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Transport

Lastenrad statt Kastenwagen

Immer mehr Pakete kommen mit dem Fahrrad an. Das könnte den lokalen Einzelhändlern im Kampf gegen die Onlineriesen helfen.

27.04.2017
  • DAVID NAU

Die Straßen in deutschen Innenstädten werden immer voller. Die Folgen sind vielerorts dieselben: Staus, Lärm und immer weiter steigende CO2- und Feinstaubbelastung. Schuld am regen Verkehr sind aber nicht nur die Pendler und Anwohner, sondern auch die Logistikbranche. Für sie ist die Straße der wichtigste Transportweg. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 knapp 80 Prozent aller Güter auf der Straße transportiert.

Dass der Transport von Waren aber auch ohne Schadstoffausstoß geschehen kann, beweist ein junges Unternehmen aus Tübingen. In den Straßen und Gassen der Universitätsstadt sind bereits seit Dezember 2014 die roten Lastenfahrräder von Velocarrier unterwegs. Sie transportieren die Waren auf der „letzten Meile“, also im Innenstadtbereich, wie Unternehmensgründer und Geschäftsführer Raimund Rassillier erklärt.

Dass das Konzept ankommt, merkt Rassillier deutlich: In Tübingen bringen seine Lastenräder in Spitzenzeiten bereits 400 Sendungen am Tag zum Kunden. In Stuttgart, wo das Unternehmen erst seit Juni 2016 operiert, strebt man momentan das Ziel von 500 Sendungen pro Tag an. Inzwischen betreibt Velocarrier auch Zweigstellen in Esslingen, Würzburg, Gießen, Bochum und Ulm/Neu-Ulm.

50 Lastenräder sind auf die Standorte verteilt, fahren dort im Drei-Schicht-Modell zwölf Stunden am Tag. In den nächsten Monaten sollen Stationen in Mainz und Essen dazukommen, insgesamt wollen die Tübinger in diesem Jahr zwölf neue Niederlassungen eröffnen. Mit 32 Städten führt das Unternehmen Verhandlungen über eine Niederlassung.

Die Lastenfahrräder von Velocarrier bringen bislang noch hauptsächlich Waren von einem Gewerbetreibenden zum anderen. „Vom Kühlergrill über Druckerpatronen bis zur Zahntechnik war alles schon dabei“, sagt Rassillier. Bei Größe und Gewicht hat das Lastenrad seine Grenzen. In den kastenförmigen Aufbau passt genau eine normale Europalette, mehr als 250 Kilogramm kann das Rad nicht tragen.

„Wir lassen aber gerade eine neue Generation von Rädern entwickeln, die ein höheres Gewicht aufnehmen kann“, sagt er. Die Fahrer, hauptsächlich Studenten, bekommen Unterstützung durch einen Elektromotor, sodass sie auch größere Steigungen wie etwa in Stuttgart gut packen. „Unsere Fahrer müssen also nicht besonders trainiert sein“, erklärt er.

Der Transport vom Händler zum Verbraucher ist noch nicht so gefragt. „Die Händler“, sagt Rassillier, „sind da noch sehr konservativ, offenbar ist der Druck durch den Onlinehandel noch nicht groß genug.“ Seiner Ansicht nach könnten die Räder aber durchaus eine Antwort der lokalen Händler auf die wachsende Online-Konkurrenz sein.

Sie könnten den Vorteil des Onlinehandels, die schnelle Lieferung an die Haustüre, auch im lokalen Einzelhandel möglich machen. „Die Lieferung am selben Tag wird immer wichtiger. Da bleibt dem lokalen Handel nichts anderes übrig, als auf den Bedarf einzugehen“, sagt Rassillier.

Teurer als der gewohnte Transport per Post ist die Radlieferung nicht. „Wir orientieren uns an den Preisen der Paketdienstleister“, sagt Rassillier. Ein Paket bis fünf Kilogramm kostet zum Beispiel 4,99 EUR.

Räder sind rentabler

Diese Preise kann der Lastenradunternehmer nur anbieten, weil die Räder auf der letzten Meile deutlich rentabler sind als Dieseltransporter. Ein Zustellfahrzeug kommt zwar in die Innenstadt, ist dort aber langsam“, erklärt Rassillier, der seit 20 Jahren in der Logistikbranche tätig ist.

Das sieht auch der große Paketdienstleister DHL so: „Fahrräder können Verkehrsstaus umgehen und kommen im Vergleich zu Zustellfahrzeugen pro Stunde auf bis zu doppelt so viele Zustellstopps“, heißt es in einer Mitteilung. Anfang März schickte das Unternehmen deswegen testweise in Frankfurt am Main und Utrecht Lastenfahrräder auf die Straßen. Die Konkurrenten DPD und GLS setzen ebenfalls auf das Konzept und bauten in diesem Frühjahr ihre Radflotten aus.

Lob bekommen die Paketdienstleister dafür vom ökologischen Verkehrsclub VCD. „Diese Entwicklung ist aus unserer Sicht sehr unterstützenswert“, sagt Wasilis von Rauch, Bundesvorsitzender des Verbands. Er fordert von der Politik jedoch eine stärkere Unterstützung der Lastenräder. Aktuell gebe es bei der Förderung von Elektromobilität eine einseitige Konzentration auf Elektroautos. „Wir würden uns wünschen, dass die Entwicklung von e-Lastenrädern stärker gefördert wird“, sagt von Rauch.

Er sieht auch die Städte und Gemeinden in der Pflicht, Lastenfahrräder zu fördern: „Das ist eine große Chance für die Kommunen, um etwas für die Luftqualität und gegen drohende Fahrverbote zu tun – sie haben die Hebel in der Hand.“

So könnten die Verwaltungen etwa das Radwegenetz ausbauen, den Lastenrädern längere Anlieferzeiten zubilligen als motorbetriebenen Transportern oder etwa Parkverstöße von

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27.04.2017, 06:00 Uhr

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