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Gefährdet Feinstaub die Gesundheit der Anlieger?

Laut Gewerbeaufsichtsamt werden die Grenzwerte eingehalten

Ist die Gesundheit der Pleva-Mitarbeiter durch Feinstaub des benachbarten Pelletherstellers gefährdet? Dr. Ralf Pleva und seine Frau Regine halten dies für durchaus möglich. Das Gewerbeaufsichtsamt betont dagegen, dass die Grenzwerte eingehalten werden und verweist aufs Landesgesundheitsamt, das keine Gefahr für die Gesundheit der Anlieger sieht.

08.08.2015
  • Reinhard Seidel

Kürzlich besuchte der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern die Firma Pleva im Empfinger Gewerbegebiet „Autobahnkreuz“ (die SÜDWEST PRESSE berichtete).

Dr. Ralf Pleva beklagte sich dabei bitterböse über seinen östlichen Nachbarn, die Firma Biopell, die mittlerweile den Namen „Dr. Gies Vermögensverwaltung – Future Energies GmbH“ trägt. Von dem Pellethersteller werde sein Unternehmen „regelmäßig eingestaubt“, wenn der Wind aus Osten bläst. Pleva empfindet das Herwehen als „extrem störend“ und ein „Ärgernis“ und spricht von „einigen Tonnen Staub“, die emittiert worden sind.

Sein Unternehmen habe des Öfteren seine Bedenken geäußert. Diese Bedenken würden von der Politik, er meint hier wohl das Landratsamt und die Kommune, „unter den Teppich gekehrt“. Pleva räumt ein, dass Future Energies viel getan und viel Geld investiert hat. Die Situation habe sich auch verbessert.

Pleva: Die Behörden tragen Verantwortung

Im Juni erklärte Empfingens Bürgermeister Albert Schindler im Gemeinderat, dass die „Dr. Gies Vermögensverwaltung – Future Energies GmbH“, um die Stäube in den Griff zu kriegen, für 80 000 Euro eine Kehrmaschine gekauft habe. Damit werde der Hof täglich gereinigt. Außerdem soll der neue Zaun, den verbliebenen Staub auffangen. Gies habe hier den Wert eines „Einfamilienwohnhauses“ investiert, um die Grenzwerte (auch im Bereich Lärm, Anm. d. Red.) einzuhalten. Diese Woche betonte Schindler, dass Gies sogar mehr getan habe, als es die vorgegebenen Grenzwerte verlangten.

Pleva sieht das aber anders. Der Staubzaun, für den viel Geld ausgegeben worden sei, sei völlig sinnlos, denn der Staub komme von oben. Hier liege ein Problem der Filtertechnik vor.

Holger Dewitz, der Technische Direktor von Pleva ergänzte, dass es relativ einfach sei, die ersten 80 Prozent Staub zurückzuhalten. Die restlichen 20 Prozent zu eleminieren sei aber (technisch) recht schwierig. Ralf Pleva verwies auch auf ein Pelletwerk im Ortenaukreis, das von den Behörden wegen der Staubentwicklung stillgelegt worden sei.

Regine Pleva erwähnt einen Brief, den Pleva ans Landratsamt geschrieben hat. Darin habe man darauf hingewiesen, dass das Unternehmen Pleva eine Verantwortung für die Mitarbeitern besitzt. Man habe Bedenken, dass der Feinstaub deren Gesundheit beinträchtigen könne. Gleichzeitig habe Pleva dem Amt mitgeteilt, dass es künftig die Verantwortung ablehnt, sollten Mitarbeiter gesundheitliche Schäden durch Feinstäube erleiden.

Eine weitere Anliegerin schätzt die Situation ähnlich wie Pleva ein, findet den Staub „lästig und störend“. Monika Engelhardt, die ihre Gesellschaft für Juristen-Information mbH in der Rudolf-Diesel-Straße 16, also ebenfalls westlich der Future Energies GmbH hat, nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt: „Das Problem ist, dass so eine Art Industrie in einem Gewerbegebiet nichts verloren hat.“

Muss ein Pelletwerk in ein Industriegebiet?

Auch sie räumt gerne ein, dass der Pellethersteller viel getan habe, erklärt aber, es gehe hier nicht um Ästhetik. Wegen des sehr feinen Staubs mache sie sich ebenfalls Sorge um die Gesundheit. „Das ist nicht mehr lustig.“ Der Empfinger Bürgermeister Albert Schindler habe in einem Gespräch mit dem Inhaber und Vertretern des Gewerbeaufsichtsamts sich dahingehend geäußert, dass er so einen Betrieb heute so nicht mehr genehmigen lassen würde. „Das ärgert mich schon“. Die technischen Einrichtungen der Future Energies GmbH müssten entweder auf den Stand gebracht werden, dass die Emissionen nicht mehr gesundheitsschädlich seien, oder es müssten strengere Auflagen gemacht werden.

Monika Engelhardt vermutet, dass im Unternehmen viele Fördermittel des Landes stecken und fragt sich, ob das der Grund sei, dass hier wenig geschehe. Fast resigniert meint sie: „Der Zug ist abgefahren, das Unternehmen werden wir nicht mehr wegbekommen“.

Das von ihr erwähnte Gespräch sei wohl rein zur Beruhigung der Betroffenen anberaumt worden, ist die Juristin überzeugt. Der Inhaber der Future Energies GmbH, Dr. Reinhold Gies, sitze auf einem sehr hohen Ross. Es sei schade um die Zeit gewesen.

Gesundheitsamt: keine Gefahren durch Staub

Die SÜDWEST PRESSE konfrontierte das Gewerbeaufsichtsamt, das im Landratsamt Freudenstadt dem Bau- und Umweltamt angegliedert ist, mit den Vorwürfen. Michael Schneider antwortete schriftlich. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass bei der letzten Emissionsmessung bei der Firma. DGV Future Energies der Staub-Grenzwert eingehalten wurde. Unabhängig hiervon wurden in der Zwischenzeit umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Staubsituation durchgeführt.“

Darüber hinaus sei Ralf Pleva angeboten worden, „kostenlos eine Staubmessung am Arbeitsplatz oder auch eine Immissionsmessung auf dem Grundstück der Firma Pleva durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) durchführen zu lassen. Dieses Angebot hat Herr Pleva jedoch nicht in Anspruch genommen“.

Zusätzlich sei auch das Landesgesundheitsamt eingeschaltet worden. Schneider wörtlich: „Gesundheitsgefahren durch eventuelle Staubimmissionen wurden als unbegründet angesehen.“

Die genannten Punkte, so Schneider, machten deutlich, „dass die Bedenken der Firma Pleva stets ernst genommen wurden, dies belegen auch die zahlreichen Vor-Ort-Termine und Abstimmungsgespräche, die in diesem Zusammenhang getätigt wurden.“

Laut Gewerbeaufsichtsamt werden die Grenzwerte eingehalten
Dieser Zaun soll die Anlieger von Future Energies (früher Biopell) vor Staub schützen. Dr. Ralf Pleva hält ihn für „sinnlos“, der Feinstaub komme von oben.Bild: sei

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08.08.2015, 12:00 Uhr

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