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Langweilig?
Beständig!
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Wellington

Langweilig? Beständig!

14.12.2016
  • DPA

Wellington. Neuseelands neuer Premierminister Bill English hat acht Jahre als Stellvertreter in der zweiten Reihe gestanden. Nun tritt er aus dem Schatten des seit acht Jahren regierende John Key, der vor gut einer Woche überraschend seinen Rücktritt als Premierminister erklärt hatte – trotz guter Konjunktur und guten Umfragewerten. Er wolle mehr Zeit mit der Familie verbringen, sagte er. Der vor seiner Politiker-Karriere als Banker zum Millionär gewordene Key wollte am Dienstag nach Hawaii fliegen.

Nicht, dass Key ein Charismatiker vom Schlage Barack Obamas gewesen wäre. Er agierte eher hölzern, traf aber etwa mit einer spontanen Sangeseinlage von „All I Want for Christmas“ oder einer Anekdote über das Pinkeln beim Duschen den Ton, der ihn beim Volk beliebt machte. Von English gibt es nichts Vergleichbares – bislang.

Der 54-jährige Politiker gilt als vertrauenswürdiger Kassenwart, einer, dem Mann oder Frau die Staatskasse getrost anvertrauen kann. Darüber hinaus fällt den Neuseeländern wenig ein zu ihrem neuen Regierungschef: trocken, humorlos, langweilig, hört man. „Mein Spezialgebiet ist das Langweiligsein“ – das hat er tatsächlich einmal gesagt, auch wenn er das jetzt als falschen Eindruck abtut.

„Ständig über die Konjunktur zu reden, das gibt den Leuten vielleicht diesen Eindruck“, meinte er jetzt in einem Radiointerview. Und korrigiert sein Image dann so: „Ich bezeichne mich lieber als beständig.“ So will er auch das Regierungsteam behalten und verspricht den Neuseeländern Kontinuität.

English kommt aus einer kinderreichen Bauernfamilie im ländlichen Teil der Südinsel. Er arbeitete als Bauer, dann als Finanzanalytiker, ehe er 1990 ins Parlament gewählt wurde. Zwölf Jahre später sah es so aus, als sei seine politische Karriere zu Ende. Er führte seine konservative Nationalpartei 2002 zu ihrer herbsten Niederlage. Sie holte nur 20 Prozent der Stimmen. Er machte daraus eine Lektion für seine sechs Kinder: „Wenn du umgeworfen wirst, steh‘ wieder auf“, sagte er der Zeitung New Zealand Herald.

English ist Katholik und vertritt konservative Werte. Er hat gegen die 2013 beschlossene Legalisierung der Homo-Ehe gestimmt und gegen die Legalisierung von Abtreibung, Prostitution und Sterbehilfe.

English kündigte eine Kabinettsumbildung noch vor Weihnachten an. Spätestens im Herbst des kommenden Jahres wird neu gewählt. Die Regierung kann aber auch einen früheren Termin bestimmen. dpa

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14.12.2016, 06:00 Uhr

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