marie-Luise Bausch (GAL) ein. Gleich zweimal habe Kirchentellinsfurt großes Glück gehabt, „als wir den Nachlass bekommen haben und mit Herrn Krause“. Die Bilder stellten einen großen Wert für die Gemeinde dar.

Krause fand ebenfalls, dass es sich um sehr gut investiertes Geld handle. Obwohl ihn die Gemeinde nur für 300 Stunden im Jahr bezahlt, sei in den vergangenen Jahren „unheimlich viel geschafft“ worden. Das Interesse bei der Ausstellungseröffnung und an den von ihm angebotenen Führungen belege, dass man auf dem richtigen Weg sei, die Sammlung Hildebrand einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mit Andreas Heusel (FWV) und Werner Rukaber (SPD) äußerten gleich zwei Gemeinderäte privates Interesse am Kauf Hildebrand‘scher Werke. Solchen Einnahmeoptionen erteilte aber Bürgermeister Haug vorerst eine Absage: Erst gelte es, die Sammlung Hildebrand mithilfe von Ausstellungen und Galeristen als Marke auf dem Kunstmarkt zu etablieren, um dann bei Verkäufen auch angemessene Preise zu erzielen.

Mit zwölf gegen drei Stimmen beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, auch für den Haushalt 2017 wieder 10 000 Euro für den Unterhalt der Sammlung einzustellen. Bis zu den Haushaltsberatungen werde eine Übersicht über die bislang aufgewendeten Mittel vorliegen, versprach der Bürgermeister.

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02.11.2016, 01:00 Uhr

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